Branche sieht verzerrten Luftfracht-Wettbewerb in Deutschland

17.03.2016 - 15:15 0 Kommentare

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft sieht Wettbewerbsverzerrungen für heimische Luftfrachtanbieter. Die Fracht fährt derweil einfach im Lastwagen ins Ausland oder fliegt in Passagierflugzeugen verschiedenster Anbieter.

Ein Flugzeug der Lufthansa Cargo in Frankfurt - © © dpa - Frank Rumpenhorst

Ein Flugzeug der Lufthansa Cargo in Frankfurt © dpa /Frank Rumpenhorst

Der BDL hat vor "wettbewerbsverzerrenden Beschränkungen" in Deutschland gewarnt und von der Politik ein Umsteuern gefordert. "Unsere Unternehmen hinken im internationalen Vergleich hinterher", sagte jetzt BDL-Hauptgeschäftsführer Matthias von Randow. Zuvor hatte bereits Iata-Chef Tony Tylor das Thema auf dem "World Cargo Symposium" der Luftfahrtorganisation in Berlin angesprochen.

Insgesamt beförderten Flugzeuge laut BDL im vergangenen Jahr Waren im Wert von 234 Milliarden Euro von und nach Deutschland, zehn Prozent mehr als 2014. Damit sei Luftfracht für die deutsche Volkswirtschaft enorm wichtig. Das transportierte Volumen stagnierte dagegen zuletzt, wie aus den Zahlen des statistischen Bundesamts hervorgeht.

Cargolux ist zweitgrößter Player in Deutschland

Lufthansa-Cargo als einziger großer deutscher Anbieter für klassische Luftfracht musste als Folge einen Gewinnrückgang um 40 Prozent hinnehmen und legt sogar Flugzeuge still. Dabei ist die Lufthansa nach wie vor die Nummer eins in Deutschland.

Luftfracht als Arbeitgeber

Die genaue Anzahl von Arbeitsplätzen in der Luftfracht ist nicht bekannt. Am größten deutschen Luftfrachtstandort in Frankfurt arbeiten aber allein zehn Prozent der insgesamt rund 80.000 Beschäftigten in der Airportcity Süd, wo überwiegend Fracht umgeschlagen wird. Hinzu kommen die Mitarbeiter von Lufthansa Cargo im Norden des Geländes sowie unzählige Beschäftigte bei Luftfrachtfirmen im weiteren Umkreis des Flughafens.

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Nummer zwei bei traditionellem Air Cargo von und nach Deutschland ist allerdings die luxemburgische Cargolux, die die Bundesrepublik sogar als ihren wichtigsten Markt entdeckt hat. Dabei fliegt die Fluggesellschaft deutsche Flughäfen so gut wie gar nicht an: Lastwagen bringen die Luftfracht von den Kunden aus ganz Deutschland zu den Cargo-Flugzeugen nach Luxemburg.

Nurfrachtermarkt konsolidiert sich in Europa

Der Markt für Luftfracht hat sich in den vergangenen Jahren ohnehin stark konsolidiert. Sogenannte "Integratoren" wie DHL, UPS und Fedex haben mit ihren Express-Angeboten viele Kunden für sich gewonnen und betreiben große Hubs in Leipzig und Köln/Bonn, den zwei größten deutschen Luftfrachtstandorten nach Frankfurt.

Lufthansa Cargo ist vor diesem Hintergrund mittlerweile schon fast ein Exot auf dem europäischen Kontinent. Klassische Airlines wie British Airways haben sich bereits lange aus dem Nurfrachter-Geschäft zurückgezogen. KLM/Martinair stellt gerade um, und auch Air France betreibt nur noch wenige Cargo-Flugzeuge.

Klassisches Air Cargo wird allerdings nicht nur in speziellen Frachtflugzeugen befördert. Rund die Hälfte des Volumens transportieren Großraum-Passagierflugzeuge in ihren Frachträumen. Damit ist Luftfracht oftmals eine tragende Säule bei der Rentabilität von Langstreckenverbindungen im Flugplan von Passagierairlines.

© AirTeamImages.com, Lesen Sie auch: Luftfrachtbranche warnt vor hausgemachtem Innovationsstau

Das haben freilich nicht nur die europäischen Fluggesellschaften für sich entdeckt. Emirates Skycargo etwa setzt neben einer relativ kleinen Frachterflotte vor allem auch auf die Unterflurkapazitäten der wachsenden Emirates-Passagierflugzeug-Flotte. Auch Etihad, Qatar und Turkish Airlines betreiben stark expandierende Luftfracht-Töchter. Mit den Passagierströmen über die Golf-Drehkreuze ändern sich so auch die Luftfrachtströme.

Von: dh
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