"Verfahren nicht allein wegen Easyjet entbehrlich"

29.01.2018 - 10:04 0 Kommentare

Höhere Ticketpreise nach dem Air-Berlin-Aus: Das Bundeskartellamt nimmt Lufthansa ins Visier und beendet die Vorprüfung nun auch nicht, weil Easyjet auf einmal innerdeutsche Konkurrentin ist.

Andreas Mundt. - © © Bundeskartellamt -

Andreas Mundt. © Bundeskartellamt

Trotz des innerdeutschen Markteintritts von Easyjet hat das Bundeskartellamt das im vergangenen Jahr gegen Lufthansa eingeleitete Vorprüfungsverfahren wegen erhöhter Ticketpreise nicht abgebrochen. Dies sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Wir bleiben da sicherlich dran."

Ich glaube nicht, dass ein Verfahren allein deshalb entbehrlich ist, weil jetzt bestimmte Strecken wieder von einem Wettbewerber bedient werden.

Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts

So sei auch ausschlaggebend, dass die Briten nicht auf "allen Strecken" in den Wettbewerb gegen Lufthansa getreten sind. "Wir werden möglicherweise in Zukunft weiterhin Monopolstrecken haben. Da ist es nützlich für uns, die Preisgestaltung nachvollziehen zu können", so Mundt.

Seit Jahresanfang fliegt Easyjet von ihrer Basis am Flughafen Berlin-Tegel aus auch vier deutsche Ziele an: Düsseldorf, Frankfurt, München und Stuttgart. Branchenkenner gehen davon aus, dass im Sommerflugplan, der in dieser Woche vorgestellt wird, noch weitere innerdeutsche Strecken enthalten sein werden.

"Da reicht keine Momentaufnahme"

Im Zuge der Air-Berlin-Pleite waren viele innerdeutsche Kapazitäten weggefallen, sodass Lufthansa und ihre Tochter Eurowings faktisch alleiniger Anbieter auf den meisten innerdeutschen Routen waren. Laut Experten sind die Ticketpreise infolge dessen um durchschnittlich 30 Prozent angestiegen.

Viele Verbraucher reagierten erzürnt - das Bundeskartellamt leitete ein Vorprüfungsverfahren ein. "Wir wollen uns jetzt erst mal ansehen: Was ist bei den Preisen eigentlich passiert?", so Mundt nun. Da reiche kein "Gefühl, da reicht auch keine Momentaufnahme". Die Entwicklung von Preisen nachzuvollziehen sei alles andere als "trivial".

Im besten Fall finden wir Parameter für die Frage, welche Preisanhebung wettbewerblich noch völlig in Ordnung ist.

Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts

Lufthansa argumentierte damals mit dem buchungsimmanenten Algorithmus, der abhängig von der Nachfrage preisgünstigere Buchungsklassen vorzeitig schließe und gleichzeitig teurere Buchungsklassen automatisch öffne. Mundt bezeichnete dies in einem früheren Interview als "Ausrede": "Solche Algorithmen werden ja nicht im Himmel vom lieben Gott geschrieben."

© Christoph Brützel, Lesen Sie auch: Airline Yield Management und Pricing Aviation Management

Ob schlussendlich ein Prüfungsverfahren eingeleitet werde, stünde laut Mundt zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest: Man "müsse die Preissysteme verstehen und analysieren. Das ist sehr viel Detailarbeit." Auf dieser Grundlage würde anschließend entschieden, ob ein Hauptverfahren eingeleitet würde. "Da gibt es weder eine Tendenz, noch einen Zeitplan."

Auf innerdeutschen Flugverkehr fehlten seit dem Aus von Air Berlin rund 60.000 Sitze pro Tag. Laut eines Eurowings-Sprechers biete die Kranich-Billigtochter im Januar 1000 und im Februar 1300 zusätzliche Flüge an. Konzernchef Carsten Spohr hatte dies im Rahmen der Preisdiskussion angekündigt.

Von: cs
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