Boeing baut Rechtsabteilung um

02.05.2019 - 15:03 0 Kommentare

Boeing stellt seine Rechtsabteilung neu auf. Damit will sich der US-Flugzeughersteller auf eine mögliche Klagewelle vorbereiten sein. Gleichzeitig sollen die Sensorik-Probleme schon länger bekannt gewesen sein.

Flugzeuge vom Typ Boeing 737 Max der Southwest Airlines stehen Ende April 2019 in Victorville, Kalifornien. - © © AirTeamImages.com - Colin Parker

Flugzeuge vom Typ Boeing 737 Max der Southwest Airlines stehen Ende April 2019 in Victorville, Kalifornien. © AirTeamImages.com /Colin Parker

Der US-Luftfahrtkonzern Boeing stellt nach den Abstürzen zweier 737-Max-Flugzeuge und angesichts einer drohenden Klagewelle seine Rechtsabteilung neu auf. Der bisherige Chefjustiziar J. Michael Luttig wird sich ab sofort ganz der rechtlichen Aufarbeitung der Unglücke in Indonesien und Äthiopien widmen, wie das Unternehmen mitteilte.

Luttig soll demnach Vorstandschef Dennis Muilenburg und den Verwaltungsrat künftig in einer neu geschaffenen Position als Rechtsberater in der 737-Max-Krise unterstützen. Luttig leitete seit 2006 Boeings Rechtsabteilung. Sein Nachfolger als Chefjustiziar wird Brett Gerry, der sich bislang um Boeings Geschäfte in Japan kümmerte.

Boeing droht Klagewelle

Boeing droht nach den Flugzeugabstürzen, bei denen insgesamt 346 Menschen starben, immenser rechtlicher Ärger. Der Konzern ist mit Schadenersatzklagen von Angehörigen der Todesopfer konfrontiert. Zudem wird ermittelt, ob bei der Zulassung der Unglücksflieger alles mit rechten Dingen zuging. Auch Anleger haben schon geklagt.

Für Boeing ist der Fall besonders brenzlig, weil eine Fehlfunktion bei einer eigens für die 737-Max-Maschinen entwickelten Steuerungssoftware MCAS (Maneuvering Characteristics Augmentation System) nach ersten Untersuchungsberichten als womöglich entscheidende Ursache der Abstürze gehandelt wird. Bei einem Herstellerfehler stünde Boeing vor großen Haftungsrisiken.

Schon ältere 737-Versionen mit Problemen

Problematisch könnte in diesem Zusammenhang auch ein Bericht des US-Nachrichtensender CNN werden. Demnach seien der US-Luftfahrtbehörde FAA in den vergangen 15 Jahren in mindestens 216 Berichten Probleme mit den Anstellwinkelsensoren gemeldet worden. Dabei mussten Angle-of-Attack-Sensoren repariert, ausgetauscht oder angepasst werden.

Zwar handele es sich laut einem Experten um einen Sensor, der relativ leicht kaputt gehen und ausgetauscht werden könne, allerdings nutzt Boeing diesen als einzige Quelle für die Datenströme, die zur Steuerbarkeit der Maschinen notwendig sind. Weiter soll Boeing darauf verzichtet haben, zur Max-Zertifizierung Flüge durchzuführen bei denen der Ausfall der Anstellwinkelsensoren getestet wurde.

Laut CNN sagte ein Boeing-Sprecher, dass "Einzelne Datenquellen werden in solchen Fällen von unserer Industrie als akzeptabel betrachtet."

Von: dpa, br
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