Billigflieger verschärfen den Preiskrieg am Himmel

27.05.2016 - 10:38 0 Kommentare

An Europas Himmel wird derzeit auch wegen des geringen Kerosinpreises richtig Geld verdient. Am profitabelsten ist der Billigflieger Ryanair, der mit einem schnellen Ausbau die Konkurrenz weiter unter Druck setzen will.

Ein Passagier steht vor einem Lufthansa-Automaten am Flughafen Düsseldorf. - © © dpa - Rolf Vennenbernd

Ein Passagier steht vor einem Lufthansa-Automaten am Flughafen Düsseldorf. © dpa /Rolf Vennenbernd

Ryanair-Chef Michael O'Leary ist angesichts seines Rekordgewinns von 1,24 Milliarden Euro zu alter Form aufgelaufen: Den deutschen Konkurrenten Air Berlin und der Lufthansa-Tochter Eurowings sagt der 55 Jahre alte Ire in einem Interview ein schnelles Ende innerhalb der nächsten Jahre voraus. "Ich hoffe auf einen Preiskrieg", sagt der umtriebige Chef des größten europäischen Billigfliegers, der mit vielen neuen Flugzeugen einen weiteren schnellen Ausbau seines Netzes plant.

Auf dem deutschen Markt ist für die Angreifer noch besonders viel zu holen, wie auch aus Studien des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) hervorgeht. Ryanair und Easyjet sind in Europa mit weitem Abstand die größten Anbieter, während sie in Deutschland noch den Platzhirschen hinterher fliegen.

Marktanteile nach Sitzplatzkapazitäten in Deutschland
Anteile in Prozent
Lufthansa 32
Air Berlin 14
Eurowings/Germanwings 11
Ryanair 5
Condor 3
Easyjet 3
Tuifly 2
Turkish Airlines 2
restliche Airlines 28

Die Angaben beziehen sich auf den Zeitraum vom 24. Mai bis zum 30. Oktober 2016 (Ende des Sommerflugplans). Die Angaben sind gerundet. Bei den restlichen Airlines beträgt der Marktanteil der Gesellschaften jeweils weniger als zwei Prozent. (Quelle: ch-aviation.com)

Mangelnde Angriffslust kann man O'Leary aber nicht vorwerfen. So fliegt Ryanair wieder innerdeutsch, und zwar auf der Rennstrecke Köln-Berlin, schon zuvor regelmäßig bedient von Air Berlin und Eurowings. In den nächsten Monaten kommen bei Ryanair Dutzende neue Europa-Verbindungen von Berlin, Hamburg und Nürnberg dazu - größere Flughäfen mit einem relevanten Kundenpotenzial.

Die Gelegenheit zum Angriff auf dem größten europäischen Einzelmarkt scheint O'Leary günstig: "Was sich in den vergangenen zwei Jahren Grundlegendes verändert hat, ist die Implosion von Air Berlin. Sie bewirkt, dass die meisten deutschen Flughäfen uns Rabatte dafür anbieten, dass wir sie nutzen."

Ryanair startet längst nicht mehr ausschließlich von abgelegenen Militärpisten und macht nur noch um die Lufthansa-Drehkreuze München und Frankfurt wegen ihrer hohen Flughafengebühren einen Bogen. Allein in diesem Jahr stellen die Iren 52 neue Jets in den Dienst und verfügen dann über 380 Flieger. Airports wie Köln/Bonn und Berlin-Schönefeld haben laut DLR schon im vergangenen Jahr einen Boom zusätzlicher Ryanair-Flieger erlebt.

Ryanair profitiert von Air Berlin

Deutschlands zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin indes hat auch unter ihrem Chef Stefan Pichler die Kosten bislang nicht unter Kontrolle gebracht und das Jahr 2015 mit dem Rekordverlust von knapp 447 Millionen Euro abgeschlossen. Ohne die Finanzspritzen ihres arabischen Großaktionärs Etihad wäre die Gesellschaft längst abgestürzt.

© dpa, Maja Hitij Lesen Sie auch: Air Berlin fliegt weiteren Rekordverlust ein

"Es ist unser Ziel, Air Berlin als Marke künftig stärker im Premiumbereich zu verankern", sagt Pichler und streicht kleinere Verbindungen, die Ryanair dankend übernehmen und zu niedrigeren Stückkosten betreiben kann. Etihad werde die Reste von Air Berlin in ein paar Jahren an die Lufthansa verkaufen, ätzt O'Leary.

Lufthansa will mit Eurowings gegenhalten

Der Lufthansa-Konzern hat spät auf die Low-Cost-Carrier reagiert und will mit der neu organisierten Billigmarke Eurowings gegenhalten. Mit einer kompletten Integration der bisherigen Minderheitenbeteiligung Brussels Airlines könnte die Eurowings-Flotte schnell erweitert und der Auftritt im Benelux-Markt gestärkt werden.

Trotz des Gewinns aus dem Vorjahr ächzt der komplexe Konzern unter zu hohen Kosten und streicht das Flugprogramm seiner Premiummarken Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines weiter zusammen. Das vor allem bei der Eurowings geplante Wachstum wurde zuletzt wegen der vorhandenen Überkapazitäten im Markt bereits wieder etwas eingedampft.

© dpa, Hendrik Schmidt Lesen Sie auch: Preiskampf wirkt sich negativ auf Wachstumspläne der Lufthansa aus

Die Flughäfen Frankfurt und München leiden unter dem Schrumpfkurs ihrer wichtigsten Kundin Lufthansa. Noch vor wenigen Jahren wäre es undenkbar gewesen, dass ein Frankfurter Flughafenchef per Zeitungs-Interview um Billigflieger wirbt. Doch die zusätzlichen Kapazitäten mit der neuen Landebahn und dem geplanten dritten Terminal wollen gefüllt werden.

"Low Cost wird auch in Frankfurt eine stärkere Rolle spielen, weil sich der Markt so entwickelt", sagt Fraport-Chef Stefan Schulte. Einige Anbieter wie Vueling und Wow sind bereits vor Ort, Easyjet soll laut Fraport bereits mehrfach um Start- und Landerechte verhandelt haben.

© dpa, Arne Dedert Lesen Sie auch: Flughafen Frankfurt will für Billigflieger attraktiver werden

Die zunehmenden Angriffe von Low-Cost-Gesellschaften auf die Lufthansa-Drehkreuze kann Chef Carsten Spohr auf Dauer nicht unbeantwortet lassen. Im Kranich-Nest München hat sich bereits die Air-France-Billigtochter Transavia mit vier Maschinen etabliert und will im ersten Jahr schon eine Million Passagiere transportieren. Prompt kündigte Lufthansa an, entgegen der eigenen Prinzipien nunmehr auch Eurowings-Jets von München aus starten lassen zu wollen.

Von: Christian Ebner (dpa), ch
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