Regierung sprach wohl schon vor Air-Berlin-Pleite mit der Lufthansa

21.09.2017 - 17:35 0 Kommentare

Showdown im Air-Berlin-Poker: Laut eines Medienberichts sollen Lufthansa und Bundesregierung ihr Vorgehen schon Tage vor dem Insolvenzantrag abgestimmt haben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Lufthansa-Chef Carsten Spohr. - © © dpa - Boris Roessler

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Lufthansa-Chef Carsten Spohr. © dpa /Boris Roessler

Bereits mehrere Tage vor der Insolvenz von Air Berlin soll die Bundesregierung mit dem Pleite-Carrier und der Lufthansa Group Gespräche geführt haben. "Vertreter der Bundesregierung führten schon vor der Air-Berlin-Pleite Gespräche mit beiden Airlines", berichtet die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsabgeordneten Katharina Dröge, die das Bundesverkehrsministerium beantwortete.

Demnach sollen der ehemalige Lufthansa-Manager Thomas Winkelmann, der im Februar bei Air Berlin an die Spitze rückte, und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) bereits am Freitag, den 11. August telefoniert haben - vier Tage bevor Air Berlin offiziell Insolvenz anmeldete.

"Telefonate mit Air Berlin und Lufthansa"

Über das Wochenende (12. und 13. August) gab es laut "Süddeutscher" zudem Gespräche zwischen den Staatssekretären Matthias Machnig (Wirtschaft) sowie Michael Odenwald (Verkehr), Winkelmann und Lufthansa-Chef Carsten Spohr. In der Anfrage hieße es dazu nur: "Telefonate mit Air Berlin und Lufthansa".

Am Montag (14. August), trafen sich den Angaben zufolge dann gleich vier Staatssekretäre aus unterschiedlichen Ministerien, um über den staatlichen Millionenkredit für Air Berlin zu verhandeln. Neben Machnig und Odenwald sollen Kollegen aus dem Auswärtigen Amt und dem Finanzministerium dabei gewesen sein - plus Spohr und Winkelmann.

Die Öffentlichkeit wurde erst einen Tag später informiert. Zu den Inhalten der Gespräche wollten die Ministerien auf Nachfrage der Zeitung keine Angaben machen.

Regierung favorisierte früh Lufthansa

Den Verdacht, dass die Bundesregierung den Poker um Air Berlin zugunsten der Lufthansa beeinflussen könnte, gibt es schon länger: Sowohl Dobrindt als auch Kabinettskollegin Brigitte Zypries (SPD) aus dem Bundeswirtschaftsministerium hatten in Interviews nach dem Insolvenzantrag mehrfach betont, dass mit Lufthansa nun ein "deutscher Champion" gestärkt werden solle. Zypries sagte sogar ganz offen, dass die Regierung eine Übernahme durch die Lufthansa Group favorisiere. Ihre Staatssekretäre beteuerten später, dass die Regierung sich aus dem Verfahren heraus halte. 

© AirTeamImages.com, TT Lesen Sie auch: Auf diesen Air-Berlin-Strecken droht ein Lufthansa-Monopol Analyse

Auch hält ein Millionenkredit der staatseigenen Förderbank KfW, für den der Bund bürgt, Air Berlin trotz Insolvenz weiter in der Luft. Dies sichert für einen potenziellen Käufer die wertvollen Start- und Landerechte der Air Berlin an deutschen Flughäfen ab. Ohne finanzielle Unterstützung müsste das Luftfahrt-Bundesamt dem Carrier hingegen die Betriebslizenz entziehen, die Rechte kämen zurück in den Vergabetopf des Koordinators und der Kranich-Konzern müsste bei der nächsten Slot-Konferenz Konkurrenten wie Ryanair den Vortritt lassen

Lufthansa nicht mehr an Langstrecke interessiert

Der Kranich-Konzern gilt als aussichtsreichster Kandidat im Poker um die insolvente Konkurrentin. Er will bis zu 80 Maschinen der Air Berlin übernehmen: die 38 Flugzeuge, die seit diesem Jahr im Wet-Lease für den Konzern abheben, sowie bis zu 40 weitere Maschinen. An den 17 Langstreckenjets habe Lufthansa laut aktuellen Informationen kein Interesse mehr.

Allerdings hat Air Berlin ohnehin keine eigenen Langstreckenflugzeuge - die 17 Maschinen sind alle nur geleast. Ein Leasinggeber soll zehn Flugzeuge bereits zurückgeordert haben, sodass Air Berlin einen Großteil ihrer Langstrecke ab Berlin-Tegel und Düsseldorf streichen musste. Zum Winter haben nun Condor uns Eurowings die Aufnahme von eigenen Karibik-Routen ab Düsseldorf angekündigt - ohne dafür Teile der insolventen Konkurrenz erwerben zu müssen.

© dpa, Lesen Sie auch: Air-Berlin-Aufteilung geht auf die Zielgerade Überblick

Die Flugzeuge, die der Kranich bei dem Air-Berlin-Filetieren inklusive Slots und Mitarbeiter abbekommen möchte, sollen derweil den Billigcarrier Eurowings auf der Mittelstrecke stärken. Auch Tochter Austrian Airlines könnte mehr Engagement übernehmen. Laut Insidern wird der Aufsichtsrat der Group kommende Woche über die Integration der Air-Berlin-Teile beraten.  "Wir glauben, bald bis zu 3000 neue Mitarbeiter begrüßen zu können", sagte Spohr nun vor Journalisten.

Gläubigerausschuss berät am Donnerstag

Soweit öffentlich bekannt, haben mehr als ein halbes Dutzend Bieter Offerten für eine (Teil-)Übernahme eingereicht. Bereits am Donnerstag soll der Gläubigerausschuss die Weichen für einen Verkauf stellen. Der Aufsichtsrat der Air Berlin wird am Montag (25. September) final über die Offerten beraten und laut Airline anschließend die Entscheidung verkünden. 

© dpa, Federico Gambarini Lesen Sie auch: Air-Berlin-Pleite: Ursachen und drohende Probleme Apropos (19)

Neben der Lufthansa Group gilt in Branchenkreisen vor allem die British-Airways und Iberia-Mutter IAG als aussichtsreichste Kandidaten für eine Übernahme. Für sie spricht, dass beide Marken mit Air Berlin im Netzwerk Oneworld kooperieren. An der Air-Berlin-Tochter Niki zeigen deren Gründer Niki Lauda und Reisekonzern Thomas Cook (inklusive des deutschen Ferienfliegers Condor) Interesse. Easyjet geht es um die Kurzstrecken.

Bieter sind auch die Unternehmer Utz Claassen und Hans Rudolf Wöhrl sowie der Berliner Logistiker Zeitfracht. Interessiert ist auch der Chinese Jonathan Pang.

Von: cs
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