Bericht: EU-Kommission nennt Datum für Lufthansa-Prüfung

16.11.2017 - 09:08 0 Kommentare

Lufthansa will große Teile der Air Berlin übernehmen. Die EU-Kommission muss den Deal genehmigen - dafür scheint es nun ein Datum zu geben, das deutlich vor dem vom Konzern anvisierten Termin liegt.

Europaflaggen vor dem Berlaymont-Gebäude in Brüssel

Europaflaggen vor dem Berlaymont-Gebäude in Brüssel
© airliners.de - S. Drews

Flugzeuge der Lufthansa und der Air Berlin auf dem Düsseldorfer Flughafen.

Flugzeuge der Lufthansa und der Air Berlin auf dem Düsseldorfer Flughafen.
© dpa - Federico Gambarini

Die Übernahme großer Teile der Air Berlin durch die Lufthansa Group könnte wohl deutlich früher abgeschlossen werden, als angenommen. So wolle sich die EU-Kommission bereits Anfang Dezember zu dem Deal äußern, berichtet der "Tagesspiegel". Dieser Termin könne sich noch einmal um zehn Werktage nach hinten verschieben, sollte die Lufthansa Zusagen machen, um so bereits im Vorfeld wettbewerbsrechtliche Bedenken aus dem Weg zu räumen.

Denkbar wären laut Zeitung beispielsweise das Zugeständnis, für Wettbewerb auf jenen Flugrouten zu sorgen, auf denen die beiden Airlines bislang die einzigen Konkurrenten waren. Bisher soll es solche Zusagen nicht geben. Dass die Fusion in Brüssel glatt durchgeht, sei hingegen unwahrscheinlich.

Sollte die Kommission weder am 7. Dezember noch zehn Werktage später die Fusion genehmigen können, würden die Beamten in eine vertiefte Prüfung einsteigen. Dafür sind 90 Werktage vorgesehen, es gibt aber auch noch die Möglichkeit zur Verlängerung, sodass sich die Prüfung noch bis zum Frühjahr hinziehen könne.

Bundeskartellamt behält sich Prüfung vor

Gleichzeitig kündigte die Bundesregierung schon an, sich das Recht vorzubehalten, den Deal auch nach der EU noch einmal prüfen zu können. "Der Ausgang dieses Verfahrens ist abzuwarten, bevor man darüber nachdenken kann, ob hier ein marktbeherrschendes Unternehmen eventuell missbräuchlich überhöhte Preise nimmt", sagte Bundeskartellamtschef Andreas Mundt dem "Handelsblatt".

Der Lufthansa-Konzern war in den vergangenen Tagen scharf in die Kritik geraten, weil Kranich-Airlines auf vielen innerdeutschen Strecken oft der einzige Anbieter sind und die Ticketpreise laut einer Erhebung in kürzester Zeit massiv gestiegen seien. Konzernchef Carsten Sport kündigte daraufhin, bis zu 60 neue Flüge pro Tag ab Januar an. Dann, so hofft Lufthansa, sei die Übernahmeprüfung abgeschlossen.

Eurowings hält LGW in der Luft

Air Berlin hatte im August Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet und zum Ende des Sommerflugplans den selbstvermarkteten Flugbetrieb eingestellt. Einen großen Teil des Pleite-Carriers will der Lufthansa-Konzern in Form der nicht insolventen Töchter LGW und Niki übernehmen, um sie an die Billigplattform Eurowings an zu docken. Auch Easyjet ist an einem Teil des Air-Berlin-Geschäfts interessiert.

© AirTeamImages.com, Alun Morris Jones Lesen Sie auch: Eurowings muss um Air-Berlin-Wet-Leasing bangen

Aktuell heben einige Air-Berlin-Flieger noch im seit dem Jahresanfang laufenden Wet-Leasings für Lufthansa-Airlines ab. Auch LGW hat im Oktober einen ACMI-Deal mit Eurowings ausgehandelt, maßgeblich damit die Regionalairline vor einer Übernahme nicht in die Pleite rutscht, schätzen Branchenkenner.

Von: cs
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