Boeing wusste schon 2017 von fehlerhafter Warnanzeige in 737 Max

Eigentlich gibt es in der 737 Max eine Warnleuchte, die anzeigt, ob die Daten des Anstellwinkel-Sensors fehlerhaft sind. Doch diese funktioniert nicht, wenn der Betreiber eine weitere, optionale Funktion nicht eingekauft hat. Boeing wusste das früh.

Endmontage der Boeing 737 Max im Boeing-Werk Renton im US-Staat Washington. - © © dpa - Ted S. Warren/AP

Endmontage der Boeing 737 Max im Boeing-Werk Renton im US-Staat Washington. © dpa /Ted S. Warren/AP

Bereits im Sommer 2017, wenige Monate nach der Erstauslieferung der 737 Max, waren Boeing Softwareprobleme bei den Anstellwinkel-Sensoren und dem "AOA Disagree Alert", der Warnanzeige für eine Fehlfunktion der Sensoren, bekannt. Das räumte der US-Flugzeughersteller in einer Mitteilung am Sonntag selbst ein.

Demnach hätten Ingenieure des Konzerns bei einer Überprüfung festgestellt, dass die Software der Bordcomputer die Warnanzeige für den Disagree Alert nur aktiviert, wenn die betroffene Maschine über eine optionale, aufpreispflichtige Anstellwinkel-Anzeige (AOA Indicator) im Cockpit verfügt. Sowohl Lion Air als auch Ethiopian Airlines, die beiden Betreiber der zwei vor dem weltweiten Grounding verunglückten 737 Max, hatten das Zusatzfeature nicht bestellt, wie 80 Prozent der 737-Max-Kunden, berichtet die New York Times.

In den Flugzeugen der Vorgängergeneration 737 NG war der Disagree Alert standardmäßig freigeschaltet. Anscheinend ging Boeing im Laufe der Zulassung der 737 Max davon aus, dass dies auch in den neuen Maschinen der Fall ist. Nachdem die Ingenieure bei einer Software-Revision entdeckten, dass dem nicht so ist, habe man laut Boeing zunächst eine interne Untersuchung gestartet, die zu dem Schluss gekommen sei, dass keine "negativen Folgen für die Flugsicherheit" vorliegen.

Top-Management war nicht informiert

Boeings obere Führungsebene sei in diese erste Untersuchung nicht involviert gewesen und erst nach dem ersten Absturz einer 737-Max-Maschine in Indonesien am 29. Oktober 2018 auf das Problem aufmerksam gemacht geworden. Auch die US-Luftfahrtbehörde FAA sei erst rund eine Woche nach diesem Unglück darüber informiert worden.

Im Dezember sei eine weitere Untersuchung durchgeführt worden, die ebenfalls ergeben habe, dass das Problem kein Sicherheitsrisiko darstelle, heißt es in der Boeing-Mitteilung. Für einen sicheren Betrieb bei erhöhtem Anstellwinkel seien die Neigungsanzeige, also der künstliche Horizont, und der Stick Shaker, der sich bei Gefahr eines Strömungsabrisses aktiviert, ausreichend. Auf diesen beiden Instrumenten, die Boeing neben anderen als "primäre Indikatoren" der Flugsteuerung bezeichnet, würden auch alle empfohlenen Pilotaktionen, Checklisten und Trainings basieren.

© dpa, Ted S. Warren/AP Lesen Sie auch: FAA erwägte Boeing-737-Max-Grounding schon 2018

Boeing kündigte weiter an, nun auch ein Software-Update für das Anzeigesystem im Cockpit zu veröffentlichen, dass den AOA Disagree Alert wieder als Standardfunktion implementiert. So können Piloten eine mögliche Fehlfunktion der Anstellwinkel-Sensoren schnell als Problem identifizieren.

Laut den bisherigen Ermittlungsergebnissen zu den beiden Max-Unglücken ist es wahrscheinlich, dass ein fehlerhafter Anstellwinkel-Sensor zur Aktivierung des MCAS genannten, automatischen Trimm-Systems führte, dass die Flugzeuge in den Boden lenkte. Den Piloten blieb nur wenig Zeit, auf die Fehlfunktion zu reagieren.

Zudem war das MCAS nicht redundant ausgelegt und zog nur Daten eines Anstellwinkel-Sensors heran, sodass es keine automatische Abschaltung der Software bei sich widersprechenden Daten aus zwei Sensoren geben konnte. Wenn das Grounding der 737 Max endet, sollen alle Maschinen über einen aktivierten und bedienbaren AOA Disagree-Alarm und über einen weiterhin optionalen Angriffswinkelindikator verfügen.

Von: dk

Datum: 06.05.2019 - 14:55

Adresse: http://www.airliners.de/boeing-2017-warnanzeige-737-max/49975