Blend-Attacken mit Laser-Pointer sind Gefahr für Luftverkehr

22.12.2016 - 10:14 0 Kommentare

Es ist kein harmloser Unfug: Wer mit einem Laserstrahl Piloten oder Autofahrer blendet, setzt Menschenleben aufs Spiel. Die Pilotenvereinigung Cockpit fordert, den Besitz von starken Laserpointern gesetzlich zu verbieten.

Geprüfte Laserpointer mit sehr hohen gemessenen Leistungswerten. - © © dpa - Deniz Calagan

Geprüfte Laserpointer mit sehr hohen gemessenen Leistungswerten. © dpa /Deniz Calagan

Die Attacken passieren meist im Schutz der Dunkelheit und in der sensiblen Phase des Landeanflugs: Im Juli richteten Unbekannte einen starken Laserpointer in den Himmel über Wolfsburg und zielten auf das Cockpit eines Ferienfliegers. Trotz des Angriffs mit dem grünen Lichtstrahl konnten die geblendeten Piloten die Maschine mit knapp 160 Passagieren an Bord wenig später sicher in Hannover landen. Dort ließen sich Kapitän und Copilot von einem Augenarzt untersuchen. Die Täter wurden nicht ermittelt - wie in vielen dieser Fälle.

Seit Ende Oktober 2009 besteht für deutsche Luftfahrtunternehmen eine Meldepflicht für Laser-Attacken. In den ersten elf Monaten 2016 wurden 202 Blend-Angriffe im In- und Ausland registriert, davon 129 in Deutschland. Die Zahlen gehen leicht zurück. 2013 waren dem Luftfahrt-Bundesamt in Braunschweig insgesamt noch 322 Attacken übermittelt worden, im vergangenen Jahr 234, davon 213 bis Ende November.

Hubschrauber-Pilot Andreas Helwig vermutet allerdings eine hohe Dunkelziffer. "Auch Autofahrer und Lokführer melden nicht jeden Vorfall", sagt der Sicherheitsmanager der DRF Luftrettung und Leiter der Station in Villingen-Schwenningen (Baden-Württemberg). Selbst vor Rettungshubschraubern machen die Laser-Angreifer nicht Halt. Ende November traf es die Besatzung von "Christoph 41", nachdem sie einen Notfallpatienten ins Uniklinikum Tübingen transportiert hatte.

Freiheitsstrafen von bis zu zehn Jahren Haft

Ein gefährlicher Eingriff in den Bahn-, Schiffs- oder Luftverkehr wird mit Freiheitsstrafen zwischen sechs Monaten und zehn Jahren geahndet. "Wenn überhaupt einmal Täter gefasst werden, ist bei uns die Strafverfolgung zu lasch", kritisiert der Laserphysiker Klaus Dickmann, der ein dreijähriges Forschungsprojekt zur Gefährdung durch Blend-Attacken geleitet hat. "Die USA setzen dagegen konsequent Gefängnisstrafen durch, in Australien fallen Laserpointer unter das Waffengesetz", erläutert der Professor an der FH Münster.

Die Geräte von der Größe eines Kugelschreibers sollen eigentlich nur als elektronischer Zeigestab zum Beispiel bei Präsentationen dienen. Laserpointer mit mehr als einem Milliwatt Leistung dürfen in Deutschland in der Öffentlichkeit nicht benutzt werden. Im Internet werden jedoch gefährliche Geräte aus Fernost als vermeintlich harmloses Spielzeug angeboten. "Die verdienen nicht mehr die Bezeichnung Laserpointer, das sind Laserwaffen", sagt Dickmann.

Der Bundesrat hatte im Mai 2015 wirksame Regelungen gefordert, um gegen gefährliche Laserprodukte vorgehen zu können. Die Bundesregierung sah allerdings keinen Handlungsbedarf.

© dpa, Roland Weihrauch Lesen Sie auch: Ministerium hält Einstufung von Laserpointern als Waffen für problematisch

Während die Blendung mit schwächeren Lasern keine Langzeitfolgen für das Auge hat, können illegale Geräte die Netzhaut dauerhaft schädigen. Unlängst wurde der Fall eines Jugendlichen bekannt, der auf einem Auge fast vollständig erblindete, nachdem ihn auf der Rolltreppe einer U-Bahnstation in Nürnberg ein grüner Laserstrahl getroffen hatte. Auch der Verband der Augemärzte berichtet von Verletzungen und warnt: "Laserpointer gehören nicht in die Hände von Kindern und Jugendlichen."

Gern halten sich die Angreifer in der Nähe von Flugplätzen auf, manchmal wird der Strahl auch spontan im eigenen Garten nach oben gerichtet, weil ein kreisender Polizeihubschrauber nervt. Piloten trainieren inzwischen sogar im Flugsimulator das richtige Verhalten bei Laser-Attacken. Die Vereinigung Cockpit sieht die Politik am Zug. "Schon das Tragen von stärkern Lasern sollte unter Strafe gestellt werden", sagt Eckhard König von der Pilotenvereinigung.

© Vereinigung Cockpit, Michael Fahrig Lesen Sie auch: Piloten engagieren sich für noch mehr Sicherheit im Luftverkehr

Von: dpa, gk
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