Billigeres Kerosin hilft Lufthansa zum Jahresstart

06.05.2014 - 07:49 0 Kommentare

Die Lufthansa hat heute ihre aktuelle Quartalsbilanz vorgelegt. Trotz der Streiks an deutschen Flughäfen fiel der Verlust deutlich geringer als vor einem Jahr aus.

Maschinen der Fluggesellschaft Lufthansa stehen auf dem Flughafen "Franz Josef Strauß" in München.

Maschinen der Fluggesellschaft Lufthansa stehen auf dem Flughafen "Franz Josef Strauß" in München.
© dpa - Nicolas Armer

Simone Menne, Finanzvorstand der Lufthansa

Simone Menne, Finanzvorstand der Lufthansa
© Lufthansa - Jürgen Mai

Fahnen mit dem Logo der Deutschen Lufthansa AG.

Fahnen mit dem Logo der Deutschen Lufthansa AG.
© dpa - Daniel Reinhardt

Lufthansa-Maschinen am Flughafen Frankfurt.

Lufthansa-Maschinen am Flughafen Frankfurt.
© dpa - Boris Roessler

Der Trend zu billigerem Kerosin lässt die Lufthansa die teuren Streiks seit Jahresbeginn verschmerzen. Da auch das laufende Spar- und Effizienzprogramm Früchte abwarf, fiel der saisontypische Verlust von Europas größter Fluggesellschaft im ersten Quartal deutlich geringer aus als ein Jahr zuvor. Für das laufende Jahr peilt Lufthansa-Finanzchefin Simone Menne weiterhin einen operativen Gewinn von 1,3 bis 1,5 Milliarden Euro an, wie sie am heutigen Dienstag in Frankfurt sagte. Einen weiteren Pilotenstreik wollte sie nach dem dreitägigen Ausstand im April trotz gut laufender Gespräche nicht ausschließen.

Im ersten Quartal konnte die Lufthansa ihren Nettoverlust deutlich eindämmen. Mit 252 Millionen Euro fiel er um 45 Prozent niedriger aus als ein Jahr zuvor und war damit auch kleiner als von Analysten erwartet. Der operative Verlust verringerte sich etwa wie von den Experten berechnet um 32 Prozent auf 245 Millionen Euro. Der Umsatz ging wegen des starken Euro um 2,5 Prozent auf knapp 6,5 Milliarden Euro zurück.

Die Streiks der vergangenen Monate wirken sich finanziell größtenteils erst im zweiten Quartal aus. Von den bisher aufgelaufenen Belastungen von mehr als 70 Millionen Euro entfielen nur 10 bis 15 Millionen auf das erste Jahresviertel, sagte Menne. Private Sicherheitsleute sowie Flughafenbeschäftigte des Öffentlichen Dienstes hatten in dieser Zeit die Arbeit niedergelegt. Anfang April folgte der Streik der Lufthansa-Piloten. Die Verhandlungen mit der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit verliefen in konstruktiver Atmosphäre, sagte Menne, nannte aber keine Details.

© dpa Lesen Sie auch: Lufthansa beklagt hohen Schaden durch Pilotenstreik

Fluggesellschaften fliegen im reiseschwachen Winterhalbjahr typischerweise rote Zahlen ein. Der Lufthansa kam diesmal zugute, dass sie mit 1,5 Milliarden Euro gut neun Prozent weniger für Kerosin ausgeben musste als ein Jahr zuvor. Für das laufende Jahr erwartet Menne Treibstoffkosten von 6,7 Milliarden Euro, rund 100 Millionen weniger als noch im März. Kerosin stellt bei Fluggesellschaften meist den größten Kostenblock, dessen Höhe sie wegen der Schwankungen am Ölmarkt zudem am wenigsten beeinflussen können.

Bilanz der einzelnen Sparten fällt recht unterschiedlich aus

In den einzelnen Geschäftsfeldern der Lufthansa lief es im ersten Quartal höchst unterschiedlich. Während die Passagiersparte mit den Gesellschaften Lufthansa, Germanwings, Swiss und Austrian Airlines ihren operativen Verlust um 8,5 Prozent auf 332 Millionen Euro verringerte, verdiente die Frachttochter Lufthansa Cargo mit 21 Millionen Euro ein Viertel weniger als ein Jahr zuvor. Im ersten Quartal des Vorjahres lag das Plus bei 28 Millionen Euro.

Lufthansa Technik trug mit einem operativen Gewinn von 97 Millionen Euro von Januar bis März am positivsten zum Quartalsergebnis des Konzerns bei. Das Plus gegenüber dem Vorjahr liegt nach Airline-Angaben bei 16 Millionen Euro. Auch das Geschäftsfeld IT Services steigerte das operative Quartalsergebnis um zwei auf fünf Millionen Euro. Bei LSG SkyChefs sieht es hingegen anderes aus: Das Catering-Tochterunternehmen verbuchte ein operatives Ergebnis von minus vier Millionen Euro. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht dies einem Rückgang um sieben Millionen Euro.

© dpa Lesen Sie auch: Lufthansa-Chef Franz verlässt eine Airline im Steigflug

Die Lufthansa versucht ihren Gewinn seit 2012 mit dem Spar- und Effizienzprogramm "Score" zu steigern. 3500 Arbeitsplätze sollen gestrichen werden, viele Europastrecken übernimmt schrittweise die billigere Tochter Germanwings. Der neue Lufthansa-Chef Carsten Spohr, der die Konzernführung vergangene Woche von Christoph Franz übernahm, muss das Programm nun bis 2015 zum Erfolg führen und den operativen Gewinn auf 2,65 Milliarden Euro ausbauen. Für das laufende Jahr erwartet die Lufthansa nur rund halb so viel Gewinn, da viele Maßnahmen noch nicht greifen und Umbaukosten wie Abfindungen im Zuge des Stellenabbaus noch mit rund 380 Millionen Euro aufs Ergebnis drücken.

Unterdessen will die Lufthansa auf gefragten Verbindungen nach Asien mit einem Billigangebot punkten. Dazu sollen weniger als zehn ältere Airbus-A340-Langstreckenjets fast komplett auf die Economy-Class umgerüstet werden. Zudem arbeitet das Unternehmen laut Menne an einer engeren Zusammenarbeit mit Air China. Kooperationen in Europa stehen allerdings nicht auf der Tagesordnung. Auch eine Komplettübernahme der belgischen Brussels Airlines sei nicht geplant.

Angebote für IT-Sparte werden bald erwartet

Noch in dieser Woche erwartet der Vorstand vorläufige Angebote für Teile der Lufthansa-IT-Sparte. Das Unternehmen hat seine Rechenzentren mit rund 1000 Beschäftigten im Inland und weiteren 300 Mitarbeitern in ausländischen Callcentern zum Verkauf gestellt.

Für Ärger sorgt bei der Lufthansa weiterhin das Geschäft in Venezuela. Wegen Devisenbeschränkungen bekommt das Unternehmen sein Geld nicht aus dem Land, das aus Ticketverkäufen in der venezolanischen Währung Bolivar stammt. Ein Teil der Außenstände in dreistelliger Millionen-Euro-Höhe wurde laut Menne zwar inzwischen überwiesen. Dennoch schrieb die Lufthansa im ersten Quartal auf ihre Forderungen 38 Millionen Euro ab.

Von: dpa-AFX, airliners.de
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