BER: Neukölln und Schönefeld wollen U-Bahn-Anbindung

07.11.2018 - 15:43 0 Kommentare

Über eine Verlängerung der U-Bahnlinie nach Schönefeld und zum künftigen Berliner Großflughafen BER wird schon seit langem diskutiert. Nun wollen Berliner und Brandenburger Kommunalpolitiker auch Taten sehen.

Die Einfahrt zum Bahnhof des BER. - © © dpa - Bernd Settnik

Die Einfahrt zum Bahnhof des BER. © dpa /Bernd Settnik

Der Berliner Bezirk Neukölln und die angrenzende Gemeinde Schönefeld dringen auf eine rasche Verlängerung der U-Bahnlinie 7 nach Brandenburg. Das Projekt sei zur Anbindung der stark wachsenden Gemeinde wie auch des neuen Hauptstadtflughafens BER unabdingbar, sagten Schönefelds Bürgermeister Udo Haase (parteilos) und Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) am Dienstag bei einem gemeinsamen Treffen mit dem Berliner Senat.

Nach jahrzehntelangen Diskussionen und Planungen sei es an der Zeit, nun die Umsetzung des Projekts anzugehen, betonten beide Politiker. Andernfalls drohe Dauerstau am BER wie auch im Berliner Südosten, weil auf den Straßen Zehntausende zusätzliche Autos mit Pendlern und Fluggästen unterwegs seien, so Haase.

Berliner Senat dämpft Hoffnungen

Die Berliner Senatorinnen Regine Günther (Verkehr/parteilos/für die Grünen), Ramona Pop (Wirtschaft/Grüne) und Katrin Lompscher (Bau/Linke) lobten zwar das gemeinsame Vorgehen mit Brandenburg in dieser Frage, dämpften aber Hoffnungen auf einen allzu raschen Fortgang der Dinge. Sie verwiesen auf mehrere Machbarkeitsstudien, deren Ergebnisse es abzuwarten gelte. Sie sollen 2019 oder 2020 vorliegen.

Die U7 als längste Berliner U-Bahnlinie führt derzeit von Spandau nach Rudow. Von dort sind es rund drei Kilometer zum S-Bahnhof Schönefeld und gut sechs Kilometer zum künftigen BER-Terminal. Eine Verlängerung, die nach vorliegenden Modellen teils unterirdisch und teils als Hochbahntrasse realisiert werden könnte, würde groben Schätzungen zufolge eine Milliarde Euro kosten und von Planung bis Fertigstellung rund 15 Jahre dauern. Ein kleiner Teil läge auf Berliner, der Großteil auf Brandenburger Gebiet.

© dpa, Patrick Pleul Lesen Sie auch: BER-Eröffnung: Es wird eng in der Bahn Analyse

Günther zufolge ist eine U-Bahn deutlich teurer als etwa eine Straßenbahn. Pop verwies zudem darauf, dass überall in Berlin neue Verkehrsprojekte - auch U-Bahnlinien - in der Prüfung und zahlreiche neue Tramlinien konkret geplant seien. Der Fuhrpark der BVG werde erneuert. Das seien viele Herausforderungen. "Wir müssen Prioritäten setzen und können nicht alles gleich machen", so Günther. "Ich kann gar nix zusagen", fasste sie den U7-Sachstand zusammen.

Grundsatzentscheidung bis 2021

Auch Berlins Regierungschef Michael Müller (SPD) legte sich nicht fest, will Entscheidungen über das Projekt aber auch nicht auf den St. Nimmerleinstag verschieben. "Eine Grundsatzentscheidung muss es in dieser Legislaturperiode geben, keine Frage", sagte er.

Er verwies auf die Vorväter, die in Berlin vor 100 Jahren in der Verkehrspolitik "umstrittene und auch teure Wege" gegangen seien. "Davon profitieren wir heute noch." Nun gebe es in der stark wachsenden Hauptstadt erneut dramatische Entwicklungen, auf die es zu reagieren gelte.

Stadt Schönefeld wächst stark

Haase verwies darauf, dass in Schönefeld direkt an der Berliner Stadtgrenze ein Wohnquartier für 23.000 Menschen entstehe. Zwei Drittel der Zuzügler in dem einst 5000 Einwohner, heute 16.000 und in Zukunft womöglich 45.000 Einwohner zählenden Ort kämen aus Berlin.

Hasse plädierte dafür, die U7 zunächst bis zum S-Bahnhof Schönefeld zu verlängern und damit das neue Wohngebiet anzubinden. "Mit der U-Bahn hätten wir täglich 10.000 Autos weniger auf Berlins Straßen."

Hikel sagte, schienengebundener Personennahverkehr sei das verlässlichste Verkehrsmittel und müsse in Berlin weiter ausgebaut werden. "Dazu gehört unmissverständlich auch die Verlängerung der U7." Die wachsende Stadt und der Flughafen BER seien zwei überzeugende Argumente für eine "Priorisierung".

Von: pra, dpa
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen.

  • Michael Kerkloh im Gespräch mit airliners.de. "Es werden nur noch Knappheiten verwaltet"

    Interview Münchens Flughafenchef Kerkloh fasst im Gespräch mit airliners.de zusammen, was das Moratorium bei der dritten Bahn für den Airport bedeutet. Er unterstreicht, dass die Piste auch eine Bedeutung für den gesamten Luftverkehrsstandort Deutschland hat.

    Vom 07.11.2018
  • Lufthansa und der Flughafen betreiben das Terminal 2 und den neuen Satelliten in einem Joint Venture. Mit der Bahn oder dem Flieger zum Seminar?

    Schiene, Straße, Luft (23) Die Reiseabteilung eines oberbayerischen Unternehmens bucht für einige junge Teilnehmer eines Seminars in Berlin Flüge. Für alle. Ohne zu fragen. Das muss nicht sein, meint Verkehrsjournalist Thomas Rietig.

    Vom 09.11.2018
  • Berlins Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup im BER Ingenieure weisen Kritik des BER-Chefs zurück

    Berlins Flughafenchef Lütke Daldrup unterstellt: Ingenieure machen ein gutes Geschäft mit der überbordenden Bauregulierung. Die Berufsverbände kontern und sehen die Schuldigen in der Politik.

    Vom 13.11.2018

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus

Mehr Nachrichten »
Anzeige schalten
Mehr Stellenangebote »
Anzeige schalten »