«Jahrhundert-Auftrag»

Boeing gewinnt Tanker-Ausschreibung

25.02.2011 - 17:22 0 Kommentare

Airbus ist mit seiner Bewerbung um den milliardenschweren Tankflugzeug-Auftrag der US Air Force gescheitert. Das Rennen machte Boeing. Für den europäischen EADS-Konzern ist das ein schwerer Rückschlag.

Boeing KC-46A Tanker

Boeing KC-46A Tanker
© Boeing

Boeing KC-46A Tanker

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© Boeing

Boeing KC-46A Tanker

Boeing KC-46A Tanker
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Boeing-Tankflugzeuge

Boeing-Tankflugzeuge
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Am Ende hat doch der Haus- und Hoflieferant der US Air Force gewonnen: Boeing hat sich den «Jahrhundert-Auftrag» für 179 Tankflugzeuge gesichert. Das US-Verteidigungsministerium erteilte Boeing am Donnerstag den Auftrag zum Bau von insgesamt 179 Tankflugzeugen.

Boeing habe sich nach eingehender Prüfung der Angebote als "klarer Gewinner" erwiesen, sagte US-Vizeverteidigungsminister William Lynn in Washington. EADS habe das Recht, Einspruch gegen die Entscheidung einzulegen. "Wir sind aber überzeugt, dass die Entscheidung in einem klaren und transparenten Verfahren gefallen ist", sagte Lynn. Die Kampfkraft, der Anschaffungspreis sowie die Wartungs- und Betriebskosten hätten für das Boeing-Modell gesprochen, erläuterte Lynn.

Boeing soll zunächst in einer ersten Tranche bis 2017 18 Tankflugzeuge für 3,5 Milliarden Dollar (2,6 Milliarden Euro) liefern. Insgesamt soll der Auftrag 179 Tankflugzeuge umfassen und hat laut Pentagon einen Wert von "mehr als 30 Milliarden Dollar".

Boeing teilte mit, sich über den Zugschlag "geehrt" zu fühlen. Das Unternehmen sei "bereit" für den Bau der Maschinen. EADS erklärte in einer Stellungnahme, die US-Luftwaffe habe sich anstelle des "bewährten A330 MRTT" von EADS für ein "hochriskantes Konzept-Flugzeug" entschieden. "Das ist zweifellos eine enttäuschende Entwicklung", erklärte EADS-Nordamerika-Chef Ralph Crosby. Die Entscheidung des Pentagon müsse nun zunächst einer "gründlichen Analyse" unterzogen werden.

Boeing und EADS nutzten für ihre Angebote bestehende Passagierflugzeuge, die für die Bedürfnisse der US-Luftwaffe umgerüstet werden sollen. Boeing will dafür sein Langstreckenflugzeug 767 nutzen, EADS hielt mit seinem Airbus A330 dagegen.

Die Ausschreibung war bereits der dritte Versuch des Pentagon, neue Tankflugzeuge für die US-Streitkräfte zu bestellen. Eine erste Ausschreibung hatte 2003 Boeing gewonnen. Allerdings widerrief das Pentagon die Vergabe, nachdem bekannt geworden war, dass eine Pentagon-Mitarbeiterin Boeing widerrechtlich mit Informationen versorgt hatte. In einem zweiten Verfahren setzte sich EADS im Februar 2008 durch. Boeing focht das Vergabeverfahren daraufhin vor dem Rechnungshof des US-Kongresses erfolgreich an. Das Pentagon schrieb den Auftrag schließlich 2009 komplett neu aus.

EADS gibt Auftrag noch nicht ganz verloren

Auch wenn Boeing bei der dritten Ausschreibung das Rennen gemacht hat, will sich der europäische Konkurrent EADS noch nicht endgültig geschlagen geben. Konzernchef Louis Gallois wollte am Freitag nicht ausschließen, dass sein Unternehmen Protest gegen die Entscheidung des US-Verteidigungsministeriums einlegt. EADS werde aber erst ein Gespräch mit dem Pentagon am kommenden Montag abwarten, bevor der Konzern über weitere Schritte nachdenke.

Enttäuschung über den Ausgang der Ausschreibung äußerte am Freitag auch die Bundesregierung. «Wir sind der Auffassung, dass EADS ein sehr gutes Angebot abgegeben hat», erklärte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) am Freitag. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, es sei eine Möglichkeit verpasst worden, die transatlantische Partnerschaft zwischen den USA und Europa noch zu vertiefen.

Die Bundesregierung hofft, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Einmischen will sich Berlin jedoch auf keinen Fall. Die Kanzlerin selbst sehe derzeit keinen Handlungsbedarf, sagte ein Sprecher. «Die Bundesregierung ist in diesem Verfahren neutral», erklärte der Koordinator für Luft- und Raumfahrt, Staatssekretär Peter Hintze (CDU), der Nachrichtenagentur dpa. «Es ist allein eine Entscheidung der amerikanischen Regierung. EADS North America kann prüfen, ob sie hier Einspruch erhebt.»

Hintze verwies allerdings auf Ungereimtheiten während der Ausschreibung. «Die Tatsache, dass durch ein offensichtliches Versehen beide Seiten das jeweilige Gegenangebot zugeleitet bekamen, könnte ein möglicher Ansatzpunkt für eine erneute Überprüfung sein.»

 

Von: AFP, dpa
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