Brussels und Lufthansa streiten über den Kurs

05.02.2018 - 12:02 0 Kommentare

Bei Brussels Airlines drohen laut mehrerer Medienberichte zu Wochenbeginn personelle Veränderungen an der Spitze. Hintergrund ist wohl Uneinigkeit über die Integration des belgischen Carriers in Eurowings.

Lufthansa und Brussels Airlines. - © © Lufthansa -

Lufthansa und Brussels Airlines. © Lufthansa

Bei Brussels Airlines steht offenbar ein größerer Umbruch bevor. CEO Bernard Gustin und Finanzchef Jan de Raeymaker sollen den Lufthansa-Carrier verlassen, berichten belgische und deutsche Medien unabhängig voneinander. Brussels ist seit 2016 Teil der Lufthansa Group.

Laut der Berichte sind die beiden Personalien am Montagnachmittag Thema bei einer Verwaltungsratssitzung der SN Airholding, die mittlerweile eine 100-prozentige Tochter des Kranich-Konzerns ist. "Wenn man Brussels Airlines voranbringen will, geht das nur mit einem neuen Management", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters einen Lufthansa-Manager.

Streit über die Strategie

Denn offenbar gibt es einen Streit über die Eigenständigkeit der belgischen Airline, die in Eurowings integriert werden soll. Ein erster Test startete im Herbst, ab dem Sommer soll Brussels USA-Ziele für die Lufthansa-Billigplattform bedienen. Auch werden die Passagierzahlen von Brussels nur noch zusammen mit Eurowings in einer Sparte ausgewiesen. Intern werden auch die fast 60 Flugzeuge von Brussels komplett der Eurowings-Flotte zugerechnet.

Ursprünglich wollte man Ende vergangenen Jahres einen genauen Plan vorlegen, wann und in welchem Umfang Brussels integriert werden soll. Doch aufgrund der Air-Berlin-Pleite und der notwendigen Neuordnung der Kräfteverhältnisse am Himmel, verzögert sich die Planung.

© Eurowings, Lesen Sie auch: "Wir stellen jetzt auch in Deutschland ein" Interview

Doch Brussels-Chef Gustin scherte mehrfach aus und betonte in Interviews, dass Brussels als Marke bestehen bleibe. Gustin argumentierte immer wieder, wegen der vielen Afrika-Langstrecke passe Brussels nicht in das Eurowings-Konzept.

Machtverhältnisse im Verwaltungsrat

Auch gegen die Einflussnahme der Lufthansa im Verwaltungsrat soll er sich "heftig gewehrt" haben, berichtet nun die "Süddeutsche Zeitung". Der flämischen Wirtschaftszeitung "De Tijd" zufolge, haben vier Brussels-Manager Ende 2017 ihr Vetorecht im Verwaltungsgremium verloren, nun könnten die fünf Lufthansa-Vertreter dort mit einfacher Mehrheit ihre Vorhaben durchbringen.

Trotz eines kontinuierlichen Passagierwachstums waren nun offenbar aber die Zahlen von Brussels so schlecht, dass Konzernchef Carsten Spohr "die Geduld verloren hat". So stehe der belgische Carrier von allen Airlines im Lufthansa-Verbund wirtschaftlich am schlechtesten da, sagte ein Insider zu Reuters. Die Lufthansa wollte die Informationen nicht kommentieren.

Airlines der Lufthansa Group
Angaben in Prozent
Lufthansa 51.0
Eurowings 19.5
Swiss 13.0
Austrian 9.2
Brussels 7.3

Die Grafik zeigt die Verteilung der angebotenen Sitzplatzkapazitäten von Flügen von Lufthansa-Group-Airlines im laufenden Winterflugplan bis Ende März. Ausgenommen ist Sunexpress. Angaben gerundet. Quelle: ch-aviation, Stand: 5. Februar 2018

Eine mögliche Entlassung der beiden Manager würde die Stimmung unter den Mitarbeitern zudem wohl weiter trüben. In der vergangenen Woche startete die Belegschaft bereits eine Petition für Gustin. Sollte sich Lufthansa weiter durchsetzen, verliere Brussels wohl die Eigenständigkeit, befürchtet die Belegschaft.

Lufthansa hatte den Carrier 2016 für geschätzt 250 Millionen Euro komplett übernommen und will ihn in Eurowings integrieren. Brussels ist für Lufthansa wegen der Europa-Beamten und Lobbyisten in Brüssel, die viel Geld für Flugtickets ausgeben, interessant.

© Brussels Airlines, Lesen Sie auch: Eurowings integriert Brussels Airlines bis 2019

Von: cs
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