Zwischenbericht

BFU zu Vorfall bei Germanwings

28.09.2012 - 15:30 0 Kommentare

Bei der Lufthansa-Tochter Germanwings hat es vor rund zwei Jahren eine schweren Störung mit Gasen im Cockpit gegeben. Die beiden Piloten des Airbus A319 hatten laut BFU-Zwischenbericht beim Landeanflug auf den Köln/Bonner Flughafen beinahe das Bewusstsein verloren.

Cockpit eines Airbus A319 - © © AirTeamImages.com - Olivier Corneloup

Cockpit eines Airbus A319 © AirTeamImages.com /Olivier Corneloup

Bei der Lufthansa-Tochter Germanwings hat es im Dezember 2010 einen schweren Zwischenfall mit Gasen im Cockpit gegeben. Beide Piloten hätten beim Landeanflug auf Köln beinahe das Bewusstsein verloren. Das geht aus einem Bericht der Bundesstelle für Fluguntersuchungen (BFU) hervor. Germanwings-Sprecher Heinz Joachim Schöttes wies am Freitag Medienberichte zurück, wonach seine Gesellschaft den Vorfall habe vertuschen wollen.

Beide Piloten des Airbus A319 aus Wien hatten beim Landeanflug auf Köln am 19. Dezember 2010 einen "elektrisch-süßlichen Geruch" bemerkt, der sie in ihrem Wahrnehmungs- und Entscheidungsvermögen stark beeinträchtigte. Der 26-jährige Copilot sei nicht mehr in der Lage gewesen, seiner Funktion uneingeschränkt nachzukommen, hieß es in dem Bericht. Der 35-jährige Flugkapitän habe den Airbus dennoch sicher gelandet. Beide mussten dazu ihre Sauerstoffmasken einsetzen und eine "Luftnotlage" erklären. Unmittelbar darauf begaben sich die Piloten in medizinische Behandlung. Die Passagiere bekamen nichts von dem Geschehen mit.

Im Krankenhaus wurde dem Bericht zufolge bei beiden Piloten eine Blutsauerstoffsättigung unter 80 Prozent gemessen. Normal sind Werte über 90 Prozent. Der Copilot sei anschließend über sechs Monate lang fluguntauglich gewesen. Das Flugzeug sei noch in Köln von Germanwings-Technikern überprüft worden, die den Geruch ebenfalls bemerkten und auf die Enteisungsflüssigkeit zurückführten. Der Airbus war an dem Tag, an dem in Köln zeitweise starker Schneefall herrschte, mehrmals enteist worden.

Keine Vergiftungserscheinungen der Crew

Germanwings habe das Ereignis am 20. Dezember 2010 an die BFU und das Luftfahrt-Bundesamt gemeldet, sagte Schöttes. Er sprach von einer "kurzfristigen leichten Beeinträchtigung" der Piloten, die sofort nach Anlegen der Sauerstoffmasken nachgelassen habe. Der Pilot habe sofort das einschlägige BFU-Formular ausgefüllt. In deren Bericht hieß es allerdings: Die BFU "... erhielt die Mitteilung, dass die ... betroffene Crew keine Vergiftungserscheinungen aufweise". Damit sei der Zwischenfall als "nicht weiter zu untersuchender Fall befunden" worden. "Ein Jahr nach dem Ereignis erreichten die BFU weitere Informationen zum Anflug", schrieb die Unfallstelle weiter. Daraufhin sei eine neue Untersuchung eingeleitet worden, auf deren Erkenntnissen der am Donnerstag veröffentlichte Bericht beruhe.

Schöttes sagte weiter, der Airbus sei anschließend untersucht worden, es habe einen Testflug gegeben, und es seien keine Mängel erkannt worden.

Von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen im niedersächsischen Braunschweig gab es am Freitag über den Bericht hinaus keine weiteren Auskünfte.

Jörg Handwerg, Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit, sagte der Nachrichtenagentur dpa, es müsse Öldampf in die Kabinenluft gelangt sein. Cockpit setze sich seit Jahren dafür ein, dass die Luftversorgung geändert werde.

Das Thema der verunreinigten Kabinenluft stand am Freitag ohnehin auch im Bundestag in Berlin auf der Tagesordnung. SPD und Grüne forderten die Bundesregierung auf, sich für wissenschaftliche Untersuchungen des Problems einzusetzen. Der Vorfall bei Germanwings zeige jetzt den dringenden Handlungsbedarf. «Wir müssen langfristig die Luft für die Kabinen woanders als in den Triebwerken abzapfen», forderte der Bundestagsabgeordnete Markus Tressel (Grüne).

Externer Link: Zwischenbericht der BFU (PDF)

Von: dapd, dpa, airliners.de
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