Boeing-737-Max-Grounding bringt Probleme für Fluggesellschaften

13.03.2019 - 18:35 0 Kommentare

Die Flugverbote für Boeing-737-Max-Flugzeuge stellen die Betreiber kurz vor Ostern vor Herausforderungen - denn niemand weiß, wie lange sie gelten werden. Auch in Deutschland stehen Max-Maschinen im Flugplan etlicher Airlines.

Tui nimmt die erste Boeing 737 MAX in Empfang. - © © Tui -

Tui nimmt die erste Boeing 737 MAX in Empfang. © Tui

Nach der Sperrung des Luftraums für Flugzeuge der Boeing-737-Max-Versionen in zahlreichen Ländern hat eine erste Airline Entschädigungsforderungen angekündigt.

Der Billigflieger Norwegian, der mit insgesamt 21 Maschinen der größte Boeing-737-Max-Betreiber in Europa ist, werde Schadenersatz verlangen, hieß es. "Norwegian darf nicht wirtschaftlich bestraft werden, weil ein komplett neues Flugzeug nicht fliegen kann", sagte ein Sprecher dem Wirtschaftsportal e24.no.

Norwegian versuche nun, die Ausfälle mit anderen Flugzeugen, Umbuchungen und möglichst wenig Unzulänglichkeiten für die Passagiere aufzufangen. Der Billigflieger setzte seine 737-Max in ganz Europa ein und flog sogar einige Transatlantik-Routen mit dem neuen, spritsparenden Flugzeug.

Etliche Max-Flugrouten nach Deutschland

In Deutschland stand die Boeing 737 Max bei Norwegian unter anderem für Flüge zwischen Oslo und München, Berlin sowie Hamburg im Flugplan. Zudem sollte auch Berlin-Kopenhagen mit der Max geflogen werden. Von Stockholm aus stand die Max nach Berlin und München in den Reservierungssystemen.

Weitere Airlines, die ihre neuesten Boeing 737-Flugzeuge bis gestern nach Deutschland eingesetzt haben, waren Turkish Airlines, Icelandair, LOT Polish Airlines, die russische S7 Airlines sowie Miat Mongolian Airlines und Royal Air Maroc.

"Wir befinden uns noch in der Wintersaison, in der es ausreichend Flugzeuge gibt", meinte Gerald Wissel von Airborne-Consulting. Es komme jetzt darauf an, wie schnell die Unfälle aufgeklärt und die richtigen Folgerungen daraus gezogen werden könnten. Sollte sich das Flugverbot bis in den Sommer ziehen, werde es spürbare Kapazitätsprobleme geben, meinte der Experte.

Tuifly wollte erste Max gerade einflotten

Auch beim aktuell zweitgrößten europäischen 737-Max-Betreiber Tui führt das Grounding zu Problemen. Der Tui-Konzern muss den Ausfall seiner insgesamt 15 Flugzeuge umfassenden Max-Flotte vor dem wichtigen Oster-Reiseverkehr durch das Zuchartern von Flugzeugen kompensieren. Geplant seien zudem der Rückgriff auf Ersatzkapazitäten sowie Umbuchungen von Passagieren auf andere Flüge. Problematisch sei vor allem die Unklarheit über die Dauer der erlassenen Flugverbote für diesen Boeing-Typ.

"Für Deutschland ist das Thema ja irrelevant, weil wir hier noch keine Maschinen dieses Typs haben", sagte Tuifly-Sprecher Aage Dünhaupt. Die Einführung der jüngsten Version des Boeing-Verkaufsschlagers in Deutschland sei nun aber zunächst fraglich - ursprünglich sollte die erste Übergabe des ersten Jets an die Tuifly Deutschland Ende März erfolgen.

© AirTeamImages.com, Rudi Boigelot Lesen Sie auch: Tuifly nennt Heimatflughäfen für Boeing 737 Max

Zur Frage möglicher Kompensationszahlungen für den Ausfall wollte sich Tui zunächst nicht äußern. Das Grounding koste Tui rund drei Millionen Euro pro Woche. Die vom Hersteller Boeing in Aussicht gestellten Updates für eine möglicherweise problematische Steuerungssoftware der Boeing 737 Max 8 würden in den nächsten Tagen erwartet und sollen dann auf die Bordcomputer geladen werden.

Ethiopian-Flugschreiber kommen nach Deutschland

Boeing hatte bereits ein Update der Steuerungssoftware angekündigt, das sich nach Angaben des Herstellers aus den Erkenntnissen zum Lion-Air-Unfall ergibt. Vor allem das neue "Maneuvering Characteristics Augmentation System" (MCAS) war nach dem Absturz schwer in die Kritik geraten. Laut Unfallermittlern drückte der Bordcomputer die Nase des Flugzeugs automatisch immer wieder nach unten, während die Crew versucht habe, sie nach oben zu steuern.

Allerdings sind auch die Flugunfallermittlungen zum Lion-Air-Absturz Ende Oktober derzeit noch nicht abgeschlossen. Der zweite Absturz einer neuen Boeing 737 Max 8 zeigt oberflächlich betrachtet Ähnlichkeiten und hatte daher wachsende Zweifel an der Sicherheit des Flugzeugtyps aufkommen lassen.

Die Flugschreiber der am Sonntag in Äthiopien verunglückten Boeing 737 Max 8 sollen nun zur Analyse nach Deutschland geschickt werden. Das teilte ein Sprecher der Ethiopian Airlines nach Angaben von "Spiegel Online" am Mittwoch mit.

© dpa, Igor Kovalenko Lesen Sie auch: So ist das Vorgehen bei Flugunfalluntersuchungen geregelt Hintergrund

In der Folge wurden Flugverbote rund um den Globus ausgesprochen, vor allem in Asien und Europa dürfen Boeing 737-Max-Maschinen derzeit nicht fliegen. Am Mittwoch schlossen sich auch die Türkei sowie Kanada den Flugverboten an. Turkish Airlines betreibt aktuell elf Max-Maschinen, Air Canada hat 24 der Flugzeuge in der Flotte.

Zu den Flugverbots-Ausnahmen gehören die USA und auch Kanada, wo mit Southwest Airlines und American Airlines einige der aktuell größten 737-Max-Betreiber operieren. Dennoch wächst in den USA der Druck auf die US-Luftfahrtbehörde FAA. Spitzenpolitiker beider großen Parteien fordern inzwischen, dass die Boeing 737 Max vorerst am Boden bleibt. Die Flugbegleitergewerkschaft von American Airlines rief ihre Mitglieder dazu auf, die Maschine nicht zu betreten, wenn sie sich nicht sicher fühlten.

Boeing beharrt auf Sicherheit der 737 Max

Der Hersteller beharrt indes auf der Sicherheit seiner Jets. Boeing-Chef Dennis Muilenberg sprach einem Medienbericht zufolge direkt mit Präsident Donald Trump, um ein Startverbot für den Flugzeugtyp abzuwenden.

Bislang hätten die Überprüfungen der Behörde keine "systemischen Leistungsprobleme" bei dem Flugzeugtyp und keine Grundlage für ein Startverbot ergeben, teilte der FAA-Chef Daniel Elwell am Dienstag auf Twitter mit. Auch hätten Luftfahrtbehörden anderer Länder der FAA keine Daten zur Verfügung gestellt, die Maßnahmen erforderlich machten.

Weiter hieß es in der Mitteilung, die "dringende Auswertung" der Daten der am Sonntag abgestürzten Boeing 737 Max 8 von Ethiopian Airlines dauere an. Sollten sich dabei Hinweise ergeben, die die Flugtauglichkeit der Maschinen infrage stellten, werde die FAA "sofortige und angemessene Maßnahmen" ergreifen.

Allerdings hatte die FAA am Montag bereits Änderungen an Maschinen der 737-Max-Baureihe verlangt und eine "Continued Airworthiness Notification" ausgestellt. Nötig seien unter anderem Änderungen am MCAS-System, das einen Strömungsabriss verhindern soll. Eine entsprechende offizielle Anweisung soll demnach spätestens im kommenden April erfolgen.

Die Boeing 737 ist das meistverkaufte Verkehrsflugzeug der Welt. Die 737-Max-Reihe ist die neueste Variante des Boeing-Verkaufsschlagers. Insgesamt gibt es weit mehr als 5000 Bestellungen für die verschiedenen Max-Versionen. Rund 370 Flugzeuge sind bereits an über 50 Kunden aus der ganzen Welt ausgeliefert.

Von: dh mit dpa, AFP
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