Boeing sieht 777X-Zertifizierung trotz 737-Max-Problemen im Plan

31.05.2019 - 12:42 0 Kommentare

Die neue 777X kann nach Ansicht des Boeing-Chefs trotz der Kritik am 737-Max-Zertifizierungsprozess fristgerecht in Dienst gestellt werden. Derweil macht bereits ein Termin für den Erstflug die Runde.

Rollout der ersten Boeing 777-9 in Everett

Rollout der ersten Boeing 777-9 in Everett
© AirTeamImages.com - Dipankar Bhakta

Folding Raked Wingtip beim Rollout der ersten Boeing 777-9 in Everett

Folding Raked Wingtip beim Rollout der ersten Boeing 777-9 in Everett
© AirTeamImages.com - Dipankar Bhakta

Boeing-Chef Dennis Muilenberg sieht keine Gefahr für den Zertifizierungsprozess der neuen 777X durch die Probleme bei der 737 Max. Der Erstflug solle wie vorgesehen 2019 stattfinden und die Indienststellung sei für 2020 geplant. Das sagte Muilenberg diese Woche auf einer Investoren-Konferenz in New York.

Er sehe nichts, was momentan den Zeitplan für die 777X ändern würde, so Muilenberg. Das Entwicklungsprogramm mache stetig gute Fortschritte. Nach den Abstürzen von zwei Boeing 737 Max war die sehr enge Zusammenarbeit bei der Zertifizierung des Programms zwischen der US-amerikanischen Flugsicherheitsbehörde FAA und Boeing in die Kritik geraten.

Zusammenarbeit von Boeing und FAA in der Kritik

Die FAA hatte die kritische Sicherheitssystemanalyse des neuen Flugsteuerungsystems MCAS in der 737 Max an den Hersteller Boeing ausgelagert. In der Analyse der Boeing-Ingenieure wurden potenzielle Auswirkungen des MCAS als deutlich weniger gefährlich beschrieben, als sie in der Realität waren, wie die Seattle Times unter Berufung auf Insider berichtet hatte. Außerdem wurde die für ein kritisches System wie MCAS notwendige Redundanz nicht realisiert.

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Die europäische Pilotenvereinigung ECA hatte in der Diskussion um das Flugzeug gefordert, die Zusammenarbeit zwischen FAA und Boeing grundlegend zu überprüfen. Es sei extrem besorgniserregend, dass Hersteller und Behörden im Zertifizierungsprozess schwer auseinander zu halten seien, teilte ECA-Präsident Jon Horne mit.

Die FAA sieht allerdings keine Schuld auf ihrer Seite. Daniel Elwell, amtierender Chef der Behörde, sagte in einem CNN-Interview, er habe keinerlei Informationen, dass seine Behörde Fehler bei der ordnungsgemäßen Überprüfung und Zulassung der 737 Max gemacht habe.

Sollte sich herausstellen, dass Boeing auch bei der 777X sicherheitsrelevante Teile und Systeme selbst überprüft und zertifiziert, wären Verzögerungen des Programms durch Änderungen im Zertifizierungsprozess oder behördliche Nachprüfungen laut Beobachtern nicht ausgeschlossen. Das Flugzeug wartet mit seinen hochklappbaren Flügelspitzen sogar mit einem für die kommerzielle Passagierluftfahrt grundlegend neuen System auf.

Erstflug für Ende Juni geplant

Bereits im April hatte Muilenberg laut "flightglobal.com" bekräftigt, dass es keine Änderungen im Zertifizierungsprozess der 777X geben werde. Man werde allerdings Verbesserungen durchführen, wenn man Bedarf sehe.

Der Erstflug der ersten Testmaschine ist derzeit offenbar für einen Zeitraum ab dem 21. Juni geplant. Wie Reuters unter Berufung auf Insider berichtet, könne es aber auch Anfang Juli werden, weshalb es für einen Gastauftritt des neuen Flugzeugs auf der Paris Air Show Mitte Juni wohl zu knapp wird.

Lufthansa gehört zu den 777X-Erstkunden

Die Lufthansa ist einer der Launch-Customer des Flugzeugs und hat 34 der Maschinen mit den "folding raked wingtips" bestellt. Die spezielle Flügelkonstruktion ist aber nicht die einzige X-Neuerung im Vergleich zur bisherigen 777. Die Fenster sind größer und höher angebracht. Zudem wird die Kabine innen rund zehn Zentimeter breiter. Gleichzeitig sollen auch ein höherer Kabinendruck sowie mehr Luftfeuchtigkeit den Aufenthalt an Bord erträglicher machen.

Die 777X ist eine Weiterentwicklung der bisherigen 777, die es in den Varianten -200 und -300 gibt. Vorerst sind zwei Versionen für jeweils 410 und 442 Millionen Dollar Listenpreis geplant: die -8 mit 70 Meter Länge für 350 bis 375 Passagiere, und die -9 mit 77 Metern Länge für 400 bis 425 Passagiere.

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Von: hr
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