Bundeskartellamt nimmt Lufthansa ins Visier

24.11.2017 - 12:24 0 Kommentare

Während die Lufthansa noch auf die Genehmigung der EU-Kommission zur Übernahme der Air-Berlin-Töchter LGW und Niki wartet, schlägt ihr in Deutschland Unmut über die gestiegenen Flugpreise entgegen. Ihr Chef gelobt Besserung. In der Rhetorik des Bundeskartellamt ist nun aber eine neue Schärfe zu erkennen.

Schild des Bundeskartellamts in Bonn: Kommt eine zweite Prüfung für die Lufthansa? - © © dpa -

Schild des Bundeskartellamts in Bonn: Kommt eine zweite Prüfung für die Lufthansa? © dpa

Das Bundeskartellamt prüft die in Folge der Air-Berlin-Pleite gestiegenen Ticketpreise bei der Lufthansa. "Wir haben die Deutsche Lufthansa gebeten, uns Informationen über ihre Preissetzung zur Verfügung zu stellen. Wir werden uns die Daten ansehen und dann darüber entscheiden, ob wir ein Verfahren einleiten", zitiert die Nachrichtenagentur dpa Kartellamtschef Andreas Mundt.

Noch vor zwei Wochen war Mundt in seiner Wortwahl deutlich vorsichtiger. "Natürlich schadet der Wegfall von Air Berlin dem Wettbewerb. Ein Preiseffekt zum Nachteil des Kunden ist auch nicht wirklich überraschend", sagte er damals dem "Handelsblatt". "Der Ausgang des EU-Verfahrens ist abzuwarten, bevor man darüber nachdenken kann, ob hier ein marktbeherrschendes Unternehmen eventuell missbräuchlich überhöhte Preise nimmt."

Auslöser für die neuerlich scharfen Worte Mundts sind wohl etliche Beschwerden vieler Fluggäste, dass die Ticketpreise seit dem Ende des selbstvermarkteten Flugbetriebs von Air Berlin gerade für Inlandsflüge drastisch gestiegen seien. Nach Einschätzung von Branchenkennern haben die Preise im Durchschnitt auf manchen Strecken um bis zu 30 Prozent zugenommen.

Lufthansa setzt innerdeutsch weiter Jumbo ein

Täglich fehlen zehntausende Plätze im Flugverkehr. Lufthansa-Chef Carsten Spohr kündigte bereits an, ab Januar rund 1000 neue Verbindungen pro Monat bei Eurowings in den Markt einspeisen zu wollen. "Ich kann versprechen, dass mit neuen innerdeutschen Flügen wieder stabile Preise kommen", so Spohr in einem Interview vor knapp zwei Wochen.

© dpa, Christian Charisius Lesen Sie auch: Diese Airlines könnten die Air-Berlin-Lücken im Inlandverkehr schließen Apropos (22)

Spohr wies in dem Gespräch darauf hin, dass durch den Wegfall von Air Berlin derzeit jeden Tag 60.000 Sitze fehlten. Wie genau rund 32 zusätzliche Flüge pro Tag die Kapazitätsengpässe beheben sollen, ließ Spohr allerdings offen.

Derzeit heben allein bei Lufthansa und Eurowings täglich rund 1200 innerdeutsche Flüge ab. Air Berlin hatte zuletzt noch rund 250 Flüge pro Tag im Angebot, davon rund 130 im innerdeutschen Verkehr. Insgesamt bediente Air Berlin zu Hochzeiten knapp 450 Flüge täglich.

Auch fliegt Lufthansa seit Anfang November mit einem "Jumbo", also einer Boeing 747, die Strecke Frankfurt-Berlin. Der Einsatz wurde erst in dieser Woche bis kurz vor Weihnachten verlängert. Dies sei zwar "überhaupt nicht wirtschaftlich", betonte Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister, aber in der jetzigen Situation notwendig.

Easyjet könnte Entspannung bringen

Derweil könnte sich die offenbar preisdiktierende Stellung des Lufthansa-Konzerns noch einmal verschärfen, denn er will mit LGW und Niki große Teile der Air Berlin übernehmen. Allerdings ist dies noch nicht genehmigt. Die EU-Wettbewerbshüter entscheiden offenbar Anfang Dezember über den Deal.

© airliners.de, Karl Born, Lesen Sie auch: Hurra, die Flugpreise steigen! Die Born-Ansage (73)

Für Entspannung hingegen könnte eine Meldung des britischen Billigfliegers Easyjet sorgen. Der Low-Cost-Carrier hat seine Tegel-Pläne konkretisiert und will im Januar mit Flügen am Berliner Cityairport starten. Zunächst lediglich mit zwei eigenen Maschinen und zwölf weiteren Flugzeugen, die andere Airlines im Wet-Lease betreiben, soll wohl unter anderem die Lufthansa-Strecke Berlin-Frankfurt bedient werden - denn am größten Airport Deutschlands hat sich Easyjet auch schon Start- und Landerechte gesichert.

Von: cs
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