Vorfall am Flughafen Frankfurt

BFU mahnt: Sicherheit vor Lärmschutz

13.12.2012 - 17:46 0 Kommentare

Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen hat den Untersuchungsbericht zu einer schweren Störung am Flughafen Frankfurt veröffentlicht. Offenbar spielten bei einer gefährlichen Annäherung eines A380 und eines A320 auch lärmschutzoptimierte Flugrouten eine Rolle.

Start eines Airbus A380 der Lufthansa in Frankfurt

Start eines Airbus A380 der Lufthansa in Frankfurt
© AirTeamImages.com - D. Roschlau

Ein Airbus A319 der Lufthansa landet auf dem Flughafen Frankfurt

Ein Airbus A319 der Lufthansa landet auf dem Flughafen Frankfurt
© dpa - Arne Dedert

Vorfeldkontrolle in Betrieb

Vorfeldkontrolle in Betrieb
© Fraport AG

Luftaufnahme der Start- und Landebahnen des Flughafens in Frankfurt am Main, aufgenommen am 17.04.2011.

Luftaufnahme der Start- und Landebahnen des Flughafens in Frankfurt am Main, aufgenommen am 17.04.2011.
© dpa - Boris Roessler

Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) hat heute ihre Ergebnisse zu den Untersuchungen einer gefährlichen Annäherung zweier Flugzeuge am Flughafen Frankfurt veröffentlicht. Bei den Vorfall vor genau einem Jahr kam ein auf Piste 25C gestarteter Airbus A320 fast in den Wirbelschleppenbereich eines Airbus A380. Der A380 hatte die Landung auf der Piste 25L abgebrochen und musste in der Folge ein Fehlanflugmanöver durchführen.

Das Ereignis wurde unter anderem als "Schwere Störung" klassifiziert, da der Lotse der A320-Besatzung den Befehl gab, in Richtung des durchstartenden A380 zu fliegen. In den im Bericht enthaltenen Sicherheitsempfehlungen wird unter anderem darauf gedrängt, eine sichere Flugführung nicht den aus Lärmschutzgründen festgelegten An- und Abflugrouten unterzuordnen. So schreibt die BFU:

"Die Struktur der als Südumfliegung bezeichneten Abflugverfahren dient nach Auffassung der BFU in erster Linie der Verringerung der Lärmbelastung der in Verlängerung der Startrichtung 25 liegenden, dicht besiedelten Bereiche. Sie führt dazu, dass Verkehrsflugzeuge bereits weniger als eine Minute nach dem Abheben kurven müssen. Daraus erwächst eine erhöhte Arbeitsbelastung der Piloten. Für die Lotsen stellt sich die Situation so dar, dass sie innerhalb sehr kurzer Zeit und auf engem Raum versuchen müssen, Staffelung zwischen einem unerwartet durchstartenden Flugzeug und abfliegenden Flugzeugen herzustellen. Zudem müssen sie mit mehreren Lotsen unverzüglich Koordinierungsgespräche führen.

Die Tatsache, dass sich die Abflüge 25C mit den Fehlanflügen 25L kreuzen, stellt für die Flugsicherheit aus Sicht der BFU ein systemisches Risiko in Form geringerer Fehlertoleranz dar. Dieses Risiko muss von den Lotsen durch erhöhte Aufmerksamkeit kompensiert werden. Der vorliegende Fall zeigt, dass durch Verzögerungen beim Erkennen eines Durchstartmanövers und eine spontane Fehlentscheidung des Lotsen in Verbindung mit dem Bestreben die Abflugroute einzuhalten eine Situation entstehen kann, die zu einer Annäherung zwischen den Luftfahrzeugen führt. Darüber hinaus ergeben sich aus einem möglichen Einflug in die Wirbelschleppe Risiken."

Als Empfehlung gibt die BFU folgerichtig unter anderem an, dass "die Flugsicherungsorganisation für den Verkehrsflughafen Frankfurt/Main explizit festlegen [soll], dass Flugverkehrslotsen bei besonderen betrieblichen Situationen [von der Einhaltung aus Lärmschutzgründen festgelegter An- und Abflugrouten] abweichen und Entscheidungen zu Gunsten einer sicheren Flugführung treffen sollten."

Das BFU stellt in dem Bericht klar, dass keine Kollisionsgefahr der beiden Flugzeuge bestand. Der startende A320 habe sich aber bis auf rund 30 Meter den Wirbelschleppen des durchstartenden Großraumflugzeugs genähert, so dass die vorgeschrie­benen Mindeststaffelungswerte deutlich unterschritten wurden. Die Wirbelschleppen eines A380 können gefährliche Auswirkungen auf die Flugstabilität eines deutlich kleineren Airbus A320 haben.

Link zum Untersuchungsbericht beim BFU

Von: airliners.de mit BFU
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