BGH: Airline muss bei verspätetem Ersatzflug zahlen

11.10.2017 - 09:20 0 Kommentare

Wer muss zahlen, wenn eine Verbindung erst gestrichen wird und der Ersatzflug dann auch noch verspätet ist? Das oberste deutsche Gericht stärkt die Rechte der Fluggäste.

Verspätungen muss der Passagier nicht einfach so hinnehmen. - © © dpa - Christin Klose

Verspätungen muss der Passagier nicht einfach so hinnehmen. © dpa /Christin Klose

Für kurzfristig gestrichene Flüge bekommen Passagiere generell eine Entschädigung. Eine Ausnahme hiervon legte der Bundesgerichtshof (BGH) nun eng aus. So können Airlines um Ausgleichszahlungen herumkommen, wenn sie einen Ersatzflug anbieten. Allerdings muss der Passagier sein Ziel damit auch "tatsächlich höchstens zwei Stunden nach der planmäßigen Ankunftszeit erreichen" können, heißt es in dem Urteil.

In dem Fall wollten die Kläger mit Singapore Airlines von Frankfurt nach Singapur und weiter nach Sydney fliegen. Den ersten Flug strich die Airline und bot an, mit einer anderen Gesellschaft zu fliegen. "An sich kein Problem", sagte der Vorsitzende Richter bei der mündlichen Verhandlung des BGH. "Allein es kam anders." Der Ersatzflug verzögerte sich um 16 Stunden. Die Kläger erreichten Sydney mit einer Verspätung von 23 Stunden.

Daher forderten die drei Flugpassagiere eine Ausgleichszahlung, hier für einen Interkontinentalflug jeweils 600 Euro. Singapore Airlines lehnte dies wegen des angebotenen Ersatzflugs ab. Das Amtsgericht verwies sie allerdings an Lufthansa, die den verspäteten Ersatzflug durchgeführt hatte.

BGH nimmt Singapore Airlines in die Pflicht

Das sah der BGH anders - wie zuvor bereits das Berufungsgericht - und nahm Singapore Airlines in die Pflicht. Dass der angebotene Ersatzflug, wenn er planmäßig durchgeführt worden wäre, nicht mehr als zwei Stunden später als der ursprüngliche Flug angekommen wäre, reiche nicht aus. Die Airline muss den Klägern nun eine Entschädigung in Höhe von jeweils 600 Euro zahlen.

Der Anwalt der Fluggesellschaft hatte in der Verhandlung argumentiert, dass seine Mandantin nicht mehr tun könne, als einen passenden Flug zu suchen. Inwieweit dieser dann pünktlich ankomme, liege nicht mehr in ihrer Hand. Für die Verspätung müsse Lufthansa einstehen.

Der BGH wollte das auch gar nicht ausschließen: Die Passagiere könnten neben dem Anspruch wegen der Annullierung gegen Singapore Airlines gleichzeitig auch einen Anspruch wegen der Verspätung gegen die Lufthansa haben.

Von: cs, dpa-AFX, AFP
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