BER: Mehdorn geht Aufsichtsratsmitglied offen an

09.05.2014 - 17:04 0 Kommentare

Ein Geschäftsführer, der seinen Aufsichtsrat öffentlich rüffelt - undenkbar, zumindest in den meisten Unternehmen. Nicht aber am neuen Berliner Airport BER. Zudem belastet ein Bauüberwacher den Flughafenbetreiber.

Hartmut Mehdorn

Hartmut Mehdorn
© dpa - Ralf Hirschberger

Rote Schutzhelme und Warnwesten hängen im Besucherraum des Hauptstadtflughafens BER.

Rote Schutzhelme und Warnwesten hängen im Besucherraum des Hauptstadtflughafens BER.
© dpa - Ralf Hirschberger

Am neuen Hauptstadtflughafen verschärfen sich die Spannungen zwischen Geschäftsführer Hartmut Mehdorn und dem Aufsichtsrat. Mehdorn ging das neue Aufsichtsratsmitglied Christian Görke (Linkspartei) am Freitag offen an. Der Finanzminister Brandenburgs hatte tags zuvor im Landtag in Potsdam erklärt, dass ein Mehrbedarf von 1,1 Milliarden Euro diskutiert werde.

Mehdorn sprach in einer Mitteilung von ärgerlichen Äußerungen und rief alle Beteiligten auf, «eine sachlich richtige Diskussion» zu führen. Im Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses belastete derweil ein früherer Bauüberwacher die Vorgänger Mehdorns. Diese hätten nicht richtig durchgegriffen.

Görke hatte im Finanzausschuss gesprochen. Nach Mehdorns Ansicht entstand dabei der Eindruck, dass das Projekt nur wegen Planungsfehlern und Baumängeln teurer werde. Dies sei falsch, betonte Mehdorn unter der Überschrift «Mehdorn widerspricht Minister Görke».

Mehdorn: Mehr Flughafen kostet auch mehr Geld

Der Berliner Airport sei ursprünglich für 17 Millionen Passagiere im Jahr zu Kosten von 2,4 Milliarden Euro geplant gewesen. Nun werde aber für 27 Millionen Passagiere geplant. «Mehr Flughafen kostet auch mehr Geld», hob Mehdorn hervor. «Die Äußerungen von Herrn Görke sind insofern ärgerlich, weil er weiß, dass der BER über all die Jahre entsprechend den Anforderungen gewachsen ist.» In der Sitzung hatte Görke allerdings keine Gründe für die möglichen Mehrkosten genannt.

Die 1,1 Milliarden Euro eingerechnet, läge der Kostenrahmen für den drittgrößten deutschen Flughafen bei 5,4 Milliarden Euro. Vor allem den Brandenburger Aufsichtsräten ist die Nachforderung zu wenig nachvollziehbar. Beim ersten Spatenstich 2006 hatten die Betreiber noch von zwei Milliarden Euro gesprochen - bei einer Kapazität von 22 Millionen Fluggästen.

© dpa Lesen Sie auch: Architekt: BER-Eröffnung war aus mehreren Gründen unmöglich

Der frühere Bauüberwacher Knut Nell ließ die Abläufe in keinem guten Licht erscheinen. Seine Schilderungen vom Freitag lassen auf Schönrednerei und frisierte Berichte schließen. Säumige Firmen hatten demnach zeitweise wenig zu fürchten. «Die Flughafengesellschaft hat leider trotz aller Drohungen nie Konsequenzen gegenüber den betroffenen Firmen gezogen», sagte Nell.

Der 45-Jährige war von 2008 bis 2012 als Mitarbeiter des Flughafen-Architekten Meinhard von Gerkan auf der Baustelle. Nach der geplatzten Eröffnung 2012 hatte der Aufsichtsrat Gerkans Büro vor die Tür gesetzt und es auf 80 Millionen Euro Schadenersatz verklagt. Eine Gerichtsentscheidung dazu steht noch aus. Im April vergangenen Jahres hatten sich die Berliner Flughafengesellschaft und das Architekturbüro sich darauf geeinigt, ihren Rechtstreit um die Verzögerungen am künftigen Hauptstadt-Airport ruhen zu lassen.

Verzögerungen brachten laut Nell auch Änderungswünsche der Betreiber - etwa ein Tausch der Terminal-Ebenen 2008 und doppelstöckige Fluggastbrücken. Er bestätigte, dass mindestens einmal im Controllingbericht der Geschäftsführung für den Aufsichtsrat Terminwarnungen der Bauüberwacher abgeschwächt wurden.

Von: dpa, airliners.de
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