Boeing fliegt in Farnborough allen davon

23.07.2018 - 15:19 0 Kommentare

Industrieriese Boeing ist der "Gewinner" der diesjährigen Luftfahrtmesse in Farnborough - auch ohne Präsentation der 797. Der US-Hersteller sichert sich deutlich mehr Aufträge als Dauerrivale Airbus.

Boeings 737 MAX-Reihe ist mit 564 verkauften Maschinen der

Boeings 737 MAX-Reihe ist mit 564 verkauften Maschinen der "Kassenschlager" der diesjährigen Farnborough Air Show. © Boeing

Die beiden großen Flugzeughersteller Airbus und Boeing haben ihre Marktmacht auf der Luftfahrtmesse im englischen Farnborough weiter ausgebaut. Das gaben beide Hersteller im Nachgang der Messe bekannt. Zusammen verzeichneten die beiden Dauerrivalen Neuaufträge von über 1100 Maschinen, sollten alle Bestellungen beziehungsweis Absichtserklärungen in konkrete Käufe umgewandelt werden.

Die kleineren Hersteller Embraer, ATR, Comac und Bombardier kommen zusammen auf gerade einmal 200 Bestellungen. Mittelstrecken-Jets entwickelten sich mit knapp 1100 Bestellungen zu den mit deutlichem Abstand zum gefragtesten Flugzeugtypen.

Boeing wieder vor Airbus

Anders als noch 2016 liegt Boeing in Sachen Neuaufträgen wieder deutlich vor seinem europäischen Konkurrenten. Die Amerikaner sicherten sich Aufträge für 673 Maschinen. Dabei ist die überarbeitete 737-Familie mit 564 Aufträgen zum "Kassenschlager" der diesjährigen Luftfahrtmesse geworden. Größte bekannte Abnehmer sind der vietnamesische Billigflieger Vietjet (80 Maschinen), die indische Jet Airways (75 Jets) und verschiedene Unternehmen, die unbekannt bleiben wollen.

Aber auch die Großraum-Jets des Herstellers aus Seattle sind mit über 100 Bestellungen äußerst beliebt. Von der 777-Familie und der 787-Familie wurden jeweils 52 Maschinen geordert. Die 777 überwiegend in der Frachter-Ausführung, allein 29 Maschinen von Cargo Logic. Auch die Cargo Version der 747-8 wurde fünf Mal bestellt.

Auch Airbus verkauft hauptsächlich Mittelstreckenjets

Ein ähnliches Bild zeigen auch die Airbus-Bestellbücher. Insgesamt verzeichneten die Europäer zwar nur Aufträge für 461 Maschinen, aber auch hier machen die Mittelstrecken-Modelle mit 364 Bestellungen den Löwenanteil aus. Die überarbeitete A320neo-Familie kommt auf 304 Bestellungen, fast die Hälfte davon von unbekannten Abnehmern.

Bekannt ist, dass Vietjet sich 50 Jets sicherte und auch die mexikanische Airline Aerobus 25 A321neo-Maschinen geordert hat. Laut Medien haben alle Aufträge zusammen einen Wert von rund 100 Milliarden US-Dollar.

Farnborough-Bestellungen 2018
Flugzeugtyp
Boeing-737-MAX-Familie 564
A320-Familie 304
Boeing-787-Reihe 52
Airbus-A350-Reihe 25
Boeing-777-Serie 52
Airbus-A330-Familie 42
Boeing-747-8 5

Die Grafik zeigt die Bestellungen von Airbus und Boeing auf der diesjährigen Farnborough Air Show.Quelle: Unternehmensangaben

Größte Einzelkundin für die Großraum-Jets ist mit 34 Bestellungen des Airbus A330-900 die Low Cost Airline Air Asia X. Insgesamt liegen für die überarbeitete Version der A330-Familie 42 Bestellungen vor und die A350-Familie wurde 25 Mal geordert.

A220-Familie findet Käufer

Ein Erfolg für Airbus ist auch, dass von der erst kürzlich erworbenen und integrierten A220-Familie 60 Flugzeuge geordert wurden.

Aber auch Embraer sicherte sich rund 170 Bestellungen für ihre Mittelstrecken-Modelle der E175 und E190-Serie. Größte Einzelkundin ist hier mit 100 Bestellungen der E175 Republic Airways aus den USA. Der französisch-italienische Hersteller ATR verkaufte sieben Regionalmaschinen.

Politische Lage fördert unbekannte Käufer

In diesem Jahr wurden auffallend viele Flugzeuge an Kunden verkauft, die unbekannt bleiben möchten. Ein Grund liegt laut Medienberichten im aktuellen Handelskrieg zwischen den USA und China. Bei den unbekannten Unternehmen soll es sich größtenteils um chinesische Unternehmen handeln, die wohl befürchten, dass ein Deal mit US-Hersteller Boeing von der chinesischen Führung nicht gern gesehen werde.

Aber auch Bestellungen in Europa könnten wiederum von den USA als Affront verstanden werden. Neben den politischen Gründen bleiben viele Airlines aber wohl auch unbekannt, weil sie den Zeitpunkt der Veröffentlichung einer Bestellung gern selbst bestimmen möchten.

Große Innovationen blieben aus

Trotz allem blieben die großen Überraschungen in Farnborough aus. Zu der von vielen Experten erwartete Präsentation einer möglichen Boeing 797 kam es nicht. Der US-Hersteller verzichtete auf den offiziellen Startschuss zum 797-Programm. Der japanische Hersteller Mitsubishi hat hingegen seinen Regionaljet erstmalig auf der Farnborough Airshow gezeigt.

© AirTeamImages.com , Ismael Abeytua Lesen Sie auch: Das plant Boeing mit der 797 Überblick

Von: br
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen.

  • Guillaume Faury. Middle of the Market: Airbus will auf Boeing warten

    Seit drei Monaten leitet Guillaume Faury die Airbus-Flugzeugsparte, 2019 könnte er Konzernchef werden. Nun spricht er über die A380-Nachfrage, Personaldiskussionen und ein neues "Middle of the Market"-Modell.

    Vom 01.06.2018
  • Messewegweiser und Boeing 787-9 auf der Farnborough-Luftfahrtmesse. Das bringt die Farnborough Air Show 2018

    Ausblick Die "Farnborough Air Show" könnte in diesem Jahr Schauplatz ganz großer Überraschungen werden - könnte. Denn bislang sind kaum Neuerungen vom Luftfahrtmessen zu erwarten. airliners.de zeigt, worauf die Branche dennoch hofft.

    Vom 16.07.2018

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus

Mehr Nachrichten »
Anzeige schalten
Mehr Stellenangebote »
Anzeige schalten »