Billigflieger und Griechenland-Deal sollen Fraport beflügeln

17.03.2017 - 14:20 0 Kommentare

Flughafenbetreiber Fraport hat im vergangenen Geschäftsjahr einen Rekord erzielt - vor allem dank eines Sondergewinns. 2017 setzt Konzern-Chef Schulte nicht nur auf Billigflieger.

Stefan Schulte, Vorstandsvorsitzender der Fraport AG - © © dpa - Arne Dedert

Stefan Schulte, Vorstandsvorsitzender der Fraport AG © dpa /Arne Dedert

Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport baut 2017 nach der jüngsten Passagierflaute auf Rückenwind durch Billigflieger wie Ryanair. Getrieben von neuen Low-Cost-Angeboten und mehr klassischem Linienverkehr solle die Zahl der Fluggäste im laufenden Jahr um zwei bis vier Prozent steigen, kündigte Vorstandschef Stefan Schulte jetzt bei der Bilanzvorlage in Frankfurt an.

Zudem werde die Übernahme von 14 Flughäfen in Griechenland das Ergebnis befeuern. So hoch wie 2016 dürfte der Gewinn aber nicht ausfallen. Da bescherte die Entschädigung für das geplatzte Terminalprojekt in Manila Fraport ein Rekordergebnis.

Die Fraport-Aktie rutschte im frühen Handel ins Minus. Die Resultate für 2016 hätten unter den Erwartungen gelegen, der Ausblick für das neue Jahr sei aber überraschend positiv, sagte ein Händler.

Rekord dank Sondergewinn

Im abgelaufenen Jahr verdiente Fraport unter dem Strich 375 Millionen Euro und damit 36 Prozent mehr als im Vorjahr. Der operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) wuchs um 24 Prozent auf den Höchstwert von 1,05 Milliarden Euro.

Das lag vor allem an der Entschädigung für das Terminal in der philippinischen Hauptstadt Manila, bei dem Fraport vor vielen Jahren enteignet worden war und lange um Schadenersatz gekämpft hatte. Zudem trieb der Teilverkauf der Beteiligung am Flughafen St. Petersburg das Ergebnis nach oben. Die Aktionäre können sich auf eine Dividende von 1,50 Euro freuen, 15 Cent mehr als im Vorjahr.

© dpa - Bildfunk, Christian Charisius Lesen Sie auch: Fraport-Übernahme von griechischen Flughäfen verzögert sich weiter

Der Umsatz ging hingegen um ein halbes Prozent auf 2,6 Milliarden Euro zurück. Das lag auch daran, dass Fraport die Mehrheit an seinem Frachtabfertiger FCS abgegeben hatte. Wie bereits bekannt, sank zudem die Zahl der Fluggäste um 0,4 Prozent auf knapp 61 Millionen.

Nach den Terroranschlägen in Europa hatten sich viele Menschen aus fernen Ländern gegen eine Reise auf den alten Kontinent entschieden. Auch den Einbruch des Türkei-Tourismus bekam der Fraport-Konzern zu spüren - nicht nur in Frankfurt, sondern vor allem am Flughafen in Antalya an der türkischen Riviera.

Konzern will Umsatz steigern

Für das laufende Jahr erwartet Schulte nun einen operativen Gewinn zwischen 980 Millionen und 1,02 Milliarden Euro. Das ist zwar weniger als im Vorjahr. Rechnet man die Sondergewinne sowie Belastungen durch ein Personalstrukturprogramm heraus, hätte das Ebitda 2016 allerdings nur 853 Millionen Euro betragen und damit etwa so hoch wie 2015. Der Umsatz soll nun kräftig auf bis zu 2,9 Milliarden Euro wachsen.

Für diesen Sprung baut der Vorstand auf einen deutlichen Passagierzuwachs in Frankfurt und an den Fraport-Flughäfen im Ausland. In Frankfurt tritt zum Sommerflugplan erstmals die irische Ryanair an. Zum Winterflugplan will der Billigflieger sein Flugangebot ab Deutschlands größten Flughafen dann deutlich ausweiten. Ab Mai startet auch der ungarische Billigflieger Wizz Air ab Frankfurt.

Flughafen Frankfurt setzt für Billigflieger

Fraport lockt die Billigflieger mit Gebührenanreizen für neue Strecken. Etablierte Airlines wettern seit Monaten gegen das neue Gebührensystem. "Wir wollen auf gleichen Strecken gleiche Konditionen", hatte Lufthansa-Chef Carsten Spohr klargestellt.

Fraport rechnet zudem in den kommenden Wochen mit der ersehnten Übernahme von 14 Regionalflughäfen in Griechenland. Der Vollzug des Deals zieht sich länger hin als gedacht.

Beteiligungen der Fraport an Flughäfen weltweit. An den Airports, die mit einem schwarzen Logo dargestellt werden, ist der Konzern bereits beteiligt - die blauen Flughäfen sollen dazukommen. Zoomen Sie in die Karte für eine detailliertere Ansicht.

Erst am Vortag erhielt der Konzern den Zuschlag zum Betrieb zweier Flughäfen in Brasilien. Die Konzession für den Airport Fortaleza soll über 30 Jahre laufen, die für den Flughafen Porto Alegre über 25 Jahre. Laut Fraport belaufen sich die Gesamtkosten bei Fortaleza auf umgerechnet knapp 447 Millionen Euro und bei Porto Alegre auf gut 113 Millionen Euro.

Hinzu kommt eine jährliche Umsatzabgabe. Von dem Betrieb erhofft sich Fraport für die ersten fünf Jahre einen Beitrag zum Ebitda von 350 Millionen Euro. Allerdings dürfte der Schuldenberg des Konzerns infolge des Deals um bis zu 700 Millionen Euro steigen.

dpa, Frank Rumpenhorst Lesen Sie auch: Fraport erhält Zuschlag für zwei brasilianische Flughäfen

Große Pläne hat Fraport auch in der peruanischen Hauptstadt Lima. Den dortigen Flughafen managen die Frankfurter seit 16 Jahren und haben in dieser Zeit die Passagierzahl auf fast 20 Millionen annähernd verfünffacht.

Nun stehen der Bau einer neuen Bahn und eines neues Terminals an, für die Fraport 1,5 Milliarden Euro investieren will. Das ist gut die Hälfte der Summe, die in Frankfurt in das Terminal 3 fließt. Das Gebäude in Lima ist für 2023 geplant.

Von: ch, dpa-AFX
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