Brexit: EU-Abgeordnete pochen auf Übergangsphase für Airlines

30.01.2019 - 11:09 0 Kommentare

Sollte das Vereinigte Königreich die EU ohne Brexit Deal verlassen, könnte es eine Übergangsphase der Eigentumsregeln für Fluggesellschaften geben. Indes äußert sich Ryanair-Chef O'Leary zum Austritt.

 - © © PA Wire/dpa - Niall Carson

© PA Wire/dpa /Niall Carson

Das Europäische Parlament bereitet angesichts des drohenden ungeregelten Brexits laut Insidern eine Lockerung der Eigentumsregeln für EU-Fluggesellschaften vor. Eigentlich müssen Airlines, die Flüge innerhalb der EU anbieten wollen, mehrheitlich im Besitz von Eigentümern aus dem Europäischen Wirtschaftsraum sein.

Weil dies möglicherweise bis zum Brexit nicht alle Gesellschaften erreichen, soll für diese Bedingung demnach eine Übergangszeit von rund einem Jahr bis Ende März 2020 gelten, bestätigte eine mit dem Entwurf vertraute Person der Nachrichtenagentur "dpa-AFX".

Britisches Unterhaus will Nachverhandlungen

Damit würde einer der Knackpunkte entschärft, der bei einem ungeregelten Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union einen beträchtlichen Teil des europäischen Flugverkehrs gefährden würde. Die EU-Kommission wollte den Flugverkehr zwischen Großbritannien und der verbleibenden Europäischen Union in diesem Fall deutlich beschränken.

Abstimmung

Am Dienstagabend hat sich das britische Unterhaus erneut mit dem Brexit-Deal von Premierministerin Theresa May befasst. Bei der Abstimmung im House of Commons bekamen zwei von sieben eingebrachten Anträgen eine Mehrheit. So lehnt das Parlament mehrheitlich einen harten Brexit ab. Zudem wurde May vom Parlament beauftragt, den Brexit-Vertrag mit Brüssel nachzuverhandeln. Strittigster Punkt ist der sogenannten Backstop, also die Garantie, dass es keine harte Grenze zwischen Irland und Nordirland geben wird. Die EU lehnt Nachverhandlungen bisher strikt ab.

Erst vergangene Woche hatte der britische Billigflieger Easyjet berichtet, dass er sich bei Herausrechnung der britischen Anteilseigner bisher nur zu 49 Prozent in der Hand von EU-Aktionären befinde. Beim irischen Rivalen Ryanair hatte dieser Anteil im Oktober bei 46 Prozent gelegen. Beide Airlines versuchen diese Quote bis zum Brexit-Stichtag am 29. März auf über 50 Prozent zu treiben.

O'Leary sieht Ryanair gut aufgestellt

Ryanair-Chef Michael O'Leary hält den Brexit für die "dümmste Idee seit 100 Jahren". "Aber ich bin sicher, dass es keinen harten Brexit geben wird", so O'Leary in Wien. Für die beste Lösung hält er einen Übergangsphase im Verhältnis von Großbritannien und der EU, in der "es sich London noch mal anders überlegt und doch in der EU bleibt", sagte O'Leary. Ryanair sei von den Brexit-Folgen weniger betroffen, da der Billigflieger in der EU registriert ist. "Der Brexit trifft die in Großbritannien registrierten Fluglinien deutlich härter."

Komplexer gestaltet sich die Sache für die deutschen Ferienflieger Condor und Tuifly. Deren Mutterkonzerne, Thomas Cook und Tui, befänden sich nach dem Brexit mehrheitlich nicht mehr in EU-Eigentum. Beide bereiten sich seit Monaten darauf vor, wie sie ihre Fluggesellschaften, zu denen auch die britischen Gesellschaften Thomas Cook Airlines UK und Tui Airways gehören, nach einem ungeregelten Brexit in der Luft halten und die geplanten Flüge durchführen können.

Die British-Airways-Mutter IAG steht vor einer ähnlichen Herausforderung. Denn zu ihr gehören auch die spanischen Fluglinien Iberia und Vueling sowie die irische Aer Lingus. Bei ihren spanischen Töchtern hat IAG die Stimmrechte mehrheitlich auf spanische Dachgesellschaften übertragen. Ob dies ausreicht, damit sie auch künftig als EU-Fluglinien gelten, ist aber umstritten. Im schlimmsten Fall dürften deren Flugzeuge Ende März plötzlich nicht mehr in der EU fliegen.

© Interbrand, Lesen Sie auch: Brexit: Iberia pocht auf EU-Status

Von: dpa, dpa-AFX, br
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