Boeing flog wohl schneller: MH370-Suchgebiet angepasst

28.03.2014 - 11:16 0 Kommentare

Die Suche nach dem Wrack von Flug MH370 im Indischen Ozean ist nach einer wetterbedingten Unterbrechung gestern nun wieder angelaufen. Das Suchgebiet ist neu. Hintergrund ist die hohe Geschwindigkeit der Boeing.

Das neue Suchgebiet im Indischen Ozean liegt näher an Australien.

Das neue Suchgebiet im Indischen Ozean liegt näher an Australien.
© AMSA

Bilder eines thailändischen Satelliten zeigen hunderte mögliche Trümmer.

Bilder eines thailändischen Satelliten zeigen hunderte mögliche Trümmer.
© Gistda

Fast drei Wochen nach dem mysteriösen Verschwinden des Malaysia-Airlines-Passagierflugzeugs hat das internationale Suchteam das Suchgebiet verlagert. Womöglich suchten Aufklärungsflugzeuge zwei Wochen an der falschen Stelle im Indischen Ozean. Die australische Seesicherheitsbehörde (Amsa) dirigierte die Maschinen am Freitag in ein Seegebiet 1100 Kilometer weiter nordöstlich um.

Das neue Suchgebiet liegt näher an Australien. Es sei etwa 1850 Kilometer westlich von Perth gelegen, teilte die Amsa mit. Das bedeutet kürzere Anflugzeiten und entsprechend mehr Suchstunden, weil die Suchflugzeuge weniger Treibstoff für Hin- und Rückflug benötigen. In der Region sei das Wetter besser und das Meer nicht so tief wie im vorherigen Suchgebiet weiter südwestlich, sagte Amsa-Einsatzleiter John Young am Freitag. Die Suchflugzeuge fanden zunächst aber auch dort keine Wrackteile.Das neue Suchgebiet ist mit 319.000 Quadratkilometern fast so groß wie Deutschland.

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«Die neuen Informationen basieren auf der andauernden Analyse von Radardaten zwischen dem Südchinesischen Meer und der Straße von Malakka, bevor der Radarkontakt zur Maschine abbrach», hieß es in einer Amsa-Mitteilung weiter. «Sie legen nahe, dass die Maschine schneller flog als bislang geschätzt und dass sie dadurch mehr Treibstoff verbrauchte. Das reduziert die Distanz, die sie Richtung Indischer Ozean zurücklegen konnte.» Unklar ist, warum die Analyse fast drei Wochen dauerte.

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Hohe Geschwindigkeit deutet auf Feuer an Bord

Die neuen Angaben zur deutlich erhöhten Geschwindigkeit stützen die Theorie eines Feuers an Bord. Sollte es tatsächlich zu einem unkontrollierbaren Brand an Bord gekommen sein, könne man das von außen an einer deutlich erhöhten Geschwindigkeit ableiten, sagte in der vergangenen Woche ein Boeing-777-Pilot gegenüber airliners.de: Eine brennende Boeing 777 würde die Crew auf bis zu 0,89 Mach beschleunigen, um so schnell wie möglich den nächsten Flughafen zu erreichen. Der Pilot machte auch Angaben, unter welchen Umständen ein Flugzeug führerlos einfach weiterfliegen würde.

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Neue Satellitenbilder zeigen hunderte Objekte im Wasser

Ein thailändischer Satellit hatte derweil unweit des alten Suchgebiets etwa 300 im Meer treibende Objekte erfasst. Die Bilder seien am vergangenen Montag gemacht worden, zitierte die Zeitung «The Nation» den Geschäftsführer der Geo Informatics and Space Technology Development Agency, Anond Snidvongs, am Donnerstag auf ihrer Webseite. Die Fundstelle sei etwa 2700 Kilometer vom australischen Perth und rund 200 Kilometer von jenem Gebiet entfernt, an dem die Absturzstelle des verschollenen Flugzeugs der Malaysia Airlines vermutet werde, sagte Anond. Einige der Teile seien mehr als zwei Meter lang.

Mögliche Trümmer können nach fast drei Wochen in der rauen See hunderte Kilometer gedriftet sein. Das Gebiet ist für seine starken Strömungen und Winde berüchtigt. Grund für die Wetterturbulenzen in der Region ist die Geografie der Erde: Im unteren Bereich der Südhalbkugel gibt es zwischen Australien und der Antarktis nur sehr wenig Land. Die dort aufgrund der globalen atmosphärischen Zirkulation vorherrschenden Westwinde wehen ganzjährig weitgehend ungebremst um den Globus und erreichen dadurch Geschwindigkeiten, die in anderen Gegenden nur in Ausnahmefällen auftreten. In dem Gebiet trifft außerdem noch polare Kaltluft auf wärmere Strömungen, was sehr instabiles Wetter erzeugt.

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Die größte Suchaktion in der internationalen Luftfahrtgeschichte hatte erst am Mittwoch neuen Auftrieb bekommen. Auf französischen Satellitenaufnahmen war genau im Suchgebiet über viele Kilometer verbreitet eine Art Trümmerfeld entdeckt worden. Die Experten glauben, das 122 Teile von der Boeing 777-200 stammen könnten, die ihrer Überzeugung zufolge am 8. März nach einem stundenlangen Irrflug im Indischen Ozean abstürzte. Die Maschine war auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking.

Von: airliners.de mit dpa, AFP
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