Die Born-Ansage (62) ( Gastautor werden )

Besser als jedes TV-Drama

22.06.2017 - 10:29 0 Kommentare

Der Streit zwischen Lufthansa und dem Flughafen Frankfurt erinnert Kolumnist Karl Born an eine Fernseh-Telenovela mit viel Drama. Immerhin ist Fraport mit der billigen Irin fremdgegangen. Und jetzt spielen auch noch die Münchner mit.

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. - © © airliners.de, Karl Born -

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. © airliners.de, Karl Born

Sie lieben sich, zumindest vordergründig, und sie hassen sich, zumindest hintergründig. Das ist der Plot, nach dem TV-Dramen ablaufen. Und wenn man so etwas im echten Leben bei Unternehmen beobachten kann, macht das richtig Spaß. So zum Beispiel bei Fraport und Lufthansa, bei Fraport und Ryanair oder zuletzt bei Lufthansa und dem Flughafen München.

Fraport und Lufthansa, da dachte man, diese Partnerschaft wurde im Himmel für ewig geschlossen. Aber Fraport wurde übermütig und fing hinter dem Rücken von Lufthansa etwas mit der billigen Irin (Ryanair) an. Die hat zwar nicht das Niveau der deutschen Grande Dame (Lufthansa), das hielt Fraport aber nicht vom Seitensprung ab.

Schlammschlacht wird öffentlich ausgetragen

Bei der Aufarbeitung des Ehestreites soll es dann laut geworden sein. Aber nur so hat das erwartungsvolle Publikum auch etwas davon. Streit hinter verschlossenen Türen mag man in dieser Hinsicht überhaupt nicht.

Und dann der Klassiker: "Ich zieh aus!"

Lufthansa will nach München. Na ja, ein kompletter Umzug ist wohl nicht möglich, aber das mindeste, was Lufthansa tun kann, ist Fraport mal eine Alternative aufzeigen. Bei einer Beziehung spräche man wohl von einer kurzen Auszeit.

Brutaler Kranich

Und damit es alle sehen können, bietet sich doch der Geburtstag der neuen Freundschaft an. Man könnte mal essen gehen und hoffen, dass es viele sehen (einen Hinweis an einen Journalisten würde helfen). Aber der Lufthansa-Stil ist noch viel "brutaler", die schreiben es gleich auf ein Flugzeug. Und so fliegt nun ein Kranich-Airbus mit "Herzlichen Glückwunsch! 25 Jahre Flughafen München" durch Europa.

Die das ganze lustvoll beobachtende Öffentlichkeit überzeugte das noch nicht, denn Lufthansa kann nie und nimmer nach München komplett umziehen. Komplett nicht, aber man kann mal eine Schippe drauflegen und zum Beispiel künftig fünf A380 nach München stellen und dafür die deutlich lautere A340 nach Frankfurt. Das ist die dezente (aber auch laute) Rache der Lufthansa. Jetzt kannst du, lieber Fraport, besser hören, wenn ich in Frankfurt einschwebe. Vorerst letzter Akt.

Auftritt Skytrax

In dieser Woche wird die deutsche Grand Dame auf dem Klassentreffen in Paris gelobt. Vom zwielichtigen Lehrer Skytrax, bei dem niemand so genau weiß, nach welchen Kriterien er benotet. Für Lufthansa heißt es am Ende: beste Airline Europas. Jetzt sind die potenziellen Partner Fraport und Flughafen München aber gefordert mal zu zeigen, wer Lufthansa eigentlich "mehr liebt" (und das ganze natürlich öffentlich).

Pressemeldung Fraport: "Fraport freut sich mit ihrem Hauptkunden Lufthansa über die Auszeichnung Best Airline in Europe", die gerade vom Marktforschungsinstitut Skytrax an Lufthansa verliehen wurde.
Pressemeldung München: "Flughafen München gratuliert seinem strategischen Partner (Lufthansa) herzlich zum Europameister-Ttel."

Das hat doch Potenzial. Was ist eigentlich wertvoller? Einen "Hauptkunden“ zu haben oder einen "strategischen Partner"? Fraport "schranzt" hier voll bei Lufthansa, in dem sie einen Diener vor ihrem Hauptkunden macht und wiederholt, wie toll eigentlich das Fraport Angebot für Lufthansa sei. Das war natürlich auch zwingend notwendig, nach dem Techtelmechtel mit der Irin vor den Augen Lufthansas.

Fraport hätte direkter sein können

Ausgerechnet Ryanair, die nie den "geraden Weg" geht, um es vorsichtig auszudrücken. Die bekannt sind, dass sie bei Flughäfen auf Liebe macht und Vorteile kassiert, aber auch gern schnell wieder verschwindet. Mehr als ein kurzer Frühjahrsflirt kann das nicht sein. Da hilft es wenig, wenn Fraport beteuert, Abfertigungsrabatt gibt es nur, weil neue zusätzliche Passagiere gebracht werden - doch sind die wirklich "neu" oder nur von der Konkurrenz abgezogen?

Wenn die deutsche Grande Dame genau soviele zusätzliche Passagiere bringt, bekommt sie den gleichen Rabatt, so Fraport. Ist nur leider etwas schwierig, wenn man schon 60 Prozent des Volumens bei Fraport stellt.

Der Flughafen München hebt dagegen die strategische Partnerschaft mit Lufthansa hervor und verweist auf die eingeleitete Stationierung der fünf Großraumflugzeuge. Eigentlich hätten sie es auch direkter schreiben können: Wir bedanken uns, dass künftig fünf A380 bei uns in München stehen und die deutlich lauteren A340 nun das Problem Frankfurts sind.

"Sieger gratuliert Sieger"

Da vor kurzem das Terminal 2 in München von besagtem Marktforschungsinstitut Skytrax als bestes Flugterminal der Welt ausgelobt wurde, hätte München auch schreiben können: "Sieger gratuliert Sieger" - oder: "Lasst die anderen doch Billigterminals bauen, wir bleiben auf Siegerniveau."

Ich weiß jetzt nicht, worauf auf man sehnsüchtiger warten soll, auf die nächste Staffel von "Game of Thrones" oder auf die Fortsetzung der Love-Story LzFuM - Lufthansa zwischen Frankfurt und München. "Ich seh in dein Herz ..."

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, Tui-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de
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