Nachtflugverbot in Frankfurt Branche: Rückschlag für Deutschland

04.04.2012 - 17:56 0 Kommentare

Die Luftfahrtbranche hat das Nachtflugverbot am Flughafen Frankfurt scharf kritisiert. Gegenüber Konkurrenten verschlechtere sich die Wettbewerbsfähigkeit. Die Lufthansa gibt die Hoffnung auf Nachtflüge in Frankfurt noch nicht ganz auf.

Nachtbetrieb am Flughafen Frankfurt - © © dpa - Boris Roessler

Nachtbetrieb am Flughafen Frankfurt © dpa /Boris Roessler

Die Luftfahrtbranche hat das Verbot von Nachtflügen am größten deutschen Flughafen in Frankfurt kritisiert. Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts sei «ein weiterer Schritt, der die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Fluggesellschaften und Flughäfen gegenüber der ausländischen Konkurrenz einschränkt», sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft, Klaus-Peter Siegloch, am Mittwoch.

Damit verschlechterten sich die Entwicklungsmöglichkeiten Frankfurts im Vergleich zu wichtigen Konkurrenten in Europa und Nahost. «In Amsterdam, Paris, London oder Dubai gibt es solche Beschränkungen nicht», sagte Siegloch. Der Verband forderte die Bundesregierung auf, für faire Wettbewerbsbedingungen für die deutsche Luftfahrt zu sorgen. Dazu gehöre auch die Abschaffung der Luftverkehrsteuer für Starts von deutschen Flughäfen.

"Bitter enttäuscht" von dem Leipziger Urteil haben sich auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und der Flughafenverband ADV gezeigt. Das Verbot sei ein Rückschlag für den Luftverkehrsstandort Deutschland, erklärten sie am Mittwoch in ihrer Reaktion auf das Urteil. "Wenn wir weiterhin Fortschritt und Wohlstand in Deutschland sichern wollen, können wir nicht auf Nachtflüge verzichten", sagte Dieter Schweer, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung. ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel sagte: "Eine zukunftsweisende Luftverkehrspolitik erfordert Nachtflugmöglichkeiten an ausgewählten Standorten." Insbesondere in den Tagesrandzeiten seien Flüge unverzichtbar.

Condor sieht sich stark betroffen

Als einen Schlag ins Gesicht der in Frankfurt ansässigen Fluggesellschaften hat der Vorsitzende der Condor Geschäftsführung, Ralf Teckentrup, die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts zum Nachtflugverbot bezeichnet. „Der touristische Flug braucht die Nachtzeiten, insbesondere in den Tagesrandzeiten“, betont Teckentrup. Nur so könnten die Ferienziele langfristig wettbewerbsfähig angeflogen werden. Der Gesetzgeber habe bewusst kein Nachtflugverbot im Gesetz vorgesehen, sondern eine Abwägung der Interessen. Condor sei durch die Entscheidung stark betroffen, so Teckentrup. In einem regulären Flugplan hatte die Airline am Frankfurter Flughafen vor dem Nachtflugverbot 20 Prozent der Flugbewegungen in der Zeit zwischen 23:00 und 5:00 Uhr durchgeführt.

Lufthansa gibt Nachtflughoffnung noch nicht auf

Die Lufthansa gibt nach dem Aus für Nachtflüge am Frankfurter Flughafen die Hoffnung nicht ganz auf. Vorstandschef Christoph Franz will beim ergänzenden Planfeststellungsverfahren erneut auf wenige Ausnahmen drängen. "Es gibt vielleicht eine minimale Möglichkeit, das zu erreichen", sagte Franz am Mittwoch in Frankfurt. Die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts bezeichnete er als "schweren Schlag gegen den Wirtschaftsstandort Deutschland". Es bestehe kein Zweifel, dass Frankfurt als eines der größten Drehkreuze in Europa im internationalen Wettbewerb zurückfallen werde.

"Frankfurt, Hessen - ja der ganzen Export- und Logistiknation Deutschland drohen die Flügel gestutzt zu werden", sagte Franz. Die Lufthansa sagt dem Luftverkehrsstandort Frankfurt nun langfristig "gravierende negative Folgen" voraus.

Vor allem Lufthansa Cargo sieht sich von dem Nachtflugverbot schwer getroffen. Laut Cargo-Chef Karl Ulrich Garnadt kostet das Verbot das Unternehmen im Jahr voraussichtlich 40 Millionen Euro beim operativen Gewinn.

LH Cargo: Abzug aus Frankfurt kein Thema

Ein Abzug aus Frankfurt ist für Lufthansa Cargo dennoch kein Thema. "Frankfurt ist für unser Geschäftsmodell unverzichtbar", sagte Garnadt. Rund die Hälfte der Cargo-Fracht wird in den Passagiermaschinen des Mutterkonzerns Lufthansa befördert, die Fracht wird in Frankfurt vom einen Flugzeug ins andere umgeladen. "Das ist nicht reproduzierbar an einem anderen Standort als Frankfurt - jedenfalls auf lange absehbare Zeit nicht."

Lufthansa Cargo fürchtet vor allem um die besonders lukrativen Expressflüge in der Nacht. So sei der sogenannte Nachtsprung in die USA nicht mehr möglich, sagte Garnadt. Er fürchtet, dass diese Transporte an die Flughäfen in Paris und Amsterdam abwandern. Dabei verdiente Lufthansa Cargo an diesen Angeboten besonders gut: Transporte für die Kunden sind laut Garnadt 20 Mal so teuer wie die Beförderung per Schiff. Spezialtransporte werden sogar 50 Mal so gut bezahlt.

Die Lufthansa überlegt nun, wie viel Geld sie künftig noch in Frankfurt investiert. Einen Investitionsstopp hat der Vorstand bereits verhängt, allerdings steht der Bau eines neuen Frachtzentrums an. Außerdem hat die Gesellschaft fünf neue Frachtmaschinen vom Typ Boeing 777F bestellt. Eine Entscheidung über das Frachtzentrum soll nun frühestens im dritten Quartal fallen, wie Garnadt sagte. Außerdem ist noch offen, ob Lufthansa Cargo mit den neuen Fliegern die bestehende Flotte ersetzt oder sie bei AeroLogic unterbringt. Das Gemeinschaftsunternehmen von Deutscher Post DHL und Lufthansa Cargo ist bereits jetzt mit diesem Flugzeugtyp unterwegs.

Von: dpa, dapd, airliners.de
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