Keine direkte Anbindung für STR?

Bürger stimmen für Gäubahnvariante

09.07.2012 - 08:43 0 Kommentare

Die Gäubahnvariante soll es sein. Die Teilnehmer des Filderdialogs rund um Stuttgart 21 haben sich mehrheitlich darauf festgelegt. Der direkte Bahnanschluss für den Stuttgarter Flughafen wackelt.

Die oberirdische Gäubahn und der Tunnel der Verbindungsbahn Stuttgart in Stuttgart-Vaihingen - © © CC by SA 2.0 - Klaus Jähne

Die oberirdische Gäubahn und der Tunnel der Verbindungsbahn Stuttgart in Stuttgart-Vaihingen © CC by SA 2.0 /Klaus Jähne

Die meisten Teilnehmer des Filderdialogs sind dafür, den Stuttgarter Flughafen über die sogenannte Gäubahnvariante an das Bahnprojekt Stuttgart 21 anzubinden. Das ist das Ergebnis der dritten und letzten Dialogrunde am Samstag in Leinfelden-Echterdingen (Kreis Esslingen). Der favorisierte Vorschlag sieht vor, dass Reisende von der Gäubahn in Stuttgart-Vaihingen umsteigen und mit der S-Bahn zum Flughafen fahren.

63 Teilnehmer, darunter besonders viele nach dem Zufallsprinzip ausgesuchte Bürger, plädierten für diese Variante; 44 votierten für die Antragstrasse der Bahn mit einer Verlegung des geplanten Fernverkehrshalts unter die Flughafenstraße. Zwei der zuletzt noch 109 Teilnehmer enthielten sich. Zum Abschluss des Filderdialogs wollen die S21-Projektpartner am 13. Juli offiziell Stellung zu den Empfehlungen nehmen. Der DB-Landeschef Eckart Fricke sagte mit Blick auf die bevorstehende Abstimmung der S21-Projektpartner untereinander: «Die Woche wird interessant und spannend.»

Durch die Gäubahnvariante würden der auf den Fildern ungeliebte Mischverkehr zwischen Fern- und S-Bahnen sowie mehr Lärm und zusätzliche Erschütterungen für die Anwohner an der Trasse vermieden. Die Gäubahn würde durch Stuttgart über eine aufwendige Kehre zum neuen Tiefbahnhof weitergeführt. Die Befürworter sehen damit den Appell von S21-Schlichter Heiner Geißler erfüllt, die Gäubahn zu erhalten. Auch Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hatte sich für diese Variante stark gemacht.

Die Anhänger des anderen Vorschlags legen vor allem Wert auf einen kundenfreundlicheren Fernbahnhof parallel zum bestehenden S-Bahnhof am Flughafen. Ansonsten würde sich zur noch nicht genehmigten Antragstrasse der Bauherrin Bahn kaum etwas ändern. Allerdings sprachen sich auch viele aus dieser Gruppe dafür aus, Nah- und Fernverkehr auf der Zuführung zum Flughafen zu entflechten. Nach Angaben der Bahn würde diese Variante noch nicht bezifferbare Mehrkosten durch eine längere Trasse nach sich ziehen.

Insgesamt nahmen unter der Moderation von Ludwig Weitz zunächst 120 Männer und Frauen an dem grün-roten Prestigevorhaben zur Bürgerbeteiligung teil. Darunter waren 46 nach dem Zufallsprinzip ausgesuchte Bürger; die größere Gruppe stellten Vertreter von Bürgerinitiativen, Projektpartnern und Kommunalpolitik. Im Laufe der Dialogrunde reduzierte sich die Zahl der Teilnehmer auf 109.

Der Filderdialog ist umstritten, etwa bei der Schutzgemeinschaft Filder, die ihn angesichts des komplexen Themas nicht für angemessen hält und einen Faktencheck vorgezogen hätte. Einige kritische Teilnehmer hatten bereits ihren Abgang lautstark verkündet, darunter der Oberbürgermeister von Leinfelden-Echterdingen, Roland Klenk (CDU), und der Stuttgarter Stadtrat und frühere Sprecher des Aktionsbündnisses gegen S21, Hannes Rockenbauch.

Trotz der Bürgerempfehlung für die Gäubahnvariante ist deren Umsetzung fraglich. Die Bahn hatte der Variante schon vor Jahren eine Absage erteilt. «Die Gäubahnvariante flog zu einem frühen Zeitpunkt raus», erläuterte Bahnvertreter Thomas Kasper. Denn sie erfülle die von den Projektpartnern vorgegebene Grundvoraussetzung einer direkten Anbindung für die Reisenden aus dem Süden Baden-Württembergs nicht. Nach seiner Schätzung verlängert sie die Fahrzeit zum Flughafen um 13 Minuten. Flughafendirektor Walter Schoefer erwartet mit der Antragstrasse 1,3 Millionen zusätzliche Passagiere pro Jahr und fürchtet, dass der mit der Gäubahnvariante notwendige Umstieg diese Zahl reduzieren würde. Der Landesflughafen steuert 360 Millionen Euro zu S21 bei.

Wie die "Stuttgarter Nachrichten" (Montagsausgabe) berichten, fällt die auch von Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) favorisierte Gäubahnvariante beim Koalitionspartner SPD durch. SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel sagte dem Blatt, "es war von Anfang an klar, dass diese Variante jenseits der Realität liegt. Das geht mit der SPD nicht". Der Verkehrsminister habe zudem versucht, den Dialog "massiv zu beeinflussen". Auch Stadt und Region Stuttgart lehnen die Variante ab, die keine direkte Anbindung der von Singen kommenden Gäubahn an den Flughafen vorsieht.

Die Befürworter der Gäubahnvariante halten dagegen das Interesse der Gäubahnanrainer nach einer direkten Anbindung an den Flughafen für wenig ausgeprägt. «Wer will zum Flughafen?», fragte Gerhard Pfeifer vom Bund für Umwelt und Naturschutz. Dieses Bedürfnis werde lediglich unterstellt. DB-Landeschef Eckart Fricke konterte mit dem Hinweis: «Wo Infrastruktur hingelegt wird, wird sie auch genutzt.» Die Bahn hofft auf Umsteiger von der Straße auf die Schiene, wenn die Gäubahn besser an den Flughafen angebunden wird.

Von: dpa, dapd
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