Das macht der Lufthansa Innovation Hub

03.08.2018 - 09:04 0 Kommentare

In Berlin entwickelt der Lufthansa-Konzern digitale Lösungen und Produkte rund ums Reisen. Nach bald vier Jahren ist der Lufthansa Innovation Hub in der Szene etabliert - und expandiert nach Asien.

Der Eingangsbereich des Lufthansa Innovation Hubs. - © © airliners.de - Andreas Sebayang

Der Eingangsbereich des Lufthansa Innovation Hubs. © airliners.de /Andreas Sebayang

Berlin bleibt das wichtigste Drehkreuz für die Lufthansa - zumindest fürs Digitale: Seit bald vier Jahren ist in der deutschen Hauptstadt der Lufthansa Innovation Hub (LIH) angesiedelt. airliners.de war dort zu Besuch.

Wichtig war bei Gründung vor allem eines: Der Hub muss in Berlin angesiedelt werden, so Solveig Schulze, eine der Gründerinnen, im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Hauptstadt ist das Zentrum der deutschen Start-Up-Szene.

Hier finden sich viele Ideengeber und auch das Venture Capital - sprich die Finanzierung ist in direkter Reichweite. Ein guter Standort, um als Schnittstelle zwischen der Digitalwirtschaft und dem Mutterkonzern agieren zu können.

Mitarbeiterzahl verdreifacht

Angefangen hat das Team mit acht Leuten bestehend aus Lufthanseaten und Digital-Experten Ende 2014. Seit 2015 ist der Hub eine eigenständige Tochter der Lufthansa. Aktuell beschäftigt die Division 24 Mitarbeiter.

Zunächst mussten Kontakte geknüpft und Geschäftsfelder erforscht werden. Ursprünglich wollte man hauptsächlich Partnerschaften mit Start-Ups eingehen und Projekte finanzieren.

In den vergangenen Jahren entwickelte man aber unter anderem auch noch offene Schnittstellen für Entwickler (Open-API), verschiedene Pass-Systeme für Vielflieger der Lufthansa-Airlines sowie ein automatisiertes Check-In-System, das insbesondere Kunden hilft, die auch mit der Konkurrenz fliegen.

Flexibilität ist wichtig

Das kleine Unternehmen könne günstig und schnell Prototypen entwickeln und diese direkt am Markt testen, so Schulze. Diese Flexibilität ist ein enormes Plus, was man sich auch weiter erhalten wolle. Die Mitarbeiter sind in der Start-Up-Szene gut vernetzt, so findet man das LIH auch auf Hackathons, berichtet Schulze. Damit gehe man direkt auf die Communities zu.

Vorzeigeprojekt Check-In-App

Ein Vorzeigeprojekt ist die App airlinecheckins.com. Die Applikation nimmt Reisenden, die mit vielen Fluggesellschaften unterwegs sind, das Einchecken ab, erinnert an ablaufende Reisepässe und soll bald auch das Buchen von Flugzeug-W-LAN ermöglichen. Besonders beliebt ist die App in den USA.

Eine Carrier-übergreifende Check-In-Funktion war allerdings auch das Designziel. Und es ist nur ein Anfang. Dank des grundsätzlich modularen Aufbaus kann die App schnell erweitert werden.

Wer in das Change-Log der App schaut, sieht auch die schnelle Reaktionszeit der Entwickler - eben wie bei einem Start-Up. Der Mutterkonzern dagegen tut sich schon beim Beheben von Fehlern schwer.

Beim Lufthansa Innovation Hub hat man hingegen in kurzer Zeit den Check-In-Prozess für 400 Airlines vereinheitlicht. Bisher haben die Kunden laut Schulze rund 220 davon in der Praxis ausprobiert. Langfristig soll das Angebot für Firmen die Reiseverwaltung vereinfachen. Es ist aber nicht als Konkurrenz zu Lufthansas Airplus-System gedacht.

Vom Projekt zur Ausgründung

Ein weiteres Projekt ist mittlerweile sogar eine Ausgründung. Yilu heißt das Unternehmen, über das noch nicht viel geredet wird und das alle Aspekte des Reisens - also nicht nur das Fliegen an sich - beinhaltet. In den nächsten Monaten dürfte mehr darüber zu erfahren sein.

Aber nicht alle Neuerungen entstehen im Innovation Hub, auch wenn man das vielleicht denken könnte: Projekte wie das gescheiterte Rimowa Electronic Luggage Tag oder der Quasi-Nachfolger Bagtag sind nicht im Berliner Hub entwickelt worden. Das gilt auch für den Anyway Travel Pass. Es gibt also hausinterne Konkurrenz.

Ableger starten in Singapur und Shenzhen

Die Entwicklung des Lufthansa Innovation Hubs geht stetig weiter. Der Hub befindet sich "in der Pubertät", wie Schulze es nennt. Mittlerweile versucht das Unternehmen seine Kontakte nach Asien auszudehnen.

Je ein Innovation Hub wurde in Shenzhen (China) und im Stadtstaat Singapur gegründet. Zunächst mit Personal aus Berlin. Die Hubs sollen Verknüpfungen mit dortigen Start-Ups aufbauen, die Besonderheiten der asiatischen Märkte ergründen und so ein besseres Verständnis für die gesellschaftlichen Unterschiede vermitteln.

Später könnten die Asien-Hubs mit lokalen Mitarbeitern verstärkt werden. Viele Länder wie Indien und viele Staaten im Asien-Pazifik-Raum haben für die Entwicklung zudem einen Vorteil: Die potenziellen Fluggäste sind experimentierfreudiger und eher bereit, Technik einzusetzen.

Von: as, br, cs
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