Hamburg: Mehr als die Hälfte der Flüge fällt streikbedingt aus

04.02.2019 - 07:04 0 Kommentare

Der Flughafen Hamburg wird stärker vom Warnstreik der Bodenverkehrsdienste getroffen als zunächst angenommen. Laut Betreiber fallen am Montag mindestens 220 Flüge aus. Am Nachmittag sind keine Landungen mehr möglich.

Verdi hat einen Streik angekündigt. - © © dpa - Bildfunk - Ralf Hirschberger

Verdi hat einen Streik angekündigt. © dpa - Bildfunk /Ralf Hirschberger

Wegen des ganztägigen Warnstreiks des Bodenpersonals am Flughafen Hamburg haben die Airlines dort am Montag mehr als die Hälfte der Starts und Landungen ausfallen lassen. Nach Airport-Angaben wurden bis 17.30 Uhr rund 220 von 388 Flugbewegungen gestrichen. Am Nachmittag seien ab 15.30 Uhr keine Landungen mehr möglich gewesen. Bis zu 50.000 Passagiere seien vom Warnstreik betroffen.

Auch für Dienstag seien einige Flüge abgesagt worden, teilte der Flughafen mit. Man rechne damit, dass sich der Flugbetrieb im Laufe des Tages normalisieren werde.

Das Bodenpersonal bestreikt am Montag ganztägig den Flughafen. Grund für den kurzfristig anberaumten Warnstreik ist nach Verdi-Angaben das unzureichende Arbeitgeberangebot in der laufenden Tarifrunde mit dem Arbeitgeberverband Arbeitsrechtliche Vereinigung Hamburg (AVH). Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi meldete eine hohe Streikbeteiligung.

Nur Handgepäck mitnehmen

Die Beschäftigten der Bodenverkehrsdienste sind am Hamburger Flughafen unter anderem für die Flugzeug- und Gepäckabfertigung, den Busverkehr und die Reinigung der Flugzeuge zuständig. Die Betreibergesellschaft rief Reisende wegen des Ausstands dazu auf, sich vor der Anreise zum Flughafen über den Status ihres Fluges zu informieren. Sie sollten außerdem "das aufgegebene Gepäck auf ein Minimum reduzieren". Wem es möglich sei, der sollte nur Handgepäck mitnehmen.

Verdi hatte zu dem Ausstand kurzfristig am Sonntagabend aufgerufen. Verhandlungsführerin Irene Hatzidimou sagte der Nachrichtenagentur AFP, fast die komplette Frühschicht habe die Arbeit niedergelegt. Der Warnstreik soll den kompletten Tag über andauern. Verdi fordert für die fast 1000 Beschäftigten der Bodenverkehrsdienste eine monatliche Tariferhöhung von 275 Euro für alle.

Flughafen kritisiert Verdi

Der für die Bodenverkehrsdienste zuständige Flughafen-Manager Christian Noack attackierte die Gewerkschaft scharf. "Dieser unangekündigte 24-Stunden-Streik ist zum jetzigen Stand der Tarifverhandlungen völlig überzogen und maßlos", erklärte er. Die Arbeitgeberseite habe bereits für die nächste Verhandlungsrunde am Montag und Freitag dieser Woche ein überarbeitetes Angebot zugesagt und stehe auch dazu. "Verdi fordert jedoch mehr, als die Bodenverkehrsdienste in angespannter Marktlage überhaupt erwirtschaften können."

Auch der Flughafenverband ADV kritisiert die Gewerkschaft scharf. "Mir fehlt jedes Verständnis dafür, das Verdi ihre Interessen auf dem Rücken der Reisenden austrägt", so Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel zu airliners.de. Das "rücksichtslose" Vorgehen zerstöre die Verhandlungsbasis. "Es ist unvertretbar, dass eine kleine Berufsgruppe einen ganzen Flughafen lahmlegt und durch unangemessene Partikularinteressen das Lohngefüge komplett durcheinanderbringt", so Beisel weiter.

Vor rund zwei Wochen hatte ein Warnstreik des Sicherheitspersonals am Hamburger Flughafen bereits zu erheblichen Beeinträchtigungen geführt.

Von: br, dpa, AFP
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