Boeing kann in Paris Großauftrag für 737 Max verkünden

18.06.2019 - 18:22 0 Kommentare

Auf der Paris Air Show präsentiert Boeing einen neuen Großkunden für die 737 Max. Derweil kann Airbus mit zahlreichen Bestellungen für die A320-Neo-Familie punkten. Aber es gibt auch Aufträge für Regionalflugzeuge.

Besucher der 53. Internationalen Pariser Luftfahrtausstellung laufen an einem Frachtflugzeug des Typs Boeing 737-800 BCF Amazon

Besucher der 53. Internationalen Pariser Luftfahrtausstellung laufen an einem Frachtflugzeug des Typs Boeing 737-800 BCF Amazon "Prime Air" vorbei. © dpa /Michel Euler

Überraschung beim krisengeschüttelten Flugzeugbauer Boeing: Der British-Airways-Mutterkonzern IAG will auf einen Schlag 200 Mittelstreckenjets der 737-Max-Reihe bestellen - noch während für den Typ ein weltweites Flugverbot gilt.

"Wir haben volles Vertrauen in Boeing und erwarten, dass das Flugzeug in den kommenden Monaten erfolgreich den Betrieb wieder aufnehmen wird", erklärte IAG-Vorstandschef Willie Walsh am Dienstag. Die Flugzeuge sollen demnach unter anderem für die IAG-Fluglinien Vueling, Level und British Airways genutzt werden.

Bei der Kaufvereinbarung handelt es sich zunächst um eine Absichtserklärung. Außerdem vermeidet IAG, die Maschinen als "Max" zu bezeichnen, sondern erwähnt nur die Längen-Varianten 737-8 und 737-10.

Sollte dem Vorvertrag eine feste Bestellung folgen, wäre diese laut Listenpreis rund 24 Milliarden Dollar (21,45 Milliarden Euro) wert. Bisher besteht die Schmalrumpfflotte von IAG fast ausschließlich aus dem Maschinentyp A320 des europäischen Konkurrenten Airbus. IAG wolle mit dem Kauf der 737 seine Flotte breiter aufstellen, "um den Wettbewerb zu beleben", erklärte Boeing.

Kein Zeitplan für Wiederzulassung

Für die Boeing 737 Max war im März ein weltweites Flugverbot verhängt worden, nachdem innerhalb von fünf Monaten zwei dieser Flugzeuge unter ähnlichen Umständen abgestürzt waren. Als Auslöser wird ein Problem beim Stabilisierungssystem MCAS vermutet. Boeing hat nach eigenen Angaben ein Softwareupdate für den Flugzeugtyp abgeschlossen.

Boeing-Chef Dennis Muilenburg hatte daher gesagt, bei der Messe gehe es ihm diesmal nicht um Aufträge, sondern um Sicherheit, Bescheidenheit sowie darum, verlorenes Vertrauen bei den Kunden zurückzugewinnen. Bislang gibt es aber noch keinen Zeitplan für die Wiederzulassung der Maschine.

Airbus punktete auf der Messe zwar weiterhin mit seinen auf Spritsparen getrimmten "Neo"-Jets, unter anderem mit dem neuen, kleinen Langstrecken-Flieger A321 XLR. Airbus kann von Boeings Krise bisher nur wenig profitieren, auch weil die Produktion des Max-Konkurrenzmodells Airbus A320 Neo auf Jahre hinweg ausgebucht ist.

IAG bestellt auch bei Airbus

Die British-Airways-Mutter IAG spendierte Airbus einen kleinen Auftrag im Vergleich zu dem, was sie Boeing in Aussicht stellt. So reihte sie sich bei den ersten Käufern des Airbus A321 XLR ein und bestellte verbindlich 14 Maschinen des jüngsten Airbus-Typs für ihre Töchter Iberia und Aer Lingus.

Airbus A321 XLR in den Farben von Aer Lingus. Foto: © Airbus

Boeing konnte auch Kunden für 25 Großraum-Langstreckenjets vom Typ 787 gewinnen. So will die südkoreanische Fluggesellschaft Korean Air 20 "Dreamliner" kaufen. Zehn weitere Maschinen der Reihe will das Unternehmen bei dem Flugzeugfinanzierer ALC leasen, der seine bestehende Order bei Boeing in diesem Zuge um fünf Jets aufstockte.

Derweil unterzeichnete die philippinische Fluggesellschaft Cebu Pacific am Dienstag einen Vorvertrag über 31 Airbus-Jets. Darunter sind zehn Exemplare des neuen kleinen Langstreckenjets A321 XLR, 16 Großraumjets vom Typ A330 Neo und fünf Mittelstreckenjets vom Typ A320 Neo.

Zudem orderte Atlantic Airways zwei Airbus A320 Neo und die US-Fluglinie Delta fünf kleinere Airbus A220. Saudi Arabian erweiterte eine bestehende Order von 35 A320 Neo auf bis zu 100 Exemplare. Allerdings sind nur 30 Maschinen Neubestellungen. Air Asia aktualisierte eine A320-Neo-Bestellung und bestellte lieber bis zu 253 Airbus A321 Neo.

In den ersten fünf Monaten des Jahres hatten beide Hersteller mehr Stornierungen kassiert, als Neubestellungen hereinkamen. Jedoch sitzen die Konzerne auf dicken Auftragsbüchern, die für viele Jahre reichen. Sie haben sogar Mühe, die Bestellungen vor allem bei den stark gefragten Mittelstreckenjets abzuarbeiten und haben deshalb einen kräftigen Ausbau ihrer Produktion angeschoben.

Aber es gab auch Bestellungen für Regionalflugzeuge. So orderte Nordic Aviation Capital bis zu 100 ATR-Turboprop-Flugzeuge. 35 davon sind feste Bestellungen. Fuji Dream Airlines hat zudem zwei Embraer 175 bestellt. Die 195-E2 von Embraer kommt zudem auf die Kanaren. Binter hat zwei Flugzeuge fest bestellt - und somit Kaufrechte umgewandelt.

Von: dh mit dpa, AFP
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