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Das plant Boeing mit der 797

13.07.2018 - 13:02 0 Kommentare

Die Pläne für Boeings mögliche neue 797 scheinen sich zu konkretisieren. Jetzt haben Triebwerkshersteller mögliche Antriebskonzepte eingereicht. Boeing verschiebt den Programm-Start indes.

Boeing hat das 757-Programm 2004 eingestellt. Kommt jetzt mit der 797 ein neues Middle-of-the-Market-Flugzeug?

Boeing hat das 757-Programm 2004 eingestellt. Kommt jetzt mit der 797 ein neues Middle-of-the-Market-Flugzeug?
© AirTeamImages.com - Ismael Abeytua

Boeing hat das 757-Programm 2004 eingestellt. Kommt jetzt mit der 797 ein neues Middle-of-the-Market-Flugzeug?

Boeing hat das 757-Programm 2004 eingestellt. Kommt jetzt mit der 797 ein neues Middle-of-the-Market-Flugzeug?
© AirTeamImages - HAMFive

Die Spekulationen über ein neues Flugzeugmodell des US-Herstellers Boeing reißen nicht ab. Jetzt werden die Pläne wohl konkreter. Um das Risiko bei der Entwicklung eines komplett neuen Flugzeugmodells abschätzen zu können, hatte Boeing die Triebwerkshersteller aufgefordert, bis Ende Juni ihre möglichen Antriebskonzepte einzureichen, berichten Brancheninsider. Boeing möchte ein Triebwerk, das rund 25 Prozent weniger verbrauchen soll, als es die Antriebe der Boeing 757 tun.

Unterstützend für die These ist, dass Rolls-Royce diese Frist gegenüber dem Londoner TV-Sender "CNBC" nicht dementierte. Laut Brancheninsidern haben die Briten wohl ihren Trent-Nachfolger "UltraFan" eingereicht - dieser soll 2025 serienreif sein.

Konkurrent CFM setzt wohl auf die GE9X-Triebwerke, die auch schon Boeings 777X in die Luft bringen wird. Ähnlich macht es Pratt & Whitney, die mit ihrem PW1100G überzeugen wollen. Das Triebwerk ist bereits beim direkten Konkurrenzmodell, dem Airbus A321neo, im Einsatz.

Airbus geht vor, Boeing wartet

Nach Ansicht von Industrieexperte Michael Santos der Unternehmensberatung H&Z zeigt sich in der Diskussion um eine mögliche 797 wieder einmal der Unterschied in der Philosophie der beiden größten Hersteller für Zivilflugzeuge, Airbus und Boeing. "Beide haben offenbar eine grundsätzlich unterschiedliche Bewertung was mögliche Marktkapazitäten für ein neues Middle-of-the-Market-Flugzeug angeht", sagte Santo zu airliners.de.

© dpa, Karl-Josef Hildenbrand Lesen Sie auch: Middle of the Market: Airbus will auf Boeing warten

Airbus habe sich entschieden, dieses Marktsegment mit der A321neo-LR abzudecken - einem Derivat der A320-Familie. "Die Amerikaner schätzen den Marktbedarf offensichtlich deutlich höher ein, wenn sie wirklich ein Clean-Sheet-Desgin wagen. Boeing kann damit aber ein perfekt an den Markt angepasstes Flugzeug entwickeln", meint Santo.

Airlines erhöhen Druck

Die beiden großen US-Airlines Delta und United haben den Druck auf Boeing, einen Nachfolger für die in den USA sehr erfolgreiche Boeing 757 vorzustellen, erhöht. Das 757-Programm hat der Flugzeugkonzern 2004 eingestellt und bislang keinen Nachfolger in diesem Marktsegment präsentiert. Delta-Chef Ed Bastian sagte jüngst, dass seine Airline gern Erstkundin des Programms sein würde. Auch United hat sich mit ähnlichen Aussagen positioniert.

"Wenn Boeing an einem Middle-of-the-Market-Flugzeug arbeitet und mit Delta sowie United auch schon zwei Launching-Partner gefunden hat, werden sie schauen, zügig noch weitere Kunden auch außerhalb der USA zu finden, damit das Muster schnell breit am Markt platziert wird", gibt der Berater aber zu bedenken.

Boeing lässt Pläne offen

Offiziell bestätigt hat Boeing das 797- oder NMA-(New Midmarket Airplane)-Programm bisher nicht. Auf Nachfrage von airliners.de teilte der Flugzeughersteller mit, dass man bisher noch keine Entscheidung getroffen habe, ob man das Produkt launchen wird. Doch wenn man sich dafür entscheide, habe man bereits einen Starttermin.

"Dies ist eine Entscheidung, die wir im nächsten Jahr treffen werden. Wenn wir das Programm starten, dann wollen wir die NMA 2025 auf den Markt bringen"

Boeing-Stellungnahme

Das Middle-of-the-Marktet-Segment sieht Boeing zwischen der größten 737 und der kleinsten 787. "Dieser Raum wird heute von keinem Flugzeug bedient", so Boeing. Die Maschinen sollen 220 bis 270 Sitze fassen und eine Reichweite von bis zu 8000 Kilometern aufweisen. Boeing schätzt den Bedarf auf 4000 bis 5000 Flugzeuge.

Spekuliert werden zwei Versionen

Glaubt man dem Luftfahrtjournalisten Jon Ostrower, der sich intensiv mit Boeings möglichen Entwicklungen beschäftigt, wird es die Boeing 797 in zwei Versionen geben. Laut Ostrower sind die Typenbezeichnungen Boeing NMA-6X und NMA-7X.

Ausstehende Boeing-Bestellungen
Flugzeugtyp
Boeing 737 4684
Boeing 747 24
Boeing 767 98
Boeing 777 418
Boeing 787 686

Die Grafik zeigt die offenen Bestellungen bei Boeing zum Stichtag 31. Mai.Quelle: Boeing

Demnach wird die 6X-Version 225 Passagieren Platz bieten und eine Reichweite von 9260 Kilometern aufweisen. Die etwas größere NMA-7X fasst wohl zwischen 265 und 275 Passagiere, was auf Kosten der Reichweite geht. Die 7X soll lediglich rund 8330 Kilometer schaffen können.

Weiter nicht bestätigt ist auch, ob es sich um eine Single-Aisle-Maschine mit nur einem Mittelgang in der Kabine handelt - so wie der Boeing 757. Oder ob die 797 eine Twin-Aisle-Maschine wie Boeings 767 sein wird. Dazu heißt es von Boeing nur, dass "die NMA Widebody-Komfort mit Single-Aisle-Ökonomie bieten wird". Damit wolle man bei Boeing neue Geschäftsmodelle und Streckennetze ermöglichen.

Auslieferungsstart 2024

Einen Starttermin für eine mögliche Boeing 797 sieht Ostrower hingegen zwar auch ab 2024 möglich - allerdings könnte sich der Launch laut des Experten auch bis ins Jahr 2027 verzögern. Auch weil die Triebwerkshersteller aktuell noch mit den Problemen der aktuellen Triebwerksgeneration kämpfen. Dann noch zusätzliche Kapazitäten für die Entwicklung eines weiteren Triebwerks zu ordern, würde weitere Kapazitäten erfordern.

© AirTeamImages.com, Steve Flint Lesen Sie auch: Mit diesen Problemen kämpft Airbus' "Kassenschlager" Hintergrund

Von: br
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