Brexit-Unsicherheit drückt Easyjet tief ins Minus

16.05.2017 - 12:15 0 Kommentare

Easyjet setzt der Kursverfall des Pfunds nach dem Brexit-Votum im ersten Geschäftshalbjahr deutlich zu. Trotz schlechter Zahlen zeigt die Ryanair-Rivalin, wie sie weiter wachsen will - und ändert eine Airbus-Bestellung.

Easyjet-Chefin Carolyn McCall. - © © dpa - EPA/OLAF KRAAK

Easyjet-Chefin Carolyn McCall. © dpa /EPA/OLAF KRAAK

Das schwache Pfund und die späten Osterferien haben den britischen Billigflieger Easyjet im Winter tief in die roten Zahlen gedrückt. Im ersten Geschäftshalbjahr bis Ende März fiel der Verlust unter dem Strich mit 192 Millionen Pfund (umgerechnet rund 226 Millionen Euro) 13 Mal so hoch aus wie ein Jahr zuvor. Dies teilte das Unternehmen nun mit.

Sitzplatzkosten um rund fünf Prozent gestiegen

Währungseffekte und die Tatsache, dass Ostern diesmal in den April und damit erst in das dritte Geschäftsquartal fällt, hätten das Ergebnis mit 127 Millionen Pfund belastet. Easyjet-Chefin Carolyn McCall berichtete zudem von einem deutlichen Verfall der Ticketpreise.

Marktreaktion

An der Börse kamen die Halbjahreszahlen von Easyjet schlecht an. Kurz nach Handelsstart in London rutschte der Kurs der Easyjet-Aktie um knapp sechs Prozent auf 1232 britische Pence ab. Die Fluggesellschaft hatte nach dem Brexit-Votum im vergangenen Jahr zeitweise rund die Hälfte ihres Börsenwerts verloren. Von dem im Oktober erreichten Tiefpunkt hat sie sich nur ein Stück weit erholt. Zuletzt war die Gesellschaft an der Börse rund 5,2 Milliarden Pfund wert.

Der Umsatz je Sitzplatz sank den Angaben zufolge im Jahresvergleich um 4,9 Prozent. Dies habe Easyjet zwar durch Zusatzerlöse und eine bessere Auslastung der Jets auffangen können. Allerdings seien die Kosten je Sitzplatz durch den Wertverlust des britischen Pfunds nach dem Brexit-Votum ebenfalls um 4,9 Prozent gestiegen. Einsparungen etwa durch billigeres Kerosin sind in dieser Zahl schon enthalten. Für das Gesamtjahr hofft Easyjet die Sitzplatzkosten insgesamt um ein Prozent senken zu können.

© AirTeamImages.com, Danish Aviation Photo Hintergrund: Wie der Brexit die Fluggesellschaften zittern lässt

Weiterhin grassiert Unsicherheit, auf welche Flugrechte britische Airlines nach dem geplanten EU-Austritt des Landes innerhalb der Europäischen Union noch bauen können. Easyjet steckt deshalb Millionensummen in ein Zukunftskonzept, das auch den Aufbau eines separaten Flugbetriebs innerhalb der EU vorsieht. Dadurch hofft Easyjet auch nach dem Brexit noch Flüge zwischen Flughäfen innerhalb der EU wie von Berlin nach Athen anbieten zu können.

Umbestellung bei Airbus

Gleichzeitig hat Easyjet bekanntgegeben, dass ein Teil des bestehenden Liefervertrags mit Airbus geändert wurde. Statt 130 Maschinen des Typs A320neo sind nun 100 A320neo-Flugzeuge und 30 Maschinen der längeren A321neo-Version bestellt. Die Auslieferung der neu georderten 30 Flugzeuge soll im Sommer kommenden Jahres beginnen, wie aus einer Unternehmensmitteilung hervorgeht.

Easyjet-Flotte

Easyjet fliegt aktuell mit 266 Flugzeugen, lediglich fünf davon sind geleast. Die Flotte umfasst 144 Maschinen des Typs A319, die laut Unternehmen für mehr als die Hälfte der Flüge eingesetzt werden. Dazu kommen noch einmal 122 A320-Maschinen. Bei Airbus bestellt hat Easyjet sieben weitere A320, 100 Maschinen des Typs A320neo und 30 A321neo-Flugzeuge. Allein die neo-Varianten kosten zusammen laut Listenpreis rund 14,6 Milliarden Pfund.

Die Flugzeuge des Typs A321neo bieten laut Easyjet jeweils rund 30 Prozent mehr Sitzplatzkapazitäten als die bisherigen A320-Maschinen, von der Easyjet rund 120 in der Flotte hat. Die Kostenersparnis beziffert Easyjet auf rund zehn Prozent gegenüber einer A320, angetrieben vom reduzierten Kraftstoffverbrauch. "Diese Flugzeuge werden uns helfen, an koordinierten Flughäfen zu wachsen", sagte McCall.

Von: cs mit Material von dpa-AFX
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