Brexit-Entscheidung belastet IAG noch langfristiger

04.11.2016 - 14:09 0 Kommentare

Wachstum, Investitionen, Gewinn - die International Airlines Group (IAG) kappt aufgrund des Brexit-Votums ihre Pläne bis 2020. Auch bereits aufgegebene Bestellungen stehen auf dem Prüfstand.

Flugzeuge der British Airways stehen am Airport London-Heathrow. Neben dieser Airline gehören noch Iberia, Vueling und Aer Lingus zur IAG.Foto: © dpa, Andy Rain

Das Votum der Briten für den EU-Austritt droht die Gewinnpläne der International Airways Group (IAG) auch langfristig zu durchkreuzen. Nach drei Gewinnwarnungen seit dem Sommer strich Konzernchef Willie Walsh jetzt auch seine Pläne für Wachstum, Investitionen und Gewinn in den Jahren bis 2020 zusammen.

Auch bereits aufgegebene Bestellungen neuer Langstreckenjets bei Airbus und Boeing will das Management der International Airlines Group (IAG) noch einmal unter die Lupe nehmen, wie das Unternehmen beim Investorentag in London bekanntgab.

Gewinn pro Aktie soll trotzdem zulegen

An der Börse wurden die Nachrichten mit Enttäuschung aufgenommen. Mit einem Kursverlust von 4,1 Prozent gehörte die IAG-Aktie um die Mittagszeit zu den Schlusslichtern im Londoner Leitindex FTSE 100. British Airways leidet unter dem schwachen britischen Pfund, das seit dem Brexit-Votum Ende Juni im Verhältnis zum Euro rund 14 Prozent an Wert verloren hat.

Konzernweit erwartet Walsh für die Jahre 2016 bis 2020 jetzt nur noch einen Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Flugzeug-Leasingkosten (Ebitdar) von 5,3 statt der bisher angepeilten 5,6 Milliarden Euro. Das Flugangebot soll pro Jahr nur noch um drei statt um drei bis vier Prozent wachsen.

© dpa, Andy Rain Apropos (12) Brexit-Folgen für den Luftverkehr

Die Investitionen kürzt IAG von knapp 2,5 auf 1,7 Milliarden Euro pro Jahr. Dennoch soll der Gewinn je Aktie pro Jahr im Schnitt weiterhin um zwölf Prozent zulegen.

Um die Ausgaben im Zaum zu halten, stellt die IAG-Führung auch die bereits erteilten Flugzeugbestellungen auf den Prüfstand. Dabei gehe es um die Langstreckenjets Airbus A350 und Boeing 787 "Dreamliner", hieß es.

Offene A350- und 787-Bestellungen der IAG

Stück Modell Fluggesellschaft
19 Boeing 787 British Airways
18 A350 British Airways
16 A350 Iberia
9 A350 Aer Lingus

Quelle: Angaben der Hersteller Airbus und Boeing

Bei British Airways plant das Management für 2017 eine größere Umstrukturierung. Im vierten Quartal gibt das Unternehmen bereits 62 Millionen britische Pfund (69 Millionen Euro) aus.

IAG hatte erst bei den Quartalszahlen vergangene Woche die Gewinnprognose für 2016 zum dritten Mal seit dem Brexit gesenkt. Auf Basis heutiger Treibstoffpreise und Währungskurse soll der operative Gewinn im laufenden Jahr 2,5 Milliarden Euro erreichen.

Damit läge das Ergebnis zwar rund acht Prozent höher als im Vorjahr. Vor dem Brexit-Votum hatte Walsh aber noch eine Steigerung um rund zwei Drittel im Auge gehabt.

© AirTeamImages.com, Jorge Chavez Lesen Sie auch: IAG senkt Gewinnprognose nach Brexit-Votum erneut

Die Entscheidung der Briten, die Europäische Union zu verlassen, wirkt sich auch auf andere Airlines aus. So haben zum Beispiel auch Ryanair und Easyjet ihre Prognosen gekappt. Auch die Aktienkurse deutscher Fluggesellschaften waren unter Druck geraten.

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Von: ch, dpa-AFX
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