Analyse

Billigflieger lassen Wien wachsen

29.11.2018 - 07:04 0 Kommentare

Der Flughafen Wien erlebt ein Wachstumsjahr. Verantwortlich für den Boom sind diverse Billigflieger. Gleichzeitig ist an keinem anderen Drehkreuz einer Lufthansa-Airline der Anteil des Homecarriers niedriger.

Flugzeuge von Eurowings und Austrian Airlines am Flughafen Wien. - © © AirTeamImages.com - Chris Jilli

Flugzeuge von Eurowings und Austrian Airlines am Flughafen Wien. © AirTeamImages.com /Chris Jilli

Der Flughafen Wien befindet sich weiter auf Wachstumskurs. In den ersten zehn Monaten dieses Jahres hat der Airport 8,5 Prozent mehr Passagiere abgefertigt als im Vorjahreszeitraum. Eine besonders große Rolle fällt dabei dem Low-Cost-Geschäft zu, das in diesem Jahr wegen der Expansion verschiedener Billigflieger stark zulegen konnte.

Passagierentwicklung am Flughafen Wien (Januar bis Oktober)
Fluggäste
2018 22634223
2017 20869615
2016 19843502
2015 19520273
2014 19259585

Die Grafik zeigt die Entwicklung der Passagierzahlen am Flughafen Wien der letzten fünf Jahre. Betrachtet wurde jeweils der Zeitraum von Januar bis Oktober.Quelle: Flughafen Wien

So sagte eine Sprecherin des Flughafens gegenüber airliners.de, dass die vom Airport Mitte Juni ausgegebene Prognose, dass der Low-Cost-Anteil künftig 50 Prozent ausmachen werde, weiter angepeilt werde. Nach den ersten drei Quartalen lag der Marktanteil der Billigflieger am Airport bei 20 Prozent. Besondere finanzielle Anreize würde der Flughafen den Billigfliegern aber nicht setzen, teilte die Sprecherin weiter mit. "Bei uns sind die Gebühren für alle gleich."

Eurowings

Eurowings ist im aktuellen Winterflugplan laut Flugplandaten mit einem Marktanteil von 8,3 Prozent der Gesamtkapazitäten der größte Low-Cost-Carrier in Wien-Schwechat. 2016 wurde die in Wien beheimatete Eurowings Europe gegründet, die komplett unter "EW"-Code operiert und beispielsweise das Mallorca-Engagement der Lufthansa-Billigplattform steuert.

Eurowings bedient ab Wien in diesem Winter 16 Destinationen. Die fünf wichtigsten Strecken führen mit Düsseldorf, Hannover, Köln/Bonn, Hamburg und Stuttgart alle nach Deutschland. Derzeit hat die Airline sieben Maschinen am Airport stationiert.

Lauda Motion

Innerhalb von fünf Monaten hat sich Niki Laudas jüngstes Airline-Projekt Lauda Motion zum zweitgrößten Billigflieger am Platz entwickelt. Seit ihrem Start 1. Juni stellt die mittlerweile zu Ryanair gehörende Airline im Winter bereits 5,9 Prozent der angebotenen Kapazitäten. Im Sommer waren es "nur" rund 2,0 Prozent.

Lauda Motion hat an ihrer Homebase aktuell acht Maschinen stationiert, mit denen die Airline 23 Ziele bedient. Und die Zeichen stehen weiter auf Wachstum: So peilt die Airline nach Medienberichten an, im kommenden Jahr rund fünf Millionen Flugtickets zu verkaufen. In diesem Jahr werden es wohl knapp drei Millionen Tickets sein.

Wizz Air

Mitte Juni eröffnete Wizz Air in Wien ihre zweite Basis außerhalb ihres eigentlichen Kernmarktes in Osteuropa. Diese Option habe sich durch die Niki-Pleite ergeben, sagte Wizz-Air-CCO George Michalopoulos jüngst im Interview mit airliners.de. In diesem Winter liegt der Marktanteil des ungarische Low-Cost-Carriers in Wien bei 5,7 Prozent.

© Wizz Air, Lesen Sie auch: "In Westeuropa wächst Wizz Air opportunistisch" Interview

Noch umfasst die Wizz-Air-Basis drei Jets der A320-Familie, die Zahl solle sich aber bis zum Ende des Winters auf fünf Maschinen erhöhen, so Michalopoulos weiter mit. Mit 31 Zielen bietet die Airline auch das umfangreichste Streckennetz eines Billigfliegers ab Wien an.

Easyjet

Easyjet betreibt am Airport keine Basis, wie ein Airline-Sprecher airliners.de mitteilte. Dennoch liegt der Marktanteil von Europas zweitgrößtem Low-Cost-Carrier in der aktuellen Flugplanperiode bei 4,3 Prozent. Der Billigflieger bietet ab Wien zwölf Routen an. In Österreich hat Easyjet - wie Eurowings - eine eigene Division gegründet: Easyjet Europe. Diese ist mit aktuell 124 registrierten Maschinen laut "Austro Control" sogar größer als Austrian (92 Flugzeuge).

Anisec

Anisec Luftfahrt ist als Vehikel der für den Kauf der Niki-Teile von IAG Billig-Tochter Vueling gegründet. Inzwischen ist das Unternehmen komplett im Besitz der österreichischen Waleria Beteiligungs-GmbH. Der Carrier fliegt komplett für die IAG-Tochter Level von Wien aus zu zehn Zielen. Der Marktanteil beträgt 2,5 Prozent.

Fast ein Viertel aller Flüge machen die Verbindungen nach Paris-Charles-des-Gaulles aus. Die Flotte besteht aus vier Airbus A321, die alle in Wien gebased sind. In fünf Jahren solle die Level-Flotte am Flughafen Wien auf 30 Maschinen wachsen.

Stationierte Maschinen am Flughafen Wien
Maschinen
Austrian Airlines 79
Lauda Motion 8
Eurowings 7
Level 4
Wizz Air 3

Die Grafik zeigt die Anzahl der stationierten Maschinen Flughafen Wien.Quelle: Flughafen Wien, Austrian Airlines

Austrian mit weniger Kapazitäten

Weiterhin wichtigste und größte Airline in Wien-Schwechat ist Österreichs Flagcarrier Austrian Airlines. Der Marktanteil der Lufthansa-Tochter liegt in dieser Flugplanperiode bei 41,4 Prozent. Im Sommerflugplan stellte der Legacy-Carrier noch knapp die Hälfte aller Kapazitäten. Austrian weist im Vergleich zu den anderen Kranich-Netzwerk-Airlines den geringsten Marktanteil am eigenen Drehkreuz auf. Der Lufthansa-Classic-Anteil liegt in Frankfurt bei 64,1 und München 61,3 Prozent; Konzern-Schwester Swiss kommt in Zürich auf 54,5 Prozent.

Die weiß-roten Jets starten ab Wien zu 83 Zielen. 79 der insgesamt 83 Maschinen von Austrian sind aktuell am Airport stationiert. Erst kürzlich hatte die Airline angekündigt, vier an Konzern-Schwester Swiss verleaste Dash-8 Turboprop-Maschinen nach Wien zurückzuholen. Die erste sei schon in Wien, die übrigen drei würden im Frühjahr folgen.

Austrian bezeichnete die Aktion als "ersten Schritt" zur Stärkung des eigenen Streckennetzes in Wien. Austrian will die Flugzeuge im Europa-Verkehr von und nach Wien einsetzen. Mit einem verstärkten Angebot soll der Expansion der Low-Cost-Carrier dort Paroli geboten werden. "Wir werden es den Low-Costern am Standort Wien nicht leicht machen", sagte Austrian Airlines Vorstand Andreas Otto.

Ein Airline-Sprecher teilte auf airliners.de-Anfrage mit, dass man auch gerade dabei sei, sich flottenseitig weitere Maßnahmen zu überlegen. Natürlich werde man auch mit Preis und Produkt "gegenhalten".

Von: br
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