Easa sperrt europäischen Luftraum für Boeing 737 Max

Nach zwei Abstürzen von Boeing 737 Max hat die europäische Luftfahrtbehörde Easa ein Startverbot für die neuen Boeing-Flugzeuge verhängt. Der US-Hersteller hat bereits ein Software-Update entwickelt. Vorher hatte unter anderem Deutschland ein Verbot ausgesprochen.

Boeing 737 MAX-9  - © © AirTeamImages.com - Matthieu Douhaire

Boeing 737 MAX-9 © AirTeamImages.com /Matthieu Douhaire

Als Reaktion auf zwei Abstürze von fast werksneuen Boeing 737 Max hat die europäische Luftfahrtbehörde Easa den europäischen Luftraum für Maschinen des Typs gesperrt. Das Verbot (EASA AD No.: 2019-0051-E) gelte ab dem 12. März, 19 Uhr (UTC) als "Vorsichtsmaßnahme" für die Flugzeuge vom Typ Boeing 737 Max 8 und Boeing 737 Max 9, teilte die Behörde mit.

Die Ankündigung am Dienstagabend kam nur wenige Stunden, nachdem bereits mehrere EU-Länder ihren Luftraum für die Boeing-Maschinen gesperrt hatten, darunter auch Deutschland. Das deutsche Verbot gilt zunächst für drei Monate, also bis einschließlich 12. Juni 2019, wie die Deutsche Flugsicherung mitteilte.

Einflüge in den deutschen Luftraum sowie Starts waren in Deutschland ab 18.30 Uhr Ortszeit untersagt. Flugzeuge, die sich zu dem Zeitpunkt noch im deutschen Luftraum befanden, durften den Flug bis zum Ausflug beziehungsweise bis zur Landung fortsetzen. Laut Easa-Direktive können Flugzeuge ohne Passagiere weiterhin abheben, um an eine Heimatbasis zurückzukehren.

Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sagte dem Sender n-tv: "Sicherheit geht absolut vor. Bis alle Zweifel ausgeräumt sind, habe ich veranlasst, dass der deutsche Luftraum für die Boeing 737 Max ab sofort gesperrt wird." Die Flugschreiber des in Äthiopien abgestürzten Flugzeugs würden nun ausgewertet. Die deutschen Behörden stünden in engem Kontakt.

© dpa, Igor Kovalenko Lesen Sie auch: So ist das Vorgehen bei Flugunfalluntersuchungen geregelt Hintergrund

Zeitgleich mit Deutschland hatten auch Frankreich und Großbritannien Starts, Landungen und Überflüge der Boeing 737 Max verboten. Auch Italien und die Niederlande schlossen ihre Lufträume. Weltweit ergriffen etliche Fluggesellschaften Vorsichtsmaßnahmen oder verbannten die Maschinen vorerst aus dem Verkehr.

Eine Ethiopian-Airlines-Boeing 737 Max 8 war am Sonntagmorgen kurz nach dem Start von Addis Abeba Richtung Nairobi abgestürzt. Es war bereits das zweite Unglück innerhalb eines halben Jahres mit dem brandneuen Flugzeugtyp. Im Oktober war eine Boeing 737 Max 8 der indonesischen Fluggesellschaft Lion Air kurz nach dem Start verunglückt. Beide Maschinen waren nur jeweils wenige Monate alt.

Vor dem Easa-Verbot stoppte auch Tui alle Flüge mit ihren Boeing 737 max 8. Der Schritt umfasse alle Fluggesellschaften des Konzerns, hieß es am Nachmittag. Tui hat bei seinen Airlines in Großbritannien und den Benelux-Ländern insgesamt 15 Maschinen des Typs in er Flotte. Die deutsche Tochter Tuifly soll ihre erste Maschine der Reihe erst in einigen Wochen bekommen.

Auch Billigflieger Norwegian gab bekannt, den Einsatz ihrer Boeing-737-Max auszusetzen. Mit 21 ausgelieferten Maschinen ist Norwegian der bilang größte Max-Betreiber in Europa. Aufgrund von Empfehlungen der europäischen Luftfahrtbehörden blieben die Maschinen bis auf Weiteres am Boden, hieß es.

Bereits ausgelieferte Boeing 737 Max
Operator Max 8 Max 9
9 Air 1
Aerolineas Argentinas 5
AeroMéxico 6
Air Canada 24
Air China 16
Air Italy 3
American Airlines 24
Cayman Airways 1
China Eastern Airlines 3
China Southern Airlines 23
Comair (South Africa) 1
Copa Airlines 6
Corendon Airlines 1
Eastar Jet 2
Enter Air 2
Ethiopian Airlines 5
Fiji Airways 2 1
flydubai 11 3
Fuzhou Airlines 2
Garuda Indonesia 1
Globus 2
Gol Linhas Aéreas Inteligentes 7
Hainan Airlines 11
Icelandair 5
Jet Airways 5
Kunming Airlines 2
Lion Air 10
LOT Polish Airlines 5
Lucky Air (China) 3
Mauritania Airlines 1
MIAT - Mongolian Airlines 1
Norwegian 9
Norwegian Air International 9
Norwegian Air Sweden 3
Okay Airways 2
Oman Air 5
Private 2
Royal Air Maroc 2
S7 Airlines 2
SCAT Airlines 1
Shandong Airlines 6
Shanghai Airlines 9
Shenzhen Airlines 5
SilkAir 6
Smartwings (Czechia) 7
Smartwings (Poland) 1
Southwest Airlines 34
SpiceJet 13
Sunwing Airlines 3
Thai Lion Air 3
TUI Airways 6
TUI fly (Belgium) 4
TUI fly (Netherlands) 3
TUI fly Nordic 2
Turkish Airlines 11 1
United Airlines 14
WestJet 13
Xiamen Airlines 10

Stand: 03/2019Quelle: ch-aviation

Am Montag hatte bereits die US-Luftfahrtbehörde FAA von Boeing Änderungen an Maschinen der 737-Max-Baureihe verlangt. Man habe eine "Continued Airworthiness Notification" ausgestellt, die sich an die internationale Luftfahrtbranche richte.

Die Behörde ordnete aber nicht an, dass alle Boeing 737 Max vorerst am Boden bleiben müssen. "Die Untersuchungen haben gerade erst begonnen und uns liegen bislang keine Daten vor, um Schlussfolgerungen zu ziehen oder Maßnahmen zu ergreifen", teilte die FAA mit.

Nötig seien unter anderem Änderungen am sogenannte Maneuvering Characteristics Augmentation System (MCAS), das einen Strömungsabriss verhindern soll, erklärte die FAA am Montag. Eine entsprechende offizielle Anweisung soll demnach spätestens im kommenden April erfolgen.

Boeing will Software-Update schnell ausrollen

Boeing versprach nun ein schnelles Update der Steuerungssoftware. In den vergangenen Monaten habe Boeing ein verbessertes Kontrollprogramm entwickelt, um "ein bereits sicheres Flugzeug noch sicherer zu machen", teilte das Unternehmen mit.

Die Überarbeitung der Software erfolgte Boeings Mitteilung zufolge nach den Erkenntnissen aus dem Lion-Air-Unfall und werde in den kommenden Wochen bei sämtlichen 737-Max-Maschinen installiert. Das neue MCAS-System war nach dem Absturz, bei dem 189 Menschen ums Leben kamen, schwer in die Kritik geraten. Laut Unfallermittlern drückte der Bordcomputer die Nase des Flugzeugs automatisch immer wieder nach unten, während die Crew versucht habe, sie nach oben zu steuern.

Die Boeing 737 ist das meistverkaufte Verkehrsflugzeug der Welt. Die 737-Max-Reihe ist die neueste Variante des Boeing-Verkaufsschlagers. Insgesamt gibt es weit mehr als 5000 Bestellungen für die verschiedenen Max-Versionen. Rund 370 Flugzeuge sind bereits an über 50 Kunden aus der ganzen Welt ausgeliefert.

Von: dh mit AFP, dpa

Datum: 12.03.2019 - 19:20

Adresse: http://www.airliners.de/boeing-737-max-software-update/49218