Bodenverkehrsdienste wollen Branchentarifvertrag abschließen

21.08.2018 - 15:05 0 Kommentare

Die Bodendienstleister an den deutschen Flughäfen wollen sich auf einen Tarifvertrag einigen und gründen einen Verband. Die Gewerkschaft Verdi macht Personalprobleme für unregelmäßigen Betrieb verantwortlich.

Ein Mitarbeiter der Aeroground fertigt eine Maschine ab. - © © FMG -

Ein Mitarbeiter der Aeroground fertigt eine Maschine ab. © FMG

Die Bodenverkehrsdienste in Deutschland wollen offenbar einen Branchentarifvertrag mit den Gewerkschaften aushandeln. Wie airliners.de von beteiligten Unternehmen erfuhr, wurde dafür im April ein Verband gegründet, der sich derzeit im Aufbau befindet. Erste Gespräche mit den Gewerkschaften würden bereits geführt, heißt es.

An dem "Arbeitgeberverband der Bodenabfertigungsdienstleister im Luftverkehr" (ABL) sind unter anderem die Unternehmen AHS und Wisag beteiligt. "Unser Haus war und ist seit jeher Befürworter von Branchentarifverträgen", sagte eine Wisag-Sprecherin auf Anfrage von airliners.de. Die Wisag ist in Berlin und seit Jahresbeginn auch am Frankfurter Flughafen tätig.

Verdi fordert seit 2015 Branchentarifvertrag

Die Arbeitgeber reagieren mit der Verbandsgründung auf eine Forderung der Gewerkschaft Verdi: Sie kämpft bereits seit 2015 für einen bundesweiten Branchentarifvertrag bei den Bodenverkehrsdiensten. Nach Verdi-Angaben sind rund 18.000 Menschen dort beschäftigt.

Angesichts der aktuellen Probleme im Flugbetrieb und bei der Abfertigung bekräftigte Verdi-Bundesvorstand Christine Behle die Forderung am Montag noch einmal. "Um die Branche zu stabilisieren, brauchen wir einen bundesweit einheitlichen Branchentarifvertrag, mit dem zugleich eine hohe Qualität der Dienstleistungen, existenzsichernde Gehälter, gemeinsame Qualifikationsstandards und gesundheitserhaltende Arbeitsbedingungen sichergestellt werden."

Personalmangel und schlechte Bezahlung kritisiert

Flugausfälle, Verspätungen und Gepäckverluste an den Flughäfen seien "hausgemacht", weil bei den Diensten Personalmangel und schlechte Bezahlung herrsche. Verdi macht dafür den Einstieg privater Unternehmen verantwortlich, den die Europäische Union forciert habe. Preisdruck durch die Fluggesellschaften und ein "erbarmungsloser Absenkungswettbewerb um die niedrigsten Lohnkosten und den knappsten Personaleinsatz" seien die Folge.

Laut Verdi erhalten Beschäftigte bei privaten oder ausgegliederten Bodenverkehrsdiensten bis zu 30 Prozent weniger Einkommen als ihre Kollegen in den Flughafengesellschaften. Im Durchschnitt werde mit einer Personalunterdeckung von 15 bis 20 Prozent gearbeitet.

Auch Flughäfen gegen Preisdruck durch Airlines

Die Dienstleister sowie die Verbände ADV und BDF wollten diese Zahlen auf Anfrage von airliners.de nicht kommentieren. ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel sieht aber den verschärften Wettbewerb ebenfalls kritisch und fordert "faire Beschäftigungsbedingungen" in den Bodenverkehrsdiensten ein. "Deshalb lehnen die Flughafenbetreiber eine weitere Marktöffnung auf dem Vorfeld ab. Der Preisdruck der Airlines darf nicht zu einer Absenkung des Lohnniveaus führen", so Beisel.

Die Fluggesellschaften hatten dagegen immer wieder betont, die Marktöffnung bei den Bodenverkehrsdiensten gehe noch nicht weit genug. Denn bisher darf an jedem Flughafen nur jeweils ein Konkurrent seine Dienste anbieten. Zur Forderung nach einem Branchentarifvertrag will der Airline-Verband BDF aktuell keine Stellung nehmen.

Bisher hat Verdi an mehreren Standorten Tarifverträge mit Bodenverkehrsdiensten AHS, Avia Partner und Losch abgeschlossen, so in Frankfurt, Düsseldorf, Köln/Bonn, Stuttgart, Hamburg und Hannover. Für Berlin und Brandenburg gibt es seit 2017 einen Flächentarifvertrag.

Von: pra
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