Mehr Airport-Kapazitäten durch Verhinderung von Wirbeschleppen

03.07.2019 - 15:18 0 Kommentare

Mit einem Pilotprojekt in Wien wollen DLR und Austro Control Wirbelschleppen in Pistennähe entschärfen. Dadurch sollen mehr Anflüge auf bestehenden Landebahnen möglich und aufwendige Erweiterungen vermieden werden.

Endanflug eines Airbus A380 über die "Plate Line" am Flughafen Wien.

Endanflug eines Airbus A380 über die "Plate Line" am Flughafen Wien.
© DLR

Endanflug eines Airbus A330 über die "Plate Line" am Localizer.

Endanflug eines Airbus A330 über die "Plate Line" am Localizer.
© DLR

Eine "Plate Line" besteht aus acht Elementen, die jeweils 4,5 Meter hoch und neun Meter lang sind.

Eine "Plate Line" besteht aus acht Elementen, die jeweils 4,5 Meter hoch und neun Meter lang sind.
© DLR

Austro Control, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und weitere Partner wollen Wirbelschleppen im Endanflugbereich entschärfen. Wie aus einer Mitteilung des DLR hervorgeht, läuft derzeit ein Projekt mit Namen "Wake turbulence separation optimisation" am Flughafen Wien. Durch parallel angeordnete Bodenplatten vor der Pistenschwelle sollen Wirbelschleppen schneller zerfallen.

Dadurch soll die Sicherheit nachfolgender Maschinen erhöht werden. Dies ist allerdings kein reiner Selbstzweck, sondern würde im besten Falle eine dichtere Staffelung des Verkehrs ermöglichen. Damit könnte auf existierenden Pisten mehr Verkehr abgewickelt werden, als es derzeit möglich ist. Aufwendige Bauarbeiten zur Erweiterung der Infrastruktur könnten vermieden werden.

Nach Angaben des DLR müssen kleine und mittlere Flugzeuge derzeit rund zehn Kilometer Sicherheitsabstand zu vorausfliegenden schwereren Maschinen einhalten. Wirbelschleppen könnten insbesondere kurz vor dem Aufsetzen eine kraftvolle gefährdende Wirkung entfalten. Mit den neuartigen Bodenplattenkonstruktionen sollen diese Sicherheitsabstände verringert werden.

Untersuchung der Wirksamkeit an großem Flughafen

Ziel des im Rahmen des EU-Forschungsprogramms SESAR geförderten Projekts ist es, die Wirksamkeit der Platten an einem großen Flughafen nachzuweisen. "Allererste Auswertungen der neuen Messungen in Wien zeigen, dass die Wirbelschleppen in der Nähe der Platten tatsächlich deutlich schneller zerfallen", sagt Dr. Frank Holzäpfel vom DLR-Institut für Physik der Atmosphäre. In den nächsten zwei Jahren soll an der Spezifikation und Herstellung einer permanenten Einrichtung dieser Platten gearbeitet werden.

Sekundärwirbel lassen Wirbelschleppen schneller zerfallen

Wirbelschleppen sind langlebige Luftwirbel, die jedes Flugzeug hinter sich erzeugt. Sie rollen sich an den Flügelspitzen auf, wo der Unterdruck der Tragflächenoberseite und der Überdruck der Tragflächenunterseite zusammentreffen. Die mächtigen Wirbel können dicht nachfolgende Maschinen empfindlich auf ihrer Flugbahn stören und auch am Boden an Gebäuden zu Schäden führen.

© DLR, Lesen Sie auch: Hintergrund: Wirbelschleppen als Gefahr in der Luft

Sie verharren gelegentlich einige Zeit kurz vor der Landebahn, knapp über dem Boden. Um diese zirkulierenden Wirbel schneller abzuschwächen, wird ein System parallel hintereinander angeordneter Platten, die sogenannte "Plate Line", aufgestellt. An den in Wien etwa neun Meter langen und viereinhalb Meter hohen Platten bilden sich Sekundärwirbel, die die eigentlichen Wirbelschleppen deutlich schneller zerfallen lassen.

Das Projekt basiert auf einer langjährigen Zusammenarbeit zwischen Austro Control und dem DLR zum Thema Wirbelschleppen. Für das Projekt hat das DLR die Plate Lines entwickelt und führt die Messungen durch. Austro Control hat den Aufbau der Platten ermöglicht und unterstützt die Datenauswertung mit Radar- und Flugplandaten. Weiteres umfangreiches meteorologisches Messequipment wird von den Firmen Leonardo Germany und Radiometer Physics beigesteuert. Damit wird beispielsweise das vertikale Temperatur- und Feuchtigkeitsprofil gemessen, das Auskunft über die atmosphärische Stabilität gibt.

© DLR, Lesen Sie auch: Schnellere Flugzeugentwicklung durch virtuelle Bauteilzulassung

Von: hr
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