Betreiber planen sanfte BER-Inbetriebnahme

19.11.2015 - 09:59 0 Kommentare

2012 war ein spektakulärer Umzug geplant: in einer Nacht von Berlin-Tegel zum neuen Hauptstadtflughafen BER. Beim nächsten Versuch will man behutsamer rangehen. Wenn es denn klappt mit 2017.

Der Berliner Flughafenchef Karsten Mühlenfeld. - © © dpa - Jörg Carstensen

Der Berliner Flughafenchef Karsten Mühlenfeld. © dpa /Jörg Carstensen

Die Fluggesellschaften sollen 2017 innerhalb von vier Wochen von Berlin-Tegel zum neuen Hauptstadtflughafen nach Schönefeld umziehen. So plant es die Flughafengesellschaft, wie Geschäftsführer Karsten Mühlenfeld jetzt im Bauausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses sagte.

Einer der beiden großen Airline-Verbünde um Lufthansa und Air Berlin soll nach dem Konzept für ein "soft opening" zuerst umziehen, der zweite vier Wochen später folgen. Den Betreibern wäre sogar noch mehr Zeit lieber, Bundespolizei und Flugsicherung könnten jedoch die Flughafenstandorte Tegel und Schönefeld/BER nicht länger als vier Wochen lang parallel abdecken.

Der neue Hauptstadtflughafen soll mit sechs Jahren Verspätung im zweiten Halbjahr 2017 in Betrieb gehen. Tegel schließt, der alte Flughafen Schönefeld direkt neben dem Neubau bleibt entgegen ursprünglicher Planung in Betrieb, weil der Neubau zu klein ist. Bei der ursprünglich für Juni 2012 geplanten Eröffnnung sollte der Umzug in einer Nacht statfinden.

Den neuen Hauptstadtflughafen will Mühlenfeld nun lieber langsam hochfahren, beginnend mit 22 Millionen Passagieren jährlich. Nach fünf Jahren soll die Gesamtkapazität von 27 Millionen erreicht werden. "Das ist so, wie wenn sie Autofahren lernen: Da fahren sie am Anfang auch langsamer." 2017 werden 30 Millionen Passagiere in Berlin erwartet.

Immer wieder neue Probleme

Vier Eröffnungstermine für den drittgrößten deutschen Flughafen waren seit 2011 geplatzt, weil immer neue Baumängel, Planungsfehler und Missmanagement dem Start im Weg standen. Noch 2014 tauchten immer wieder neue Probleme auf, wie der seit August 2014 amtierende Technikchef Jörg Marks im Ausschuss erklärte. "Für mich war es eine Zeitlang wie ein Weihnachtskalender: Jede Woche kam ein neues Thema."

Ob der Flughafen wirklich im zweiten Halbjahr 2017 eröffnet, will Mühlenfeld im nächsten Frühjahr sagen, wenn von der Baubehörde grünes Licht für die letzten Nachträge zur Baugenehmigung erwartet wird. Wegen Planprüfungen und der Pleite des Gebäudetechnikausrüsters Imtech liegen die Verantwortlichen nach eigenen Angaben drei bis vier Monate hinter dem Zeitplan.

Lärmschutzziele werden später als geplant erreicht

Verfehlen wird der Flughafen voraussichtlich das selbst gesteckte Ziel beim Lärmschutz. "Wir gehen davon aus, dass wir alle Schallschutzanträge, die gestellt wurden, im ersten Quartal bearbeitet haben werden", kündigte Mühlenfeld für 2016 an. Sein Vorgänger Hartmut Mehdorn hatte versprochen, dass sämtliche Antragsteller bis zum Jahresende 2015 einen Bescheid erhalten, mit dem sie Handwerker bestellen können.

© dpa, Bernd Settnik Lesen Sie auch: Planung für weiteren BER-Ausbau soll 2020 beginnen

14.300 von 19.700 Anträgen seien abschließend bearbeitet. Oft gebe es mit Eigentümern Diskussionen um zu dicke Schallschutzfenster und die übliche Dämmung der Räume von innen. Die Verzögerung sei aber "kein Riesenproblem", sagte Mühlenfeld. Es bleibe genügend Zeit zur Umsetzung. Die veranschlagte Summe von 730 Millionen Euro für den Schallschutz werde wohl aufgebraucht. Bislang sei ein niedriger dreistelliger Millionenbetrag abgeflossen.

Kritik aus Brandenburg zurückgewiesen

Der Berliner Flughafenkoordinator Engelbert Lütke Daldrup wies Kritik des brandenburgischen Rechnungshofes daran zurück, dass Berlin im Aufsichtsrat des Flughafens unter anderem mit dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) als Vorsitzendem politisch stark vertreten ist. "Was der Landesrechnungshof in Brandenburg sagt, ist für uns nicht einschlägig." Politik müsse Verantwortung übernehmen, das sehe auch der Berliner Rechnungshof so.

Von: gk, dpa
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