Air France-KLM Angebot «inakzeptabel»

Berlusconi ruft zu Gegenofferte für Alitalia auf

20.03.2008 - 17:47 0 Kommentare

Im Ringen die angeschlagene Fluggesellschaft Alitalia hat Italiens Oppositionsführer Silvio Berlusconi italienische Investoren zu einer Gegenofferte zu Air France-KLM aufgerufen. Das Gebot von Air France-KLM sei "inakzeptabel", sagte er der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" (Donnerstag).

Ein Konsortium für eine Gegenofferte könnte vom Alitalia-Konkurrenten Air One angeführt werden und von der Großbank Intesa SanPaolo finanziert werden. Die Bank wolle noch an diesem Donnerstag über einen solchen Schritt entscheiden, sagte Berlusconi.

Auch seine eigene Familie würde sich an einer Gegenofferte beteiligen, kündigte der Politiker an, der als reichster Mann Italiens gilt. Zudem wisse er von arabischen Investoren, die an einer Minderheitsbeteiligung interessiert wären. Berlusconi kann sich Meinungsumfragen zufolge gute Chance ausrechnen, bei der Wahl im April Premierminister Romani Prodi abzulösen und selbst an die Regierungsspitze zurückzukehren. Italiens Minister für Wirtschaftsentwicklung, Pier Luigi Bersani, bezeichnete Berlusconis Äußerungen zu Alitalia dem Blatt zufolge als "verantwortunglos".

Gewerkschaften kritisieren Air France-KLM

Im Ringen um die angeschlagene Fluggesellschaft Alitalia haben die italienischen Gewerkschaften die Haltung des Interessenten Air France-KLM scharf kritisiert. Die Position der französisch-niederländischen Gruppe sei «inakzeptabel, weil sie keinen Vergleich und keine Verhandlungen zulässt», sagte Gewerkschaftssprecher Claudio Genovesi am Donnerstag. Jedoch hätten die Arbeitnehmervertretungen nach einem dreistündigen Treffen mit Alitalia-Präsident Maurizio Prato zugestimmt, am kommenden Dienstag weitere Gespräche mit der Air-France-KLM-Spitze zu führen, berichteten italienische Medien. Jedoch seien Verhandlungsspielräume unbedingte Voraussetzung für einen Dialog.

Wirtschaftsminister Tommaso Padoa-Schioppa ließ am Nachmittag durchblicken, dass es aber auch noch Möglichkeiten für andere Interessenten gibt: «Wer Interesse an Alitalia hat, der möge sich jetzt mit formalen und konkreten Vorschlägen melden», sagte er. «Die Zeit drängt.»

Als Kaufpreis bietet Air France eine eigene Aktie für 160 Alitalia-Anteile - das sind gerade einmal knapp zehn Cent pro Aktie. In der vergangenen Woche hatte das Alitalia-Papier noch bei 53 Cent gestanden. Air-France-Chef Jean-Cyril Spinetta hatte am Mittwoch in Rom bekräftigt, dass 2100 Stellen bei der von der Insolvenz bedrohten Alitalia abgebaut werden sollen, 1600 bei der Gesellschaft selbst und 500 in der Servicesparte. Alitalia-Chef Maurizio Prato rief die Gewerkschaften am Donnerstag auf einer Dringlichkeitssitzung zu einem verantwortungsbewussten Handeln auf.

Am Dienstag nach Ostern könnte es nach Medienberichten zu einem neuen Treffen von Air-France-Chef Spinetta mit Vertretern der Gewerkschaften kommen. Das mache aber nur Sinn, wenn es Spielraum für Verbesserungen in dem französisch-niederländischen Angebot gebe, sagte Mauro Rossi von der Gewerkschaft Filt-Cgil und signalisierte damit unverändert Unnachgiebigkeit.

Von: dpa-AFX
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