Berlin erlebt neuen Amerika-Boom

07.09.2018 - 14:25 0 Kommentare

Im kommenden Sommer hat der Luftverkehrsstandort Berlin mehr Nord- und Mittelamerika-Langstrecken als vor der Air-Berlin-Pleite. Dennoch klafft in einem Bereich noch eine große Lücke.

Flughafen Berlin-Tegel bei Nacht: Mehr Amerika-Langstrecken. - © © AirTeamImages.com  - Carlos Enamorado

Flughafen Berlin-Tegel bei Nacht: Mehr Amerika-Langstrecken. © AirTeamImages.com /Carlos Enamorado

Am Flughafen Berlin-Tegel werden im kommenden Sommer sieben Langstrecken nach Nord- und Mittelamerika angeboten. Dies sind mehr als im Pleite-Sommer des ehemaligen Platzhirsches Air Berlin, geht aus Daten der Flughafengesellschaft Berlin/Brandenburg (FBB) hervor, die airliners.de vorliegen.

Nord- und Mittelamerika-Langstrecken ab Berlin
Interkontinental-Verbindungen
2010 3
2011 6
2012 7
2013 7
2014 6
2015 6
2016 3
2017 6
2018 3
2019 7

Daten beziehen sich auf den jeweiligen Sommerflugplan Schönefeld und Tegel. Quelle: FBB, eigene Berechnungen

Betrachtet man die Zahl der wöchentlichen Flüge, liegt der Sommer kommenden Jahres sogar noch vor dem 2017. Die FBB zählt für 2019 36 wöchentliche Amerika-Verbindungen - 2017 waren es 34 und in diesem Sommer sind es sogar nur 18.

Neben den bereits bestehenden Verbindungen von Air Canada nach Toronto, von Delta Air Lines nach New-York-JFK und von United Airlines nach New York-Newark kommen im Sommer drei Routen von Primera Air und eine von American Airlines dazu. So wird American viermal wöchentlich Philadelphia anfliegen; Primera will nach Newark, Boston und später mehrmals pro Woche nach Toronto abheben.

Starker Preiskampf nach Nordamerika

Allein Air Berlin bot zuletzt ab Tegel noch sechs Langstrecken nach Nord- und Mittelamerika an. Dabei gelten eben jene Verbindungen unter Experten als wahre Königsdisziplin. Denn dahin fliegen viele Airlines - es herrscht also ein starker Preiskampf und das Geldverdienen wird schwierig.

Lufthansa-Langstrecke

Nach dem Marktaustritt der einstigen Konkurrentin bot die Kranich-Airline kurzzeitig im vergangenen Winter die Strecke nach New York von Berlin aus an. Da allerdings keine kompatiblen Slots für den Sommer auf der Route TXL-JFK vorhanden waren, verwarf das Lufthansa-Management den Plan, die Verbindung an die Low-Cost-Tochter Eurowings abzugeben. Nach airliners.de-Informationen sollen auch die Erträge nicht zufriedenstellend gewesen sein.

Welche Auswirkungen das haben kann, hätte der Fall Air Berlin gezeigt: "Golf-Carrier Etihad zwang die Airline mit seinem reichhaltigen Asien-Angebot zu Amerika-Langstrecken", beschreibt es ein Beobachter. Dies hätte ebenfalls einen Anteil an der Pleite gehabt.

Mangel an touristischen Langstrecken?

Trotz aller Freude über das neue Angebot: Die Berliner Flughäfen hätten nach wie vor einen Mangel an touristischen Interkontinental-Verbindungen, kritisieren Beobachter. Beispielsweise gibt es nach dem Ausstieg von Air Berlin gar keine Flüge mehr in die Dominikanische Republik. Zuletzt stellten zudem Condor, Small Planet und Sun Express ihre Charterflüge nach Dubai ab Berlin ein.

"Wir sind sehr erleichtert, dass durch Easyjet und Eurowings die Air-Berlin-Lücke im Europaverkehr aufgefangen wurde", sagt Burkard Kieker von "Visit Berlin". "Nun braucht es im Langstreckengeschäft weitere Impulse. Denn da herrscht nach wie vor Mangel."

© AirTeamImages.com, Carlos Enamorado Lesen Sie auch: Berlin hat ein Langstrecken-Problem

Eben jenen sieht Kieker im touristischen Geschäft nicht vorwiegend. "Die Dominikanische Republik geht immer und dafür wird sich jemand finden. Aber das ist Outgoing und nur nachrangig spannend." Berlin müsse hingegen weiter als Kongressstandort etabliert werden - "und da braucht es Flüge aus Chicago, der US-Westküste, Shanghai und auch Tokio".

Gerade beim Thema Fernost sieht Kieker aber auch die Politik in der Pflicht. "Wir brauchen Verhandlungen über neue Verkehrsrechte. Am besten schon gestern, aber spätestens zur Eröffnung des BER 2020." Denn, da ist sich Kieker sicher: "Der Flughafen macht 2020 auf und wird uns alle überraschen."

Air-Berlin-Pleite kostete viele Langstrecken

Der Marktaustritt des Pleite-Carriers hat die deutsche Hauptstadt quasi über Nacht viele ihrer bis dahin angebotenen Interkontinentalverbindungen gekostet. "Dass das, was wir über zehn Jahre hinweg aufgebaut haben, plötzlich weggebrochen ist, ist schon bitter", so Kieker.

Zahl der Langstrecken ab Berlin
Interkontinental-Verbindungen
1998 25
1999 24
2000 25
2001 23
2002 14
2003 11
2004 7
2005 10
2006 9
2007 10
2008 8
2009 13
2010 11
2011 13
2012 16
2013 13
2014 12
2015 11
2016 11
2017 18
2018 6

Angaben für Schönefeld und Tegel zusammen. Quelle: FBB

Von: cs
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