Tegel, wir lieben Dich!

25.04.2016 - 10:27 0 Kommentare

In Berlin ist niemand ernsthaft böse über Verzögerungen am BER. Warum auch, fragt airliners.de-Herausgeber David Haße: Die Berliner haben ja Tegel. Ein Gedankenflug über den besten Hauptstadtflughafen der Welt.

Fluggäste stehen auf dem Flughafen Berlin-Tegel vor einer Anzeigetafel.

Fluggäste stehen auf dem Flughafen Berlin-Tegel vor einer Anzeigetafel.
© dpa - Kay Nietfeld

Flughafen Berlin-Tegel

Flughafen Berlin-Tegel
© dpa - Ralf Hirschberger

Passagiere laufen durch den Airport Berlin-Tegel.

Passagiere laufen durch den Airport Berlin-Tegel.
© dpa - Sophia Kembowski

Passagiere stehen am 3.6.2012 im Flughafen Berlin-Tegel am Check-In

Passagiere stehen am 3.6.2012 im Flughafen Berlin-Tegel am Check-In
© dpa - Britta Pedersen

Der Airport Berlin-Tegel trägt den Beinamen "Otto Lilienthal".

Der Airport Berlin-Tegel trägt den Beinamen "Otto Lilienthal".
© dpa - Sophia Kembowski

Blick auf den Flughafen Berlin-Tegel.

Blick auf den Flughafen Berlin-Tegel.
© dpa - Sophia Kembowski

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Als Berliner muss man sich ständig Häme über den BER anhören. Auch am vergangenen Freitag waren die verkorksten Hauptstadt-Ambitionen in Sachen Flughafen wieder einmal bestimmendes Element - und zwar auf der Eröffnungsfeier für das neue Midfield-Terminal am Flughafen München. Gleich mehrere Festtags-Redner zogen wenig schmeichelhafte Vergleiche. Aber wissen Sie was? Das ist uns Berlinern egal!

Ich habe nie verstanden, warum alle Welt zu glauben scheint, in Berlin würde man sich über die verzögerte BER-Eröffnung grämen. Zumindest meinen Beobachtungen zufolge scheint eher das Gegenteil der Fall. Warum? Ganz einfach: Wir lieben Tegel. Und Tegel soll zumachen, wenn der BER eröffnet.

Peinlich aber praktisch

Klar, Tegel ist überfüllt, alt und irgendwie peinlich für eine Hauptstadt. Aber jeder Berliner, der halbwegs regelmäßig mit dem Flugzeug unterwegs ist, weiß um seine praktischen Vorzüge. Die Architektur ist aus Passagiersicht einfach fantastisch. Sie kombiniert in Tegel die kurzen Wege eines Regionalflugplatzes mit den Reisemöglichkeiten eines Internationalen Großflughafens - und das bei gleichzeitig unmittelbarer Stadtanbindung.

Der BER dagegen wird vor allem aus Betreibersicht grandios: Er kombiniert die moderne Flughafenshoppingwelt mit weiteren Wachstumsmöglichkeiten im Hub-Verkehr. Aus Passagiersicht bedeutet das wiederum eine verlängerte Anreise nach "JottWeDe" (was auf berlinerisch so viel heißt wie "Ganz weit draußen") und Blasen an den Füßen.

Kurzum: Wo bei der Diskussion um die Tempelhof-Schließung bei manchen Berlinern offenbar die nostalgischen Synapsen durchgebrannt sind, kann ich die praktikablen Beweggründe zur Forderung einer Offenhaltung von Tegel durchaus nachvollziehen.

So geht Flughafen

Ich nenne nur ein Beispiel: Wenn Sie Tegel nur als Berlin-Besucher kennen, wissen Sie das vielleicht nicht: Man kann in Tegel tatsächlich mit dem Auto direkt unter einem bestimmten Gate parken. Da, wo oben die Passagiere das sechseckige Terminal entlanglaufen, fahren eine Etage tiefer die Autos durch ein sechseckiges Parkhaus. Das ist für Geschäftsreisende genial!

Nehmen Sie meinen Tagestrip am Freitag nach München: Direkt unter dem richtigen Gate geparkt, eine Treppe und ein paar Schritte zur Schlange durch die Security, direkt ins Flugzeug und los geht’s. Auf dem Weg zurück habe ich mitgezählt und auf die Uhr geschaut: Es sind kaum mehr als 150 Schritte und nicht einmal zwei Minuten – wohlgemerkt vom Flugzeug direkt bis zum Auto. Feierabend, ich komme:

Zum Taxi und zum Bus gelangt man fast genauso schnell. So geht also Flughafen. Da kann der neue Hauptstadtflughafen noch so schick und modern sein - wirklich herbeigesehnt wird die Eröffnung des neuen Flughafens wohl nur von denjenigen, die direkt mit dem BER zu tun haben. Alle anderen aber genießen Tegel - so lange es noch geht.

© Flughafen Berlin Brandenburg GmbH/Archiv, Lesen Sie auch: Berlin-Tegel ist der Quickie-Flughafen Europas

Über den Autor

David Haße David Haße ist Herausgeber und Chefredakteur von airliners.de. Der studierte Marketing- und Kommunikationsfachmann ist beruflich seit rund 15 Jahren in der Onlinebranche zu Hause. 2007 machte er sich mit dem zuvor als Projekt gestarteten airliners.de selbständig. Kontakt: david.hasse@airliners.de

Von: dh
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