Bundeskartellamt warnt vor Vergleichsportalen

15.04.2019 - 07:01 0 Kommentare

Vergleichsanbieter führen Verbraucher oft in die Irre. Das ist das Ergebnis einer neuen Untersuchung des Bundeskartellamts. Auch Flugvergleiche sind nicht immer transparent. Viele Portale gehören zudem den selben Anbietern.

Ein Passagier wartet in der Abfertigungshalle des Flughafens München. - © © dpa - Peter Kneffel

Ein Passagier wartet in der Abfertigungshalle des Flughafens München. © dpa /Peter Kneffel

Verbraucher sollen laut Bundeskartellamt darauf achten, wie genau das Ranking von Angeboten bei Vergleichsportalen zustande kommt. Vielfach seien die als besonders empfohlen dargestellten Optionen nicht die günstigsten, schlussfolgert das Kartellamt in einer Sektorenuntersuchung, die auch Flugvergleichsportale einschließt.

Die verbraucherrechtliche Situation bei Vergleichsportalen sei insgesamt unbefriedigend, schlussfolgert das Amt. Die Sektoruntersuchung habe gezeigt, dass verschiedene Geschäftspraktiken der Vergleichsportale dazu führen können, dass keine Neutralität gegeben sei.

Dabei sei die Situation im Bereich der Flugpreisvergleiche im Vergleich zu anderen Bereichen insofern besonders, da die Anbieterseite stark konzentriert sei, berichtet das Kartellamt. Anders als etwa im Hotelbereich würden einige wenige Fluggesellschaften den Markt dominieren. Billigfluggesellschaften würden Vergleichsportale als Vertriebskanal sogar generell ablehnen. Aber auch andere seien in der Regel nur über Dritte an die Vergleichsportale angebunden.

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Die Vergleichsportale beklagen in der Befragung durch das Kartellamt aber auch ganz generell, dass Fluggesellschaften zunehmend anstreben, den Online-Vertrieb selbst zu übernehmen. Zudem würden Fluggesellschaften durch verschiedene Beschränkungen die freie Preisgestaltung unterbinden. Günstigere Kombinationen verschiedener Fluggesellschaften für den Hin- und Rückflug könnten so beispielsweise oftmals nicht angezeigt werden, was sich unmittelbar negativ für die Verbraucher auswirke.

Flugvergleichsportale verdienen vor allem an Zusatzgebühren

Da die meisten Airlines darüber hinaus dazu übergegangen seien, Provisionen für Vermittlungen einzustellen, müssten Vergleichsportale ihre Einnahmen überwiegend aus Zusatzgebühren generieren, stellt das Kartellamt fest. Hierzu gehören laut Untersuchung Servicepauschalen, Gebühren für bestimmte Zahlungsarten sowie das Angebot von Zusatzleistungen, etwa für die Vermittlung von Reiserücktrittskostenversicherungen, Hotels oder Mietwagen.

Zu den Geschäftspraktiken einiger Vergleichsportale gehören laut Untersuchungsbericht aber auch eine Irreführung der Verbraucher, mangelnde Transparenz in den Darstellungen der Angebote und eine Beeinflussung der Rankings.

So gebe es im Reisebereich gleich mehrere Beeinflussungsfaktoren, die Verbraucher in die Irre führen könnten. So sollten sich Nutzer nicht von Hinweisen auf angeblich geringe Verfügbarkeiten verlassen. Auch vermeintlich "exklusive" Angebote seien vielfach nicht exklusiv.

Welches Portal gehört zu wem?

Das Bundeskartellamt hat im Zuge ihrer Sektorenuntersuchung auch die wesentlichen Verflechtungen der befragten Portale aufgelistet. Für den Flugbereich gehören die folgenden Portale zu den folgenden Unternehmensgruppen:

Booking: booking.com, kayak.de, momondo.de, swoodoo.de
Check24: check24.de
eDreams: edreams.de, opodo.de
Expedia: ebookers.de, expedia.de
FTI: 5vorflug.de, fly.de
HolidayPirates: flynder.com, urlaubspiraten.de
Idealo: billig-flieger-vergleich.de, idealo.de
Invia: ab-in-den-urlaub.de, airline-direct.de, billigfluege.de, fluege.de, flug.de, reisen.de
Lastminute: bravofly.de, jetcost.de, lastminute.de, weg.de
Travel24: flug24.de, travel24.com
Travix: cheaptickets.de, flugladen.de
ProSieben Sat.1: verivox.de

Mangelnde Transparenz sei zudem festzustellen, wenn beispielsweise nicht auf Einschränkungen in den Angeboten von provisionszahlenden Partnern hingewiesen werde. Der am Ende des Buchungsvorgangs zu zahlende Preis könne aber auch ganz generell durch Gebühren teilweise deutlich über dem im Erstranking angezeigten Preis liegen.

Zudem würden viele Portale gegen Entgelt Angebote auf einer sogenannten "Position Null" vor der eigentlichen Reihenfolge im Angebots-Ranking besonders hervorgehoben bewerben, was einer verdeckten Werbung entspräche.

Viele Portale gehören den selben Anbietern

Ein weiteres Problem sei, dass etliche Portale auf dieselben Daten zurückgreifen und zudem sogar zu den selben Unternehmen gehören. Vom Verbraucher würden diese nur vermeintlich verschiedenen Portale aber als unabhängig wahrgenommen, so der Bericht.

So betreibe Invia die Seiten Airline-direct.de, Billigfluege.de und Fluege.de. Auch die Seite Flug24.de, die zu Travel24.com gehört, greift laut Bericht auf Invia zurück. Bei den Metasearchern sind der Ausweisung nach die wichtigsten Anbieter derzeit Kayak, Swoodoo und Momondo, die alle zur Booking-Gruppe gehören, sowie Skyscanner (Ctrip-Gruppe) und das zur Axel Springer-Gruppe gehörende Portal Idealo.

© dpa, Armin Weigel Lesen Sie auch: Tickets kauft man heute bei Airlines - und morgen? Aviation Management

Von: dh
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