Budapest Airport baut neues Luftfrachtzentrum

25.09.2018 - 15:37 0 Kommentare

Avi-Alliance hält Anteile an den Flughäfen Düsseldorf und Hamburg - und Budapest. Dort baut die Eigentümerin für 32,6 Millionen Euro nun das Frachtgeschäft aus und verknüpft damit ambitionierte Pläne.

Animation der geplanten Frachtanlage. - © © Airport Budapest -

Animation der geplanten Frachtanlage. © Airport Budapest

Erst Hamburg, jetzt Budapest: Die Mehrheitseigentümerin an beiden Airports investiert kräftig in den Ausbau von Cargo-Infrastruktur. Waren es in Hamburg rund 50 Millionen Euro für den Bau einer neuen Frachthalle, steckt das von Avi-Alliance angeführte Eigentümerkonsortium, dem auch der Flughafen Düsseldorf gehört, in Budapest 32,6 Millionen Euro in ein neues Cargo Center.

"Aus Eigenmitteln unserer Gesellschaft, ohne jeden staatlichen Zuschuss", wie der für das Luftfracht- und Immobiliengeschäft in Budapest zuständige Manager René Droese gegenüber "Cargo Forward Global" erklärt. Anlass seiner Aussage war der erste Spatenstich für den Bau eines neuen Frachtterminals, in dem auf insgesamt 20.000 Quadratmetern jährlich bis zu 200.000 Tonnen Luftfracht umgeschlagen werden können.

Zu dem Bauprojekt gehören ferner ein Bürokomplex für Spediteure, Abfertigungsunternehmen, Vertreter von Fluggesellschaften und Räume für Zollbeamte sowie ein Vorfeld, auf dem zwei Großjumbos Boeing 747-8 F direkt vor dem Umschlagzentrum parallel parken können.

Fertigstellung: Ende 2019

Fertigstellung laut Flughafenchef Jost Lammers: Herbst 2019. Lammers verspricht sich von dem Bauvorhaben einen Quantensprung in Sachen Luftfrachtabwicklung. "Cargo wächst bei uns schneller als der Passagierverkehr", sagte er vor rund 100 geladenen Gästen, die der Spatenstich-Zeremonie auf dem Flughafengelände beiwohnten.

Zugleich betonte er, dass das jetzt begonnene Projekt nur Phase eins für den weiteren Bau von Frachtanlagen sei. "Wir verfügen noch über rund 1,5 Kilometer an Freifläche parallel zur Landebahn, die wir für Cargo Gebäude oder Stellplätze für Vollfrachter künftig entwickeln können", so der Airport-Chef.

Viele neue Fracht-Airlines

Das dürfte allerding noch etwas dauern, denn im vergangenen Jahr wurden 127.145 Tonnen in Budapest umgeschlagen. "Ende des laufenden Jahres aber werden wir voraussichtlich die Schwelle von 150.000 Tonnen überschreiten", prognostiziert Frachtchef Droese. Er verweist darauf, dass Budapest zunehmend von Frachtfluggesellschafen angeflogen wird.

"Zuletzt konnten wir mit der russischen Air Bridge Cargo und der in Aserbeidschan beheimateten Silkway West Airlines zwei wichtige Neukunden gewinnen." Hinzu kämen die Integratoren DHL, Fed Ex/TNT und UPS, die Budapest werktäglich mit Frachtern bedienen; im Falle von DHL Express sind es sogar zwei Flüge pro Tag.

Spediteure beklagen Beengung

Erleichtert über den jetzt gestarteten Bau der Frachthalle zeigen sich vor allem die örtlichen Spediteure, etwa die österreichische Firma Cargo-Partner, deren Ungarn-Niederlassung die Nummer zwei beim Güteraufkommen ist, das per Flugzeug oder Schiff aus dem Land exportiert wird. Ihre Station befindet sich außerhalb des Flughafenzauns und leidet unter extrem beengten baulichen Verhältnissen.

"Das ist hier die Regel, denn die meisten Spediteure sitzen irgendwo verstreut um den Airport herum", sagt Niederlassungschef Domonkos Molnar. Diese an ein Leopardenfell erinnernde Dezentralität, gekoppelt mit ältlichen, viel zu kleinen und zumeist maroden Baulichkeiten aus realsozialistischen Zeiten, verlangsamt die Frachtströme und Abfertigungsprozesse extrem, klagt der Manager. Konsequenz: Cargo-Partner hat sich bereits Räume im neuen Cargo Center gesichert, das innerhalb des Flughafenzauns liegt.

Künftig werden die Spediteure und Abfertigungsagenten in unserer neuen Anlage ihr Geschäft bündeln und zentral betreiben können.

René Droese, Frachtchef Airport Budapest

Droese sieht dank der modernen Infrastruktur und des stark wachsenden Frachtvolumens Budapest bald in der Rolle als Cargohub, mit Langstreckenverkehren und regionalen Verbindungsflügen, ergänzt um ein Lkw-Netzwerk zwecks Anbindung der Großregion an Budapest Airport.

"Siebtattraktivster Investitionsstandort"

Eine optimistische Prognose, die auf der wachsenden Bedeutung der produzierenden Industrie in Ungarn basiert. So haben sich dort Audi, Mercedes und VW angesiedelt und bauen ihre Werke teilweise stark aus. Gleiches gilt für die asiatischen Firmen Huawei und Samsung.

Ungarn sei, freut sich der Präsident der Hungarian Investment Promotion Agency (HIPA) "laut einer US-Studie der aktuell weltweit siebtattraktivste Investitionsstandort". Im Vergleich zu Westeuropa seien die Kosten geringer, das Land verfüge über gut ausgebildete Arbeitskräfte und die Politik sei sehr wirtschaftsfreundlich, so der HIPA-Vertreter.

Freundlich gegenüber seinen Kunden, den Frachtfluggesellschaften, ist auch der Budapest Airport. Neue Cargo-Airlines, die den Flughafen in ihr Streckennetz aufnehmen, brauchen zwölf Monate lang keine Landegebühren zu bezahlen. Voraussetzung ist laut Manager Droese, dass sie "innerhalb eines halben Jahres mindestens zweimal wöchentlich bei uns landen".

Von: Heiner Siegmund für airliners.de
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