Flughafen dementiert BER: Neue Pannen und Mängel?

02.01.2013 - 17:13 0 Kommentare

Die Bauarbeiten am neuen Hauptstadtflughafen in Schönefeld kommen kaum voran. Der angepeilte Eröffnungstermin ist angeblich nicht nur vom Brandschutz bedroht, auch unterdimensionierte Kühlsysteme und die Tankanlage könnten eine Eröffnung im Oktober verhindern.

Für die im Oktober geplante Eröffnung des neuen Berliner Hauptstadtflughafens gibt es nach «Spiegel»-Informationen neue Risiken. Neben den Problemen beim Brandschutz sorge auch die Kühlung der zentralen Computeranlage für Ärger, berichtet das Magazin unter Berufung auf den jüngsten Controllingbericht der Flughafengesellschaft. Es drohten Überhitzung und Notabschaltung, weil die Kälteaggregate falsch dimensioniert seien.

Probleme bereite zudem die hochkomplexe Tankanlage unter dem Rollfeld. An dem kilometerlangen Pipelinesystem seien einige Rohrverbindungsstücke nicht exakt passend, heißt es in dem Bericht. Die Flughafengesellschaft zeigte sich am Sonntag gelassen. Die notwendigen Korrekturen an der Kühlung des Computersystems und der Unterflurbetankung nicht terminkritisch.

Um ganzjährig eine konstante Kühlung des zentralen Computersystems sicherzustellen, werde eine zusätzliche Anlage errichtet. Eine Neuausschreibung müsse nicht erfolgen, sagte BER-Technikchef Horst Amann. Die zitierten Mängel bei der Unterflurbetankungsanlage seien nicht genereller Art, vielmehr handle es sich um den Austausch weniger Bauteile. Die Unterflurbetankungsanlage sei bereits teilweise mit Kerosin befüllt und werde genutzt.

Auch weitere in der Berichterstattung der vergangenen Tage genannte Mängel hätten keinen Einfluss auf die Eröffnung. Kurz vor Weihnachten war ein internes Protokoll des Bundesverkehrsministeriums aufgetaucht, in dem weitere Planungspannen und Baumängel aufgelistet sind. Die Bauarbeiten am neuen Hauptstadtflughafen in Schönefeld kommen demnach seit August kaum voran.

Der Bericht listet nach Angaben der "Bild"-Zeitung zudem neue Planungspannen und schlimme Baumängel auf, die nun von der Flughafengeschäftsleitung dringend abgestellt werden sollen. So laufe am Flughafen-Bahnhof je nach Windrichtung Regenwasser von der westlichen Terminalfassade direkt in die Öffnungen des Lüftungssystems.

Das Brandschutzkonzept des Bahnhofs habe keine Verbindung zur Brandmelderanlage des Flughafens, heißt es weiter. Bei den Wandverkleidungen von Aufzügen würden keine brandsicheren Dübel eingebaut. Laut Protokoll gebe es am Flughafen "mehrere Tausend Quadratmeter, die sich im Rohbauzustand befinden". Zum geplanten Eröffnungstermin 27. Oktober 2013 trifft der Bericht allerdings keine konkreten Aussagen.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hatte aber über Weihnachten den Eröffnungstermin des neuen Flughafens erneut angezweifelt. "Der Miteigentümer Bund sieht Anzeichen dafür, dass der Eröffnungstermin am 27. Oktober 2013 möglicherweise nicht gehalten werden kann", sagte Ramsauer. Er bezweifle zudem, dass der mittlerweile auf 4,3 Milliarden Euro gestiegene Kostenrahmen gehalten werden könne.

"Es gibt auch Risiken bei den Kosten. Darum muss sich das Management der Flughafen-Gesellschaft kümmern", sagte Ramsauer als Vorwurf gegen den Berliner Flughafenchef Rainer Schwarz. Das Kernproblem sei, dass in der Vergangenheit "nicht alle entscheidenden Fakten auf dem Tisch der Aufsichtsräte" gelegen hätten. Indirekt griff Ramsauer auch Flughafen-Aufsichtsratschef Wowereit an. "Ein Aufsichtsratschef ist dafür verantwortlich, dass das Management funktioniert", betonte der CSU-Politiker.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hält trotz wachsender Zweifel vieler Beteiligter am geplanten Eröffnungstermin für den Hauptstadtflughafen fest. Um eine weitere Verschiebung zu vermeiden, müssten nun alle Kräfte gebündelt werden, sagte Wowereit in seiner Neujahrsansprache. Der Bau des Flughafens habe "mehr Ärger bereitet als Vorfreude ausgelöst". Verantwortung wahrzunehmen bedeute aber, "die Dinge anzupacken", fügte der SPD-Politiker hinzu.

Der Bund ist mit 26 Prozent an der Betreibergesellschaft des Flughafens beteiligt. Weitere Anteilseigner sind die Länder Berlin und Brandenburg mit je 37 Prozent.

Von: dpa, dapd, AFP
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