Brussels Airlines droht Belgien mit Abwanderung

28.03.2012 - 17:31 0 Kommentare

Brussels Airlines hat der belgischen Regierung einem Medienbericht zufolge damit gedroht, ihren Unternehmenssitz ins Ausland zu verlegen. Die Fluggesellschaft moniert eine Wettbewerbsverzerrung durch Vorteile für Ryanair.

Airbus A319 der Brussels Airlines im Flug - © © Brussels Airlines -

Airbus A319 der Brussels Airlines im Flug © Brussels Airlines

Belgiens wichtigste Fluggesellschaft Brussels Airlines hat der belgischen Regierung laut einem Pressebericht wegen angeblicher Vorteile für Ryanair mit einem Wechsel ins Ausland gedroht. "Wenn Sie nicht bereit sind, etwas gegen die Verzerrung des Wettbewerbs zwischen uns und Ryanair zu tun, werden wir uns auf die Suche nach einem anderen Unternehmenssitz begeben", sagte der Chef von Brussels Airlines, Bernard Gustin, laut einem Bericht der flämischen Zeitung "De Morgen" vom Mittwoch bei einem Treffen mit Vertretern der belgischen Regierungskoalition.

Brussels Airlines wird zu 45 Prozent von der Lufthansa kontrolliert und ist mit 3300 Angestellten und 47 Maschinen Belgiens wichtigste Fluglinie, Drehkreuz ist die Hauptstadt Brüssel. Der irische Billigflieger Ryanair hat seine belgische Basis im rund 40 Kilometer entfernten Charleroi. Die EU-Kommission stieß kürzlich eine Untersuchung wegen Wettbewerbsbedenken neu an, bei der es um mutmaßliche unfaire Vorteile der öffentlichen Hand für Ryanair in Charleroi geht.

Laut "De Morgen" prüft Brussels Airlines bereits eine Verlegung nach Luxemburg oder Irland. Dort könnten die Mitarbeiter, insbesondere die Piloten, von Steuervorteilen profitieren.

Brussels Airlines dementierte daraufhin, der Regierung mit einem Umzug ins Ausland zu drohen. "Ist das eine Möglichkeit, die es gibt? Die Antwort ist ja. Will ich dies umsetzen, die Antwort ist nein", sagte der Verwaltungsratsvorsitzende Etienne Davignon am Mittwoch dem Sender RTBF.

Davignon erneuerte die Kritik an einer bevorzugten Behandlung von Ryanair in dem Radiointerview jedoch im Grundsatz. An die Adresse der Regierung gewandt, sagte er: "Wenn Sie wollen, dass es belgische Unternehmen mit ihrem Sitz in Belgien gibt, müssen wir die gleichen Bedingungen haben wie die Anderen."

Der Verwaltungsratsvorsitzende bezeichnete es als "Paradox", dass "das Personal von Ryanair besser bezahlt wird als unseres, aber dass die Kosten für Ryanair niedriger sind als die unseren". Er bezog sich auf Regelungen, nach denen das Flugpersonal seine Steuern im jeweiligen Heimatland zahlt und nicht dort, wo die Beschäftigten arbeiten.

Von: AFP
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