BMI Regional erwartet "Renaissance des Regionalflugs"

23.03.2018 - 07:00 0 Kommentare

BMI-Regional-Chef Jochen Schnadt sieht in Deutschland und Europa etliche neue Nischenmärkte. Die britische "Regional-Airline mit überregionalem Fokus" soll daher trotz drohendem Brexit wachsen - auch mit größeren Flugzeugen.

Flugzeug mit BMI-Logo. - © © BMI Regional -

Flugzeug mit BMI-Logo. © BMI Regional

Schaut man in den aktuellen Sommerflugplan, könnte BMI Regional durchaus eine deutsche Fluggesellschaft sein. In keinem anderen Land starten und landen mehr BMI-Flüge, wichtigster Flughafen ist München, es gibt innerdeutschen Flugverkehr sowie eine intensive Codesharing-Partnerschaft mit der Lufthansa.

Aber BMI Regional ist britisch, und das stellt den österreichischen Chief Commercial Officer (CCO) Jochen Schnadt aktuell durchaus vor Probleme. "Wir fliegen weit über die Hälfte unserer Kapazitäten außerhalb von Großbritannien", sagt Schnadt im Gespräch mit airliners.de: "Daher müssen wir und aktuell intensiv mit verschiedenen Post-Brexit-Optionen beschäftigen."

Mit dem Austritt Großbritanniens aus der EU drohen für die Airline mit Sitz in East Midlands und Flügen in ganz Europa in der Tat deutliche Einschränkungen. An innereuropäische oder -deutsche Flüge wie beispielsweise München-Saarbrücken wäre dann wohl nicht mehr zu denken.

© Duncan Hull, Lesen Sie auch: Brexit-Übergangsfrist könnte auch dem Luftverkehr helfen

Eine Möglichkeit der Reaktion von BMI Regional auf ein hartes-Brexit-Szenario könnte laut Schnadt der Aufbau eines EU-Flugbetriebs sein. Allerdings interessiert sich BMI auch für andere Möglichkeiten, beispielsweise ein Kooperationsmodell mit einem EU-Partner.

Schon heute fliegt BMI Regional in Partnerschaft mit verschiedenen Playern in ganz Europa. Neben Codeshare-Flügen etwa mit Lufthansa, Brussels Airlines, SAS, Tap, Etihad und sogar ANA bedient BMI beispielsweise auch den ACMI-Markt für Charteranfragen verschiedenster Kunden.

Allerdings setzt BMI gleichzeitig auch auf ein umfangreiches, komplett selbstvermarktetes Netz zwischen verschiedenen europäischen Ballungsräumen "Wir sehen uns als paneuropäische Regional-Airline", fasst Schnadt die Strategie von BMI Regional zusammen: "Wir sind also quasi eine Regional-Airline mit überregionalem Ansatz."

Top-5 Abflughäfen
nach Frequenzen
  1. München (MUC): 2400
  2. Bristol (BRS): 2300
  3. Brussels (BRU): 1100
  4. Frankfurt Main (FRA): 930
  5. Jönköping (JKG): 740

Top-5 Märkte
nach Kapazitätsangebot
  1. Deutschland: 231.300
  2. Großbritannien: 201.600
  3. Schweden: 74.200
  4. Belgien: 50.900
  5. Frankreich: 19.000

Anzahl Abflüge, angebotene Sitzplatzkapazität im Sommerflugplan 2018 (gerundet), Stand 22.03.2018 Quelle: OAG, ch-aviation

Nischen gebe es überall in Europa, sagt Schnadt und ist sich sicher: "Globalisierung und Digitalisierung bringen eine ganz neue Dynamik in vielen Regionen." Diese neue Dezentralisierung bringe sogar eine "Renaissance des Regionalflugs" mit sich. Allerdings gebe es vor Ort oft schlicht keine regionalen Anbieter mehr.

In diese Lücken will Schnadt mit BMI Regional zukünftig weiter hineinwachsen. Chancen würden sich überall dort ergeben, wo entweder Tertiärmärkte an Partner-Drehkreuze angeschlossen werden können oder aber wo Sekundärmärkte dezentral miteinander verbunden werden könnten.

Foto: © airliners.de, David Haße

Geschäftsreiseverkehr wächst nicht mit billigen Tickets sondern durch eine hohe Frequenz.Jochen Schnadt, Chief Commercial Officer bei BMI Regional

Viele Möglichkeiten dafür gibt es laut Schnadt etwa in Großbritannien, Skandinavien, Osteuropa und auch innerdeutsch. Zwischen Stuttgart und Rostock etwa habe sich eine rege Nachfrage entwickelt. Die Bereiche Biotech oder Erneuerbare Energien seien hier wichtig. Aber auch das Marine-Hauptquartier und die Luftwaffen-Basis in Mecklenburg-Vorpommern seien ausschlaggebende Faktoren.

Dabei ist laut Schnadt vor allem eines wichtig: "Auch Sekundärmärkte brauchen Frequenz", ist sich der Manager sicher: "Rostock-Stuttgart ist Eurowings beispielsweise nur drei Mal pro Woche geflogen, aber das hat nicht geklappt. Wir fliegen jetzt täglich und es funktioniert."

© FDH, Lesen Sie auch: Kaum dezentrale Geschäftsreiseangebote an Regionalflughäfen Aviation Management

Billigflieger und auch Air Berlin hätten sich schon oft wenig erfolgreich im Regionalflug versucht, aber meist mit zu viel Kapazität. "Man braucht das richtige Fluggerät für die richtigen Strecken", ist sich Schnadt sicher: "Geschäftsreiseverkehr kann man nicht mit Billigsttickets stimulieren."

BMI will größere Regionalflugzeuge

Daher setzt Schnadt auch zukünftig auf eine Flotte kleiner Regionaljets. Aktuell betreibt die Fluggesellschaft 20 Embraer 135 und 145 mit im Durchschnitt unter 50 Sitzen.

Aber BMI Regional will sich weiterentwickeln. Neben dem Wegfall des Namenszusatzes "Regional" sollen demnächst auch etwas größere Flugzeuge bei BMI zum Einsatz kommen. "Wir wollen unser Portfolio um Fluggerät mit 80 bis 100 Sitzplätzen ergänzen und befinden uns sogar schon in Gesprächen mit verschiedenen Anbietern."

"Wichtig bleibt, dass wir uns effizient aufstellen", sagt Schnadt. Dann könne BMI zukünftig weiter überall in Europa wachsen. Neue Codesharing-Partnerschaft seien bereits in der Pipeline - genau wie weitere Flüge von und nach Deutschland.

Innerdeutsche Routen der BMI Regional: München-Rostock (14x pro Woche), Codesharing mit Lufthansa
München-Saarbrücken (10x pro Woche)
Rostock-Stuttgart (7x pro Woche)

Weitere BMI-Regional-Routen von und nach Deutschland: Frankfurt-Bristol, Frankfurt-Jönköping, München-Bristol, München-Mailand, München-Brno, München-Nörrköping, München-Lublin, Hamburg-Bristol, Düsseldorf-Bristol, Nürnberg-Brüssel

Sommerflugplan 2018, Quelle: OAG/ch-aviation, Stand: 22.03.2018
Von: dh
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