Bern setzt Ausbauphase wegen Skywork-Insolvenz aus

21.09.2018 - 09:39 0 Kommentare

Mit der Skywork-Pleite verliert der Flughafen Bern seine wichtigste Kundin. Jetzt passt der Airport sein Geschäftsmodell an. Der geplante Ausbau pausiert erst einmal und auch Jobs fallen weg.

Gebäude am Airport Bern. - © © Flughafen Bern -

Gebäude am Airport Bern. © Flughafen Bern

Der Flughafen Bern hat seine Zukunftspläne für die Zeit nach Skywork Airlines vorgestellt. Oberste Priorität habe die Sicherung der Liquidität, heißt es in einer Pressemitteilung. Daher habe der Verwaltungsrat alle größeren Investitionsprojekte vorerst gestoppt und sich für Personalabbau entschieden. Gleichzeitig zeigte man sich vom Grounding der Airline überrascht, auch weil man immer im intensiven Austausch mit der Geschäftsführung stand.

Der Verwaltungsrat stoppte die geplante vierte Ausbauetappe des Airports. Diese sah eine Erweiterung des Flughafens bis 2022 vor. So sollte unter anderem ein Privatterminal entstehen und der Lärmschutz verbessert werden. Dafür hatte das Kanton Bern dem Airport im Januar zwei Millionen Franken zugesagt. Insgesamt lag die Investitionssumme bei rund 18 Millionen Franken.

Auch die Mitarbeiter müssen Einschnitte hinnehmen. In einigen Bereichen müssen sie sich auf Kurzarbeit einstellen. Dem reduzierten Betrieb fallen zudem insgesamt zehn Stellen zum Opfer. Für die Hälfte soll das durch natürliche Fluktuation, ordentliche Pensionierungen, Nichtbesetzung von offenen Stellen erreicht werden. Weitere fünf Festangestellten werden entlassen, was der Flughafen "außerordentlich bedauert".

Zukunft für Linienverkehr offen

Gleichzeitig hat der Verwaltungsrat über die strategische Positionierung des Flughafens beraten und entschieden, dass man bis Ende des Jahres prüfen wolle, ob es ein Marktpotenzial von mindestens einer Hub-Anbindung zum Beispiel nach München gebe.

© Skywork Airlines, Lesen Sie auch: Schweizer Skywork Airlines stellt Betrieb ein

Es sei wichtig ist, dass diese Verbindung regelmäßig, zuverlässig und nachhaltig geflogen werde. Der Airport wolle keine Strecke mehr subventionieren. Das könnte einzig die öffentliche Hand, heißt es in der Mitteilung. Derzeit befände man sich in Gesprächen mit verschiedenen Regional-Carriern.

Sollten die Lücken im Streckennetz bis Ende des Jahres nicht geschlossen werden, könnte der Flughafen im kommenden Jahr maßgeblich durch den saisonalen Linienverkehr, Business Aviation, Bundes- und Rettungsfliegerei sowie Kleinaviatik dem Flughafen Bern geprägt sein. Das Kapitel Linienflug wäre vorerst beendet.

Skywork-Grounding trifft Bern hart

Die Schweizer Skywork musste Ende August ihren Flugbetrieb einstellen. Was für ihren Heimatflughafen Bern-Belp einen erheblichen Einschnitt bedeutet. Auf einen Schlag verlor der Airport seine Hauptkundin. Denn Skywork bestritt rund 84 Prozent der Flüge von und nach Bern. Die einzige weitere Fluggesellschaft dort, der Ferienflieger Helvetic Airways, startet lediglich saisonal im Sommer.

Luftverkehr in der Schweiz
0
Zürich 56.0
Genf 28.7
Basel 14.2
Bern 0.58
übrige Airports 0.5

Die Grafik zeigt die prozentuale Kapazitätsverteilung der Schweizer Airports im Zeitraum vom 01. bis 30. September. Quelle: ch-Aviation

Im ersten Halbjahr 2018 nutzten rund 82.400 Passagiere den Airport, was einem Wachstum von rund sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Insgesamt entfallen auf den Flughafen Bern aber nur knapp 0,6 Prozent der Kapazitäten im Schweizer Luftverkehr. Damit spielt der Flughafen der Schweizer Hauptstadt genau wie Altenrhein, Sion und Lugano nur eine untergeordnete Rolle im Linienflugangebot.

Von: br
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen.

  • Airbus am Flughafen Paderobrn/Lippstadt. Flughafen Paderborn will Finanzierungslücken schließen

    Marc Cezanne ist Geschäftsführer des Paderborner Flughafens. Der lokalen Politik berichtet er über das schwierige Geschäft ohne Marketing-Zuschüsse und Deutscher Flugsicherung am Platz. Denn für 2019 droht ein hoher Verlust.

    Vom 10.04.2019
  • Warteschlange vor der Sicherheitskontrolle am Flughafen Düsseldorf. Passagierkontrollen in Deutschland sind besonders langsam

    Ostern ist der erste Reisehöhepunkt im Jahr. Die Luftverkehrsbranche will in diesem Jahr vieles besser machen als 2018. Aber langsame Kontrollen an Flughäfen und eine unterbesetzte Flugsicherung bereiten dem Luftfahrtverband BDL Sorgen.

    Vom 08.04.2019
  • Kontrollzentrum der Flugsicherung in Langen DFS rechnet frühestens 2020 mit Entlastung

    Fluggesellschaften und Flughäfen wappnen sich mit mehr Personal vor einem erneuten Chaos-Sommer. Die DFS rechnet mit einem schwierigen Jahr und einer spürbaren Entlastung erst Ende 2020.

    Vom 15.04.2019

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus