Bilanz

So viel kostet Air Berlin

30.11.2018 - 07:00 0 Kommentare

Über die Kaufpreise der Air-Berlin-Assets schweigen Lufthansa, Easyjet und Co. mehrheitlich. Doch der Blick in die Bilanzen verrät: Die Übernahmekosten summieren sich bislang auf fast eine halbe Milliarde Euro. Eine Abrechnung.

Eine Maschine der Air Berlin. - © © Air Berlin - Andreas Wiese

Eine Maschine der Air Berlin. © Air Berlin /Andreas Wiese

Die großen vier Carrier, die Air Berlin auffingen (Lufthansa, Easyjet, Lauda Motion und Thomas Cook) verbuchen für das erste Jahr weniger als eine halbe Milliarde Euro an Kosten für die Integration der Airline-Teile. Dies hat airliners.de auf Grundlage der jeweiligen Jahresbilanzen errechnet, die seit dieser Woche vorliegen.

Laut Beobachtern hat sich der Kostenaufwand für viele Airlines deutlich ausgezahlt. Denn nach dem Marktaustritt von Air Berlin werden aktuell die Machtverhältnisse unter den Airlines für die kommenden Jahrzehnte abgesteckt.

Lufthansa durch Umregistrierungen der Jets belastet

Den größten Teil von Air Berlin hat die Lufthansa Group übernommen. Das sind zum einen die Regionaltochter LGW für 22 Millionen Euro und zum anderen 77 Flugzeuge von Leasing-Gebern, die bislang bei Air Berlin flogen. Dadurch stieg nach eigener Aussage zwar die Passagierzahl im Point-to-Point-Verkehr um rund 20 Prozent an, doch belasteten die Kosten auch deutlich das Ergebnis der Billigsparte Eurowings.

© dpa, Marcel Kusch Lesen Sie auch: So wurde die insolvente Air Berlin aufgeteilt Überblick

Mit 170 Millionen Euro taxierte der Lufthansa-Konzern bei Vorlage der Finanzzahlen des dritten Quartals die Aufwendungen für "Integration" und Ausgleichszahlungen. Diese waren nötig, da im Sommer tausende Eurowings-Flüge verspätet waren oder annulliert werden mussten. Das Gute dabei: Die Integration der Air Berlin sei damit abgeschlossen und man wolle sich nun auf die Optimierung der Performance konzentrieren, heißt es.

Subcharter treiben Kosten für Easyjet und Thomas Cook

Billigflieger Easyjet ist nach dem Marktaustritt von Air Berlin am Flughafen Berlin-Tegel eingestiegen. Hierfür übernahm der Low-Coster für 40 Millionen Euro Vorfeldpositionen - und wahrscheinlich auch Slots der Airline. Insgesamt verbucht Easyjet im Kern in Tegel einen Verlust von 112 Millionen Pfund (umgerechnet rund 126 Millionen Euro).

Dieser Wert setzt sich vor allem aus den Gebühren für teure Wet-Leases zusammen. Mittlerweile operieren die Briten am Cityairport zwar mit 23 dort stationierten Jets. Doch in der Spitze waren im Sommer bis zu 13 Maschinen anderer Airlines für Easyjet in Tegel zeitgleich unterwegs.

Der Reisekonzern Thomas Cook zieht die im Vergleich positivste Bilanz unter die Übernahme von Teilen der Air Berlin. Der nun vorgelegte Bericht für das Geschäftsjahr zu Ende September offenbart im Gesamtgeschäft tiefrote Zahlen. Doch die Sparte der Airlines verbucht ein zweistelliges Gewinnwachstum auf umgerechnet rund 146 Millionen Euro.

Die "Air-Berlin-Kosten" setzen sich bei Thomas Cook aus mehreren Einzelposten zusammen: gut zehn Millionen Euro musste das Unternehmen für Subcharter und Wet-Leases ausgeben, weil sich unter anderem die Umregistrierung der Ex-Air-Berlin-Maschinen verzögerte. Hinzu kommen noch einmal 4,5 Millionen Euro für Entschädigungszahlungen.

© Condor, Lesen Sie auch: Wie Condor noch an Air-Berlin-Slots kommt

Der dritte Posten, den der Konzern allerdings nicht einzeln in der Bilanz ausweist, ist der direkte Kaufpreis der Air-Berlin-Tochter Aviation beziehungsweise Aeronautics. Für einen laut Kreisen "mittleren einstelligen Millionenbetrag" übernahm Thomas Cook den Teil der Pleite-Airline, an dem sechs Jets und viele Slots hängen.

Ryanair schultert Anlaufverluste bei Lauda Motion

Vier Monate nach Air Berlin meldete deren Touristiktochter Niki Insolvenz an. Ihr Hauptpart wurde - nachdem sowohl Lufthansa als auch IAG nicht zum Zug kamen - von Gründer Niki Lauda aufgekauft. Er ergänzte mit den für rund 50 Millionen Euro gekauften Assets seinen Business-Flieger Lauda Motion.

Kurz nach dem Start wurde bekannt, dass Ryanair dort einstieg - zunächst nur mit einem Minderheitsanteil. Doch inzwischen halten die Iren die Mehrheit und könnten den österreichischen Carrier in zwei Jahren komplett übernehmen - inklusive vieler wertvoller Slots in unter anderem Düsseldorf. Das lässt sich Ryanair einiges kosten - so rechnet der Low-Coster mit einem Verlust von 150 Millionen Euro bei Lauda Motion im ersten Jahr.

Das war Air Berlin zuletzt in Zahlen: Die letzten offiziellen Finanzzahlen wies Air Berlin für die ersten drei Monate des Jahres 2017 aus. Danach musste die Airline 1,8 Milliarden Euro negatives Eigenkapital verbuchen - darin enthalten sind allein minus 2,5 Milliarden Euro Verlustvorträge aus den vergangenen Jahren. Hinzu kommen noch einmal gut 3,2 Milliarden Euro Schulden.

© Andreas Wiese/Flughafen Düsseldorf, Lesen Sie auch: Air Berlin rutscht immer tiefer ins Minus

Von: cs
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