Berliner Initiative für mehr Langstrecken formiert sich

19.09.2018 - 12:00 0 Kommentare

Dem Luftverkehrsstandort Berlin mangelt es seit dem Aus der Air Berlin an Langstrecken. Dies soll sich nun ändern, sagt ein Bündnis aus regionalen Verbänden und richtet eine klare Forderung an die Politik.

Hainan-Langstreckenjet wird in Tegel abgefertigt. - © © AirTeamImages.com - Timo Breidenstein

Hainan-Langstreckenjet wird in Tegel abgefertigt. © AirTeamImages.com /Timo Breidenstein

Mehrere Verbände aus der Region Berlin/Brandenburg haben sich zusammengetan, um mit einer Stimme mehr Langstreckenverbindungen am Luftverkehrsstandort Berlin zu fordern. " Berlins Wirtschaft ist seit 2005 um mehr als 30 Prozent gewachsen, Brandenburgs um 17 Prozent."

Dennoch liege Berlin im Vergleich der europäischen Hauptstädte mit seinen aktuell sechs direkten Langstreckenverbindungen "gleichauf mit Kiew und weit hinter Metropolen wie London oder Paris", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von DGB, IHK, Visit Berlin, dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband und dem Unternehmensverband Berlin/Brandenburg.

Europäischer Vergleich
Anzahl der Langstreckenverbindungen
Belgrad 1
Bratislava 2
Berlin* 6
Athen 8
Warschau 12
Stockholm 16
Kopenhagen 22
Dublin 27
Rom 36
Istanbul 54
Madrid 59
Amsterdam 79
Paris 137
London 155

*= Schönefeld und Tegel zusammen. Quelle: FBB

Um die Attraktivität der Region für Airlines zu steigern, müsse die Politik die rechtlichen Rahmenbedingungen abstecken, fordert das Bündnis. Denn: Neue Langstrecken würden die Wirtschaft zusätzlich ankurbeln, ist sich IHK-Präsident Beatrice Kamm sicher: "Es entstehen zusätzliche Arbeitsplätze, die Nachfrage steigt und damit die Bruttowertschöpfung", sagt sie im Gespräch mit airliners.de.

Fluggesellschaften wie Hainan Airlines aus China bekräftigten immer wieder ihre Bereitschaft, die Hauptstadt öfter anfliegen zu wollen, es fehle hierzu jedoch an zusätzlichen Vertragsregelungen, so Kamm. "Die Wirtschaft ist bereit für mehr Langstreckenverbindungen, jetzt ist die Politik am Zug."

Die Flughafengesellschaft Berlin/Brandenburg (FBB) begrüße die Initiative der Wirtschaftsverbände, sagt ein Sprecher auf Anfrage. "Die konzertierte Aktion ist ein positives Signal für alle Airlines, die bereits an Langstreckenverbindungen nach Berlin arbeiten oder erst darüber nachdenken." Die FBB ist zuversichtlich, dass es mit der "starken Unterstützung der Verbände" gelingen kann, die Anzahl der Langstreckenverbindungen am BER "Schritt für Schritt um ein Vielfaches zu steigern.“

Kieker pocht auf das Kongress-Geschäft

Für Visit-Berlin-Geschäftsführer Burkard Kieker ist bei der weiteren Langstreckenplanung vor allem ein Segment wichtig: "Berlin spielt bei den Kongressen und Messen in der gleichen Liga wie London, Paris oder New York" - im interkontinentalen Luftverkehr sei die Hauptstadt jedoch auf dem Niveau eines Entwicklungslandes.

Amerika-Strecken

Auch wenn der Luftverkehrsstandort Berlin durch die Pleite des Homecarriers Air Berlin schlagartig viele Langstrecken verlor, hat die Hauptstadt im Verkehr nach Nord- und Mittelamerika wieder zugelegt. Nach Berechnungen von airliners.de ist in dem Segment im kommenden Jahr wieder das Niveau vor dem Marktaustritt der Pleite-Airline erreicht.

© AirTeamImages.com , Carlos Enamorado Lesen Sie auch: Berlin erlebt neuen Amerika-Boom

Darin seien bis heute die Folgen der deutschen Teilung zu erkennen: "Die großen Luftfahrtallianzen haben sich daran gewöhnt, insbesondere den hochwertigen Businessverkehr aus der deutschen Hauptstadt über ihre Hubs abzusaugen", sagt er nicht ohne Blick auf Lufthansa.

Spätestens mit der Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BER im Oktober 2020 könnte sich dies deutlich ändern, so Kieker. "Voraussetzung sind jedoch erweiterte Verkehrsabkommen insbesondere mit der China und der Golfregion", appelliert auch er an die Politik.

Kritik an Lufthansa

Gerade Lufthansa war zuletzt häufiger in die Kritik geraten, weil sich der Kranich-Konzern auf der Langstrecke von der Hauptstadt verabschiedete. Nach der Air-Berlin-Pleite flog die Airline zwar die Strecke nach New York, doch diese wurde nicht wie geplant von Billigtochter Eurowings übernommen.

Allerdings verteidigt Lufthansa, dass keine Region so gut an die Drehkreuze Frankfurt und München angebunden sei, wie Berlin. Ob man am neuen Hauptstadtflughafen BER hingegen wieder Langstreckenverkehr anbieten will, sei noch nicht entschieden, heißt es.

Von: cs
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