Deutscher Luftverkehr wächst im Billigsegment

12.11.2015 - 12:51 0 Kommentare

Die Billigsparte im deutschen Luftverkehr ist weiter gewachsen. Die zwei größten Anbieter sind dabei laut einer DLR-Studie weder Ryanair noch Easyjet. Der Wettbewerb führt aber zu sinkenden Preisen.

Flugzeuge der Air Berlin, Germanwings und Ryanair stehen auf dem Vorfeld der Nürnberg Airport. - © © Nürnberg Airport -

Flugzeuge der Air Berlin, Germanwings und Ryanair stehen auf dem Vorfeld der Nürnberg Airport. © Nürnberg Airport

In Deutschland gibt es so viele Billigflugverbindungen wie nie zuvor. Das geht aus dem Low-Cost-Monitor des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) hervor. Grund dafür sind zum Beispiel die Verschiebung von Lufthansa-Strecken zur Tochter Germanwings sowie der Expansionskurs von Billigfliegern wie Ryanair oder Easyjet.

Laut Studie stieg die Zahl der Billigflugstrecken in und ab Deutschland im Sommer auf den Rekord von 754 Verbindungen. Das sind rund vier Prozent mehr als noch im Vorjahreszeitraum. Spitzenreiter der grenzüberschreitenden Low-Cost-Flugziele war im Sommer 2015 Spanien, gefolgt von Italien und Großbritannien.

Zugleich sorgt der wachsende Wettbewerb der Günstigflieger für sinkende Preise, wie aus der Studie hervorgeht. Ein einfacher Flug einschließlich Steuern und Gebühren kostete im Herbst je nach untAirline im Schnitt zwischen 45 und 115 Euro - abhängig vom Zeitpunkt der Buchung. Vor einem Jahr waren es noch zwischen 70 und 140 Euro.

Air Berlin und Germanwings sind vorne mit dabei

Die beiden größten Anbieter in Deutschland sind Germanwings und Air Berlin. Dahinter folgen Ryanair, Easyjet, Wizz Air und Vueling. Diese sechs würden 92 Prozent des deutschen Low-Cost-Marktes auf sich vereinen, so Studienleiter Peter Berster. "14 weitere Airlines führen die restlichen acht Prozent der Flüge durch."

Marktanteile der Airlines mit Low-Cost-Angeboten in Deutschland
Anteile in Prozent nach Anzahl der Abflüge in Referenzwoche
Air Berlin 35.4
Germanwings 34.8
Ryanair 10.1
Easyjet 7.7
Wizz Air 2.3
Vueling 1.9
Intersky 1.8
Sonstige 5.8

Quelle: DLR

Germanwings hat ihren Anteil im Vergleich zum Vorjahr um fast zwei Prozent gesteigert. Grund dafür ist die Verlagerung von Lufthansa-Strecken auf ihre Billigtochter. Der Anteil der finanziell angeschlagenen Air Berlin ging um fast drei Prozent zurück. Ryanair dagegen legte um knapp einen Prozent zu.

Letztere geht zurzeit in Deutschland in die Offensive. So drängt der irische Billigflieger immer mehr auch auf die größeren Flughäfen der Bundesrepublik und baut sein Angebot aus. Außerdem startete die Airline erst kürzlich wieder innerdeutsche Flüge zwischen Berlin und Kön/Bonn. Air Berlin und Germanwings bieten diese Route ebenfalls an.

Und die Lufthansa verfolgt seit längerem eine neue Billigstrategie. Unter dem Dach der Eurowings - die Marke Germanwings wird zum Jahreswechsel darin aufgehen - sollen verschiedene Airlines auch in Deutschland kostengünstig operieren. Aber auch andere Günstiganbieter bauen ihr Angebot aus wie Flybe, Easyjet und Norwegian in Düsseldorf und Hamburg, so die DLR-Studie.

Der DLR-Low-Cost-Monitor

Der Bericht wird seit 2006 jeweils im Frühling und Herbst veröffentlicht. Die Ergebnisse der Studie basieren auf Daten einer Referenzwoche im Juli 2015, bei der Ermittlung der Durchschnittspreise zogen die Forscher den 27. Oktober heran. Bei der Studie wurden diesmal 20 Airlines erfasst. Laut DLR-Angaben wurden die Fluggesellschaften berücksichtigt, die eine hohe Anzahl von Angeboten im Niedrigpreissegment des Gesamtmarktes aufweisen. Das Geschäftsmodell spielte keine Rolle. Der Grund: Die Geschäftsmodelle der klassischen Linienfluggesellschaften und der Low-Cost-Carrier ähneln sich immer mehr. Den 15-seitigen Bericht gibt es als PDF-Download.

Wachstum im Billigsegment ist momentan ein umstrittenes Thema, vor allem bei den Arbeitnehmervertretern bei der Lufthansa. Der Konzern lagert im Rahmen der Eurowings-Pläne Teile seines Geschäfts auf in- und ausländische Tochtergesellschaften aus, wie etwa zur Eurowings Europe mit Sitz in Wien.

Die Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) und die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo hatten die Pläne mehrmals kritisiert. Ufo warnte vor der "großen Verlockung", "durch Tarifflucht ins Ausland dem Einfluss der deutschen Gewerkschaften zu entkommen". Die VC befürchtet: In Zukunft "könnten Arbeitsplätze in Deutschland verlorengehen".

Ein weiteres aktuelles Beispiel für die Gewerkschafts-Kritik zum Thema Billigflug sind die Folgen neuer Beschäftigungsverhältnisse in der Branche, etwa bei Ryanair. Die Staatsanwaltschaft Koblenz ermittelt schon länger gegen die Airline. Der Verdacht: Die Beschuldigten führen keine Sozialversicherungsbeiträge ab und täuschen ihre Selbstständigkeit nur vor.

Von: ch, dpa
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