Air Berlin will keine Staatsbürgschaft mehr

21.06.2017 - 09:30 0 Kommentare

Eine Staatsbürgerschaft für Air Berlin ist laut Airlinechef Thomas Winkelmann unnötig geworden. Man habe Sparpotenzial ausfindig gemacht und würde so im Jahr einen zweistelligen Millionenbetrag zurückhalten können.

Eine Air-Berlin-Maschine landet am Flughafen Berlin-Tegel. - © © dpa - Soeren Stache

Eine Air-Berlin-Maschine landet am Flughafen Berlin-Tegel. © dpa /Soeren Stache

Die finanziell angeschlagene Air Berlin will den Weg aus der Krise ohne staatliche Hilfe schaffen. Das Management hat entschieden, "keine Staatsbürgschaft zu beantragen", teilte das Unternehmen mit. Air Berlin mache "gute Fortschritte bei der Restrukturierung" und eine Absicherung von Krediten über eine Staatsbürgschaft ist "schlichtweg nicht mehr nötig", erklärte Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann.

"Wir haben zu keinem Zeitpunkt einen verbindlichen Antrag auf eine Bürgschaft gestellt, und werden auch keinen Antrag stellen", so Winkelmann. Die Anfrage sei "eine von mehreren möglichen Maßnahmen" gewesen mit dem Ziel, die Kreditkosten zu senken. Bisher habe das Unternehmen jährlich rund 140 Millionen Euro allein für Zinsen ausgeben müssen.

Kosteneinsparungen im Millionenbereich

Air Berlin habe erfolgreiche Nachverhandlungen unter anderem bei Leasingverträgen für Flugzeuge geführt sowie Vertriebskosten gesenkt, berichtet der "Tagesspiegel". Dadurch gebe es jährlich Kosteneinsparungen im zweistelligen Millionenbereich. Die Zeitung nennt eine Summe von 50 Millionen Euro. Auch sei unter anderem die Bürofläche der Berliner Zentrale um ein Drittel reduziert worden.

Air Berlin hatte vor zwei Wochen eine Voranfrage auf eine Bürgschaft bei den Bundesländern Berlin und Nordrhein-Westfalen gestellt - auch der Bund hatte eine Prüfung erwogen. Die "Stuttgarter Zeitung" berichtete unter Berufung auf einen Bericht des Wirtschaftsausschusses des Bundestags, dass die Bundesregierung Hürden für eine Staatsbürgschaft sieht. Sie wolle eine gewisse Sicherheit, dass die Bürgschaft des Staates nicht fällig werde.

© dpa, Alban Grosdidier Lesen Sie auch: Medienbericht: Eine Landesregierung will Air Berlin nicht helfen

Air Berlin verzeichnet seit 2008 rote Zahlen, unterbrochen nur von einem kleinen Plus im Jahr 2012. Dank der Finanzspritzen ihrer Großaktionärin Etihad kann die Airline weitermachen. Der Golf-Carrier besitzt knapp ein Drittel der Anteile. Im vergangenen Geschäftsjahr steht bei Air Berlin ein Rekordverlust von rund 782 Millionen Euro in den Büchern.

Die Fluggesellschaft versucht derzeit, mit einem tiefgreifenden Umbau wieder auf Kurs zu kommen. Dazu gehört unter anderem die Vermietung von Flugzeugen an die Lufthansa-Tochter Eurowings und ein Ferienflug-Joint-Venture zwischen Tuifly und der Air-Berlin-Tochter Niki. Letzteres ist jedoch kürzlich gescheitert. Außerdem steht eine Air-Berlin-Übernahme durch Lufthansa im Raum.

Von: airliners.de, AFP
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Anzeige schalten »
  • Insolvenzverwalter Lucas Flöther. Das ist der Air-Berlin-Abwickler

    Portrait Das vergangene Jahr war das Jahr von Lucas Flöther. Er ist das Gesicht der Air-Berlin-Pleite und als Insolvenzrechtler kein Unbekannter. Nebenbei hält er Vorlesungen an der Universität Halle.

    Vom 09.02.2018
  • Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. "Topbonus": In der Not sparen gelernt?

    Die Born-Ansage (78) "Topbonus" will wieder auf die Beine kommen. Karl Born erreichte die Meldung zusammen mit einer anderen spannenden Nachricht - eine Personalie, die zum Thema passt.

    Vom 01.02.2018
  • Brigitte Zypries. Medien: Bund stimmte sich frühzeitig mit Lufthansa ab

    Die Regierung soll schon kurz vor der Air-Berlin-Insolvenz mit Lufthansa Gespräche über die Zukunft der insolventen Konkurrentin geführt haben. Auch diente die Absicht des Kranichs, LGW und Niki zu kaufen, wohl als Absicherung.

    Vom 31.01.2018

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus